Eigentlich wollte die PSD-Bank Hessen-Thüringen das 140.Jahr ihres Bestehens im neu eröffneten Gesellschaftshaus des Palmengartens feiern. Doch da sich die Sanierung noch bis in den Frühherbst ziehen dürfte, mussten die Kreditgenossen aus Eschborn ihre Generalversammlung kurzfristig verlegen. Statt im mondänen Festsaal kommen die Mitglieder am 19.Juni nun im eher schlichten Saalbau Gallus zusammen. Ein Kabarettist soll auftreten, und statt der üblichen Brötchen soll es ein Buffet geben, wie der Vorstandsvorsitzende Dieter Mackrodt berichtet.
Bodenständig gibt man sich bei der PSD-Bank. Von der „beratenden Direktbank auf der grünen Wiese“ spricht Mackrodt gerne. Die Beschreibung ist in sich etwas widersinnig, schließlich verzichten die vor allem im Internet und am Telefon erreichbaren Direktbanken in der Regel auf Beratung. Doch dieser Widerspruch sagt schon viel über die Herausforderungen für das Kreditinstitut. Es ist alt, will aber ganz modern sein.
Treue Kunden
Fast jedes fünfte Mitglied in der Genossenschaft ist schon seit mehr als 50 Jahren dabei. Das spricht zwar einerseits für enorme Treue zu dem Haus. Andererseits sind Siebzig- und Achtzigjährige aber nicht eben die ideale Kundschaft für eine Bank, die mehr und mehr auf Internetbetrieb umstellt. Viele erledigen ihre Geschäfte noch per Post, manch einem Kunden wird es im Alter doch noch wichtig, einen persönlichen Ansprechpartner zu haben. Und die vier Beratungscenter, die die Bank in ihrer Eschborner Zentrale, in Darmstadt, Wiesbaden und Erfurt betreibt, sind für viele der in ganz Hessen und Thüringen lebenden Kunden weit weg.
„Es kommt vor, dass sich Kunden auf unseren Mitgliederversammlungen entschuldigen, dass sie nun doch noch zu einer anderen Bank gewechselt sind“, erzählt Mackrodt. Im Sommer will das Unternehmen eine weitere Zweigstelle eröffnen, in Kassel. 3900 Kunden verlor die Bank 2011, vor allem über das Internet gewann man zugleich aber 3600 hinzu. Trotz des im Saldo leichten Rückgangs der Kundenzahl auf 95000 haben sich die Einlagen um 2,2 Prozent auf 1,44 Milliarden Euro erhöht. Mit aggressiven Konditionen wie noch vor wenigen Jahren wird nicht mehr geworben. 1,1 Prozent erhält der Kunde derzeit für Tagesgeld.
Viele Banken werben inzwischen wieder mit hohen Zinsen um Kundeneinlagen. An diesem „harten Wettbewerb“ wolle man sich nicht beteiligen, sagt Vorstandsmitglied Markus Schaaf. „Wir wollen keine Konditionshopper haben, die überall einmal den Rüssel anlegen und dann weiterziehen.“ Lieber wolle man den Kunden dauerhaft gute Konditionen mit mehreren Produkten bieten. Beworben wird derzeit vor allem das Wachstumssparen, bei dem der Zinssatz Jahr für Jahr ein wenig steigt. Damit will man dem Trend, Geld nur noch kurzfristig anzulegen, entgegenwirken. Auch sollen möglichst viele Kunden ihr Gehaltskonto bei der PSD-Bank einrichten.
In diesem Segment ist die PSD noch sehr klein, was wiederum auf ihre Geschichte zurückgeht. Das Jubiläum, das in diesem Jahr gefeiert wird, bezieht sich auf die Gründung des Post-, Spar- und Vorschussvereins im Jahr 1872. Der Reichskanzler selbst verfügte damals, dass die staatlich bediensteten Postmitarbeiter sich nicht bei privaten Banken verschulden sollten, wie Mackrodt erzählt. Der Verein sollte Abhilfe schaffen und Sparprodukte und Hypotheken für Postbeamte und deren Familien anbieten. Für die Gehaltskonten waren hingegen die Vorläufer der heutigen Postbank zuständig. Erst in den neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts, im Zuge der Postprivatisierung, wurden auch die bis dahin in Post-, Spar- und Darlehensvereine umbenannten Institutionen zu eigenständigen Genossenschaftsbanken.
Baufinanzierungen machen auch heute noch einen großen Teil des Geschäfts aus, weshalb der Bank der Nachfrageboom im vergangenen Jahr zupasskam. Das Kreditvolumen wuchs um mehr als 13 Prozent auf nun 726 Millionen Euro an.
Kaum in Portugal investiert
Damit verleiht die Bank allerdings nur etwa die Hälfte ihrer Einlagen in Form von Krediten weiter, den Rest legt sie selbst am Kapitalmarkt an. In den Turbulenzen 2011 habe man aber kaum Geld verloren, heißt es. Die wenigen griechischen Staatsanleihen, die die Bank im Portfolio gehabt habe, seien glücklicherweise rechtzeitig ausgelaufen, sagt Mackrodt, in Portugal und Spanien habe man nur in geringem Maße investiert. Künftig will das Haus auch mehr Konsumentenkredite ausgeben.
Die Bilanzsumme ist 2011 wie in den Jahren zuvor gewachsen und liegt nun bei knapp 1,8 Milliarden Euro, als Jahresüberschuss weist die Bank knapp drei Millionen aus. Das reicht, um in diesem Jahr an die Mitglieder wieder eine Dividende von acht Prozent zu zahlen - „fünf Prozent Grunddividende und drei fürs Jubiläum“, wie Mackrodt sagt.