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Berger Bücherstube : Zuflucht für Schriftsteller und andere Leser

Abschied aus Altersgründen: Monika Steinkopf, langjährige Leiterin der Berger Bücherstube in Frankfurt Bild: Wonge Bergmann

Stadtschreiber schicken zum Abschied Postkarten, Kunden bringen Blumen vorbei: 1978 hat Monika Steinkopf die „Berger Bücherstube“ in Frankfurt eröffnet. Morgen macht die Buchhandlung zu.

          An der Lampe über dem Kaffeetisch hat sich schon Max Frisch den Kopf gestoßen. Der Schriftsteller war zum Signieren in Monika Steinkopfs Buchhandlung gekommen, nachdem er im Spätsommer 1981 die Laudatio auf Bergen-Enkheims neuen Stadtschreiber Peter Bichsel gehalten hatte. Nun schrieb er in der „Berger Bücherstube“ freundliche Nettigkeiten in die Bücher, die Hunderte von Besuchern ihm reichten, bewacht von Frischs Verleger Siegfried Unseld, der Steinkopf warnend zurief, gleich gingen die Signierexemplare von „Der Mensch erscheint im Holozän“ aus. Die Geschäftsführerin riet dem Gast angesichts des Publikumsandrangs, doch nur noch seinen Namen in die Bücher zu setzen, sonst sitze er ewig bei ihr, woraufhin Frisch ausrief: „Die Buchhändlerin zwingt mich zur Kürze.“ Er stand vom Tisch auf und stieß gegen das bunte Glas des Lampenschirms.

          Florian  Balke

          Kulturredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wo Steinkopf den Tisch aufstellt und die Lampe aufhängt, wenn sie ihre Buchhandlung morgen um 13 Uhr schließt, weiß sie bislang ebenso wenig, wie sie sich fühlen wird, wenn die Ladentür hinter dem letzten Kunden ins Schloss fällt. Es gibt so viele Erinnerungen. Da ist die Postkarte, die ihr der damalige Stadtschreiber Nicolas Born zur Eröffnung der „Berger Bücherstube“ im Herbst 1978 aus Ungarn schickte: „Liebe Frau Steinkopf, ich gratuliere Ihnen zur Eröffnung der Buchhandlung in Bergen und wünsche Ihnen großen Erfolg in der Literatur und im Geschäft - ohne Geschäft keine Literatur.“

          Seit der Eröffnung der „Bücherstube“ ist es für die Literatur in Frankfurts Stadtschreiberstadtteil Bergen-Enkheim gut gelaufen, Steinkopf ihrerseits hat mit ihrem Geschäft allen Umwälzungen im Buchhandel getrotzt. In ihren Laden im Gebäude der Berger Stadthalle sind alle immer gerne gekommen, Schriftsteller und Leser. Born schrieb zur Eröffnung: „Ich bedauere, nicht dabei sein zu können, werde Sie aber dort, inmitten der wärmenden Bücher, bald heimsuchen.“ Zur Schließung des Geschäfts haben sich nun die Nachfolger des bald nach seiner Zeit im Stadtschreiberhaus gestorbenen Autors gemeldet: Briefe von Thomas Rosenlöcher und Reinhard Jirgl hat Steinkopf ebenso erhalten wie E-Mails von Marcel Beyer, Thomas Lehr und Eva Demski, eine Postkarte von Wilhelm Genazino und einen Anruf von Arnold Stadler. Aber auch die Nichtstadtschreiber unter den Kunden kommen in diesen Tagen mit Abschiedswünschen, Blumen und Geschenken vorbei. „Das trägt einen jetzt ein bisschen.“

          Seit 57 Jahren steht Steinkopf im Beruf, seit mehr als 36 Jahren führt sie die „Bücherstube“, einschließlich des Engagements für den seit 1974 vergebenen Stadtschreiberpreis, zu dem die vom Typographen Manfred Brandt gesetzten „Poetischen Blätter“ der Autoren gehören, die Steinkopf herausgibt. Nun hat sie entschieden, dass es Zeit ist, sich zurückzuziehen. „Ich bin froh, dass ich die Entscheidung getroffen habe.“ Anfang Juli wird sie 77 Jahre alt; sie beginnt, den Arbeitsalltag zu spüren. „Tagsüber geht es“, sagt sie. „Aber abends!“ All die Jahre der Selbständigkeit mit jeweils nur einer einzigen Woche Urlaub, all die Wochen mit siebzig bis achtzig Arbeitsstunden im Laden und im Büro, all die Werktage im Geschäft, „ob es einem gut- oder schlechtgeht“ - es gibt manche Einzelheit aus dem Leben einer Buchhändlerin, der Steinkopf ganz sicher keine Träne nachweinen wird. An anderes hingegen denkt sie gerne zurück.

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