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Veröffentlicht: 03.01.2017, 16:28 Uhr

Bauernpräsident Karsten Schmal „Die Milchpreise müssen weiter steigen“


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Zuletzt haben die Mäster 1,55 Euro bis 1,60 Euro je Kilogramm bekommen - da lagen wir im Frühjahr deutlich darunter. Aufwärts geht es, weil sich die Vermarktung verbessert hat. Nun läuft der Export recht gut. Das brauchen wir auch, denn im Inland und andernorts in Europa stagniert der Verbrauch, weil die Bevölkerungen nicht mehr wachsen.

Und welche Regionen in der weiten Welt nehmen nun Schweinefleisch ab?

Der Export in den Nahen Osten und nach China läuft gut.

Schweinefleisch in den Nahen Osten?

Ja, Abnehmer sind manche Golfstaaten für Verbraucher, die keine Muslime sind. Die vermehrte Nachfrage hat auch mit dem Ölpreis zu tun. Steigt der Ölpreis, nehmen die Agrarexporte in solche Länder zu - das hängt eng zusammen. Die mit Öl erzielten Mehreinnahmen werden auch für Lebensmittel ausgegeben. Die Preiskurven für Öl einerseits sowie Mais und Getreide andererseits weisen einen gewissen Gleichklang auf. Das mag man nicht glauben, ist aber so.

Um beim Schweinefleisch zu bleiben: Auch hessischen Sauenhaltern bereitet das sogenannte Magdeburger Kastenstands-Urteil Sorgen. Zum Teil heißt es, die Ferkelaufzucht in Deutschland sei dadurch bedroht. Ist das Alarmismus?

Nein, ich verstehe die Sorgen. Und ich war die vergangenen vier Wochen vor allem in Sachen Ferkelerzeugung unterwegs. Es handelt sich zwar um ein Einzelurteil gegen einen Großbetrieb, doch manche Bundesländer haben es als Richtschnur für neue Richtlinien genommen. Demnach muss der Kasten, in dem eine Sau während der Tage der Besamung steht, breiter sein als die üblichen 65 bis 75 Zentimeter.

Was ist an mehr Platz so schlimm?

Das stellt die Halter vor erhebliche Probleme, da hohe Investitionen die Folge wären. Nun haben aber Halter in den vergangenen Jahren schon eine Menge in die Gruppenhaltung investiert und zudem in letzter Zeit nichts verdient. Ich habe in meinem Kreis in Nordhessen einen Betrieb, der hat vor zwei Jahren in einen Stall für 300 Tiere 1,5 Millionen Euro investiert, ist für artgerechte Tierhaltung gefördert worden und soll nun die seinerzeit geförderten Ställe umbauen - das kann es ja nicht sein.

Wieso?

Wenn der Kollege infolge des Umbaus künftig 50 Sauen weniger halten kann, ist seine gesamte betriebswirtschaftliche Berechnung über den Haufen geworfen.

Wie sieht Ihres Erachtens eine Alternative aus?

Die Landwirtschaftsministerin von Sachsen-Anhalt sagt, ihr Land wolle sich nach dem dänischen Modell ausrichten. Die Dänen sehen eine Übergangszeit bis 2035 vor. Wir haben nichts gegen neue Vorgaben zugunsten des Tierwohls, im Gegenteil. Aber das muss für die Betriebe auch machbar sein. Wir brauchen ein Stück weit Rechtssicherheit. Wir haben in Hessen nur noch 400 Betriebe, die Ferkel aufziehen und davon leben. Wenn dieses Kastenstands-Urteil innerhalb kurzer Zeit umgesetzt wird, dann wird die Hälfte dieser Höfe verschwinden. Die geben auf und investieren nicht neu, davon bin ich überzeugt.

Trotz aller Sorgen um die Landwirtschaft zieht die Branche vermehrt Lehrlinge an. Woran liegt das?

Viele, die derzeit in der Endphase der Ausbildung sind, haben sich vor der bisher letzten Preiskrise für die Lehre in der Landwirtschaft entschieden. Allerdings sehen wir auch, dass ein Drittel der Lehrlinge nicht von einem Bauernhof kommt. Grüne Berufe sind bei vielen jungen Leuten beliebt. Zudem haben sie gute Berufsaussichten. Die Faszination Landwirtschaft ist schon zu spüren.

Und wie wird 2017 für die Bauern werden?

Ich bin immer Optimist, bei mir ist das Glas immer halb voll und nie halb leer. Ich sehe ein Jahr vor uns, das besser wird als 2016. Das brauchen wir aber auch. Denn nur ein Bauer, der Geld verdient, kann auch mehr fürs Tierwohl tun.

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