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Begegnungen im Wald Der Mensch im Hund will doch nur laufen

29.09.2006 ·  Waldlauf ist eine prima Sache. Man ist an der frischen Luft, hat seine Ruhe und stört niemanden mit seinem Sport. Doch es gibt immer wieder Konkurrenz: Hunde, die „nur spielen“ wollen. Wie soll man sich ihnen gegenüber verhalten?

Von Steffen Gerth
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Waldlauf ist eine prima Sache. Man ist an der frischen Luft, hat seine Ruhe und stört niemanden mit seinem Sport. Doch es gibt immer wieder Konkurrenz: Hunde, die „nur spielen“ wollen. Wie soll man sich ihnen gegenüber verhalten?

Richtige Tiere, lieber Leser, gibt es ja sowieso nicht mehr, zumindest nicht dort, wo Menschen ihr Unwesen treiben. Also wurden aus Hunden Kreaturen, die sich allerlei törichte Eigenschaften von ihren Besitzern abgeschaut haben. Diese Unterwürfigkeit spricht nicht für diese Tiere, eine Katze zum Beispiel würde darüber lachen, wenn sie könnte.

Eine Katze würde niemals verschwitzten Dauerläufern an den Knöcheln knabbern, in den Bauch hüpfen, dämlich hinterherhecheln, egal wie laut und eifrig der überforderte Besitzer pfeift, ruft, schimpft.

Neulich kam gar ein halbes Dutzend drahtiger Beißmaschinen auf uns zugestürmt, bergab, während wir bergan schnauften. Da kann ein Läufer schon mal leicht empört reagieren, vor allem, wenn das hysterische Rudel intensiv Körperkontakt sucht, wie das sonst nur Schnaken tun. Natürlich wurde die Empörung vom Hundeführer als unverschämt zurückgewiesen, es sei doch nichts passiert. Auch wahr. Vielleicht ist ja eine Sechserhundetraube am eigenen Leib weniger ein Problem als gedacht. Denn wir haben ja überlebt. Hurra!

Der Hund beneidet uns!

Doch was will uns der Hund denn eigentlich sagen? Er beneidet uns! Daß wir laufen dürfen - ohne Leine. In schicken Schuhen. Zum Zeitvertreib, weil's auch modisch ist. Und wir dürfen Wettkämpfe bestreiten, weil's noch viel modischer ist. Stundenlang durch Frankfurt Marathon laufen, durch die Hochheimer Weinberge oder ums Hexenhäuschen in Weiskirchen. Vielleicht zieht es den Hund, der ja alles macht, was die Menschen vormachen, auch dorthin?

Ja, so muß es sein. Der Hund will Wettbewerber sein. Der Mensch im Tier dürstet nach sinnfreiem Konkurrenzkampf, nach Startschüssen und Stoppuhren. Er will auch loshecheln. Hecheln? Hmm, hier sind sich Mensch und Tier bereits einig. Der Rest dürfte auch zu machen sein. Laufveranstaltungen bieten ja längst jeden Käse: Da dürfen Walker mitwatscheln, da gibt es „Jog 'n' Rock“ und monosexuelle Wettläufe nur für Frauen. Bei soviel Ausdauerföderalismus braucht auch das Tier seinen Platz. Wieso also nicht?

Frankfurter Chappi-Preis für Hasso & Co.

Beim Frankfurt-Marathon gibt es doch bestimmt Hunderte Teilnehmer, deren Hunde darben, während dem Herrchen bei Kilometer 38 in der Frankenallee die Muskeln explodieren. Das Tier will auch auf die Strecke. Hunderennen. Dafür muß Platz sein; Pferde laufen ja längst um die Wette, wenn auch mit kleinen Männern auf dem Rücken.

Für Hunde also den Frankfurter Chappi-Preis. Einen großen Wettkampfkalender. Und schon haben wir wieder einen neuen Trainingsmarkt: Marathonprojekte für Rauhhaardackel, Laufreisen für Bullterrier. Alles möglich. Alles nötig.

Hauptsache, die Tiere lassen den Waldläufer in Ruhe waldlaufen, damit er sich auf daheim und die entspannte Katze freuen kann.

Quelle: F.A.Z., 30.09.2006, Nr. 228 / Seite 89
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