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Bei der Eintracht aussortiert Gekas, Tzavellas und die griechische Nische

 ·  Erfolgreich bei der EM, bei der Eintracht zeitweise aussortiert: Die beiden Nationalspieler aus Hellas suchen mit Berater Koutsoliakos ihre Karrierechance.

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Von Frankfurt nach Danzig. Dieser Dienstflug ist fast schon Pflicht für Paul Koutsoliakos. Schließlich hört die Hälfte der griechischen Nationalspieler auf den Rat des Fußball-Beraters Koutsoliakos. Also wird sich der 45 Jahre alte Grieche an diesem Freitag auf den Weg nach Polen machen, um Fußball zu schauen und vielleicht auch ein paar Gespräche zu führen.

Mit Georgios Tzavellas braucht sich Koutsoliakos nicht über Gebühr zu unterhalten. „Er hat einen Vertrag bei Eintracht Frankfurt, der vom 1. Juli an greift“, sagt Koutsoliakos. Das Ausleihgeschäft mit AS Monaco ist beendet. „Georgios hat nur dieses eine halbe Jahr in der Rückrunde angestrebt, damit er Spielpraxis erhält und wieder in den Kader der Nationalmannschaft rutscht. Das hat ja auch wunderbar geklappt.“ Für manchen Kritiker mag es verwunderlich sein, doch es stimmt: Der 24 Jahre alte Eintracht-Profi Tzavellas hat die Chance genutzt, sich über den Umweg im Fürstentum Monaco mit Nachdruck für Hellas’ erste Auswahl zu empfehlen. Anders als bei dem Bundesliga-Rückkehrer Frankfurt genießt Tzavellas in der griechischen Nationalelf hohes Ansehen. Sein Stammplatz hinten links ist dem Verteidiger sicher. Zuletzt, beim überraschenden 1:0-Sieg gegen den turmhohen Favoriten Russland, der gleichbedeutend mit dem Einzug in das Viertelfinale war, schaltete sich der bekannt offensive Tzavellas in die Angriffsbemühungen ein und zirkelte einen Freistoß an das Lattenkreuz.

Trotz des sportlichen Hochs bei der Europameisterschaft in Polen und der Ukraine hat Tzavellas bei seinem Arbeitgeber Eintracht keinen guten Stand. Trainer Armin Veh möchte ihn liebend gerne abgeben. Doch Sportdirektor Bruno Hübner fällt es nicht leicht, einen adäquaten Abnehmer für den Griechen zu finden. Der Tipp von Koutsoliakos an Tzavellas: „Georgios hat einen rechtsgültigen Vertrag mit der Eintracht. Solange es keine vernünftige Alternative gibt, wird er nach seinem Urlaub, den er nach der Europameisterschaft erhalten wird, nach Frankfurt zurückkommen.“ Dass Tzavellas die Chance EM genutzt hat, sich zu empfehlen, erfreut seinen Berater. „Er hat das sehr gut und auf einem hohen Niveau gemacht.“ Koutsoliakos weiß, wovon er spricht. Der einstige Profi war viele Jahre lang mit zumeist guten Darbietungen am Ball. Begonnen hatte er seine Karriere im Rhein-Main-Gebiet 1985 bei den Offenbacher Kickers. Über die weiteren Stationen Olympiakos Piräus, Hessen Kassel und TSV München 1860 führte es ihn zurück auf den Bieberer Berg, wo er sieben Jahre lang, von 1992 bis 1999, für den OFC das Spiel ankurbelte.

Natürlich ist Tzavellas kerngesund

Ein Ankurbler kann auch Tzavellas sein. Wenn er sich an taktische Maßgaben hält und sich selbst unter Kontrolle hat. Dann marschiert der Hellene zielstrebig die linke Außenbahn rauf und runter, schlägt gefährliche Flanken - und schießt manchmal sogar ein Tor. Allerdings nicht in der vergangenen Saison. Da gab es überhaupt nur zwei Gelegenheiten, vor einem größeren Publikum der Arbeit nachzugehen. Beim 4:3-Heimsieg gegen Alemannia Aachen schickte ihn Trainer Veh sechs Minuten vor dem Ende in die Partie. Eine Woche später, bei der ersten Saisonniederlage am vorletzten Hinrundenspieltag bei den Münchner „Löwen“, durfte Tzavellas von Anfang bis Ende mitspielen. Mit wenig Erfolg freilich. Schon nach zwölf Sekunden unterlief dem Linksverteidiger ein kapitaler Schnitzer, der zum 0:1 führte. Trainer Veh sprach später von einem „Blackout“. Die Folge: Tzavellas spielte fortan keine Rolle mehr - und ging nach Monaco. Viel Positives war seitdem nicht mehr zu hören, was Koutsoliakos ärgerte. Im Gespräch mit dieser Zeitung sagt er: „Wenn ich so die Berichterstattung verfolge, dann hatte ich das Gefühl, er hat irgendeine ansteckende Krankheit.“

Natürlich ist Tzavellas kerngesund. Ebenso wie Theofanis Gekas. Der routinierte Stürmer, 32 Jahre alt, hat den Absprung von der Eintracht schon geschafft. Ebenso wie Landsmann Tzavellas kehrte er im Winter Frankfurt den Rücken - und fand sein Glück in Asien. In Samsun, jenseits des Bosporus, heuerte Gekas beim türkischen Erstligaklub Samsunspor an. Elf Spiele, acht Tore: Auch am Schwarzen Meer brachte es Gekas auf eine beachtliche Quote. Den abermaligen Abstieg verhindern aber konnte auch er nicht. Die letzten Saisonspiele verpasste der Grieche wegen einer Bänderdehnung und musste tatenlos mit ansehen, wie Samsunspor zweitklassig wurde. Für Gekas war es nach den Stationen in Berlin und Frankfurt der dritte Abstieg in Folge.

Ein Treffen mit lauter Bekannten

Auch Gekas hat die Tage bei der Europameisterschaft genutzt, um sich für Profivereine interessant zu machen. Bei Samsunspor ist sein Vertrag zwar ausgelaufen. „Doch aufgrund seiner guten Leistungen gibt es zahlreiche Vereine in der Türkei, die ihn gerne haben möchten“, sagt Koutsoliakos. Zwar gebe es Anfragen aus Portugal, Italien und China. „Aber Theo hat sich in der Türkei sehr wohl gefühlt und ist dort sehr gut aufgenommen worden.“ Eine Weiterbeschäftigung erscheint mehr als wahrscheinlich. Anders als ein Comeback in Deutschland. Das hält sein Berater für „nahezu ausgeschlossen“.

Wenn Koutsoliakos in der Danziger Arena sein wird, wird er lauter Bekannte treffen. „Exklusiv betreue ich sechs Nationalspieler, zudem drei, um die ich mich schon seit längerem kümmere und die auch Nationalspieler gewesen sind.“ Seit 2001 schon hat Koutsoliakos, eingeführt in die große weite Welt der Fußballberater von Klaus Gerster, seine Fühler nach Profis ausgestreckt. Fündig geworden ist er dabei vornehmlich bei seinen griechischen Landsleuten. „Ja, das stimmt“, sagt er. „Es ist eine Nische, in der ich mich ganz erfolgreich bewege.“

Mannschaft sei nicht so alt

Erfolgreich sein, das wollen die Griechen auch im Viertelfinale gegen Deutschland. Doch selbst Hellas-Kenner Koutsoliakos hält das für eher ausgeschlossen. „Deutschland ist haushoher Favorit. Es wäre eine Überraschung, wenn sie nicht weiterkommen würden.“ Dass das K.-o.-Spiel im Zeichen der Euro-Krise mehr als nur ein Fußballspiel sein könnte, bezweifelt der 45 Jahre alte Koutsoliakos. „Die Spieler beschäftigen sich nicht mit der politischen Situation. Für die griechischen Fans und den einfachen Mann ist es aber sehr wohl ein besonderes Spiel.“

Den Vorwurf, der Europameister von 2004 sei ein Ansammlung älterer Herren, lässt Koutsoliakos nicht gelten. „Wir haben einen sehr jungen Torwart. Wir haben zwei sehr junge Innenverteidiger. Und wir haben einen Außenverteidiger, der auch erst 24 ist.“ Sein Name: Georgios Tzavellas.

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Jahrgang 1961, Sportredakteur.

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