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Baum-Skulptur Jüdisches Museum : Verwurzelt und entwurzelt

Baum auf Baum: Bisher existiert das Kunstwerk von Ariel Schlesinger nur als Modell. Das Original soll elf Meter hoch und sechs Meter breit werden. Bild: Marcus Schneider

Eine elf Meter hohe Baum-Skulptur wird die Besucher des Jüdischen Museums künftig begrüßen. Stifter des Kunstwerks ist die Familie Rothschild in Paris.

          Der eine Baum wurzelt in der Erde, der andere im Himmel. Der israelische Künstler Ariel Schlesinger will sie, Krone auf Krone, zu einer etwa elf Meter hohen und sechs Meter breiten Skulptur zusammensetzen. Sie wird die Besucher des Jüdischen Museums nach dem Ende der Sanierung des Rothschildpalais und des neuen Museumsanbaus im Oktober nächsten Jahres im Lichthof zwischen den beiden Gebäuden empfangen. „Himmel und Erde finden in einer Umarmung zusammen.“ So hat gestern Kulturdezernentin Ina Hartwig (SPD) das Kunstwerk Schlesingers beschrieben.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Dessen Entwurf hat die Jury unter dem früheren Oberbürgermeister Andreas von Schoeler (SPD) nicht nur überzeugt, sondern geradezu bezaubert, wie die Kulturdezernentin erzählten. Neben Hartwig und Schoeler gehören der Jury unter anderem auch Susanne Gaensheimer, die frühere Chefin des Museums für Moderne Kunst, und Mirjam Wenzel, die Direktorin des Jüdischen Museums, an.

          350.000 Euro teures Kunstwerk

          Auch die Familie Rothschild in Paris war von der Kunstidee Schlesingers sofort hingerissen, wie der Stuttgarter Unternehmer Mangold, der unter anderem Aufsichtsratsvorsitzender der deutschen Tochtergesellschaft der Rothschild-Gruppe ist, berichtete. Mangold beteiligt sich persönlich an der Finanzierung des 350.000 Euro teuren Kunstwerks. Der Löwenanteil des Geldes kommt aber von der Familie und dem Bankhaus Rothschild. Mangold schilderte gestern, wie schnell der Entscheidungsprozess dabei gelaufen ist.

          Im Juni hätten Baron Davide und Baron Eric de Rothschild in Paris ein Brief von Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD), seiner Vorgängerin Petra Roth (SPD) und Schoeler, dem Vorsitzenden der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Jüdischen Museums, erhalten, in dem sie um eine Unterstützung des Projekts gebeten worden seien. Zweieinhalb Monate später hätten sich die beiden Rothschilds dazu bereiterklärt.

          Zwangsentwurzelung im Nationalsozialismus

          Verwurzeltes und entwurzeltes Frankfurter Judentum: So interpretiert Schoeler die Baum-Skulptur Schlesingers, die auf einem 60 Jahre alten Feigenbaum in Italien beruht, dessen Form der Künstler in doppelter Ausführung in Aluminium gießt und kopfüber aufeinander stellt. Mangold hat diese Interpretation gestern auf das Haus Rothschild bezogen, dessen Wurzeln in Frankfurt liegen, wo Mayer Amschel Rothschild in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts den Grundstein für die Bank-Dynastie gelegt hatte. Später im Nationalsozialismus wurde hier aber die Familie Rothschild zwangsentwurzelt.

          Der Künstler Schlesinger seinerseits ist zurückhaltend mit Erklärungen über sein Kunstwerk, dessen Titel denn auch „Untitled“ lautet. Er sei auf die Idee mit den zwei Bäumen gekommen, als er den Standort des künftigen Kunstwerks besichtigt habe: Sein Werk solle das alte Rothschildpalais und den neuen Anbau verbinden. Schlesinger erzählte von seiner Großmutter, die den Holocaust gerade so überlebt habe. Für ihn, den Enkel, schließe sich mit diesem Auftrag für das Jüdische Museum Frankfurt nun ein Kreis.

          Der Wettbewerb für eine Eingangsskulptur für das Jüdische Museum hat die Fördergesellschaft des Hauses unter Schoeler finanziert. Man habe fünf Künstler dazu eingeladen, die Jury habe sich einstimmig für den Baum-Entwurf Schlesingers entschieden, berichtete der frühere Oberbürgermeister. Seinen Angaben zufolge hat der Förderkreis sein Ziel von zwei Millionen Spenden schon übertroffen und jetzt die Marke von drei Millionen erreicht.

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