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Basketball 46ers stellen Insolvenzantrag

Der Gießener Basketball-Profiklub steht wieder einmal vor dem Aus - und bereitet der Liga erhebliche Verständnisprobleme, was das Prozedere in der Krise betrifft.

© Huebner/Roemer Vergrößern Kurzer Jubel: Nach dem Überraschungssieg gegen Ulm am Samstag wurde der Insolvenzantrag der Gießen 46ers bekannt gemacht.

Jan Pommer, der Geschäftsführer der Basketball-Bundesliga (BBL), weiß es seit vergangenem Freitagnachmittag. Der Gießener Geschäftsführer Heiko Schelberg hatte ihn angerufen und ihm mitgeteilt, dass der Traditionsverein am Morgen beim Amtsgericht Gießen einen Insolvenzantrag aufgrund drohender Zahlungsunfähigkeit gestellt habe. Die „Irritation“, die diese Hiobsbotschaft bei Pommer auslöste, hielt auch am Sonntag noch an,: „Wir stehen mit einer gewissen Ratlosigkeit da“, sagte er dieser Zeitung, „ich habe es noch nicht verstanden.“ Auch, weil die Liga vor zwei Wochen Experten des Gutachterausschusses nach Gießen entsandt hatte. Die bekamen dann laut Pommer den Eindruck, dass „alles vernünftig geregelt“ sei und dass sich der Klub auf einem „kernigen Konsolidierungskurs“ befinde. „Ich nehme nicht an, dass wir getäuscht worden sind“, sagte Pommer. „Aber was kann man schon ausschließen.“

So oder so: Der Bundesliga, die hart daran gearbeitet hatte, nach der Insolvenz der Köln 99ers im Jahr 2009 ihr Lizenzierungsverfahren zu optimieren, ist ein Imageschaden entstanden. „Es ist jedenfalls eine unangenehme Situation“, findet Pommer. „Wir haben sehr viel Energie verwendet, um solchen Situationen aus dem Weg zu gehen. Es ist ein Rückschlag auf diesem Kurs.“

Noch ein Vierteljahr zahlungsfähig

Schelberg, der den Insolvenzantrag am Samstagabend ausgerechnet nach dem überraschenden 72:69 über Ulm öffentlich gemacht hatte, spricht von einer „Vorsichtsmaßnahme“, die der Verein getroffen habe. „Es liegt nicht daran, dass wir falsche Zahlen abgegeben haben“, sagte er am Sonntag dieser Zeitung. „Es ist uns immer gelungen, Liquiditätslücken zu schließen. Wenn es aber keine Garantien gibt, die Parameter alle zu erfüllen, kommt man der Verpflichtung eines Geschäftsführers nach.“ So sollen die 46ers, die das einzig verbliebene Gründungsmitglied der Liga sind, von Dingen überrascht worden sein, die ihnen anders zugesichert waren und auf die sie außerdem keinen Einfluss gehabt hätten. „Es geht um die Reduzierung der Bankbürgschaft der Stadt Gießen um ein Drittel, die Ende des Jahres in Kraft tritt. Das schlägt sich direkt auf die Liquidität nieder“, sagt Schelberg. Der Betrag sinkt offenbar von 180 000 auf 120 000 Euro.

Noch ein Vierteljahr lang sind die Mittelhessen, die jüngst mit Jeff Bonds noch einen neuen Spieler verpflichtet hatten, nach Angaben ihres Geschäftsführers zahlungsfähig. „Aber wenn ein Liquiditätsengpass absehbar ist, müssen wir es kommunizieren“, sagt Schelberg. Trotzdem: Pommer hätte sich gewünscht, dass der Vereinsvertreter schon vor dem Gang zum Amtsgericht mit der Liga Kontakt aufgenommen hätte. Mit der Absicht, Möglichkeiten auszuloten, um eine andere Lösung zu finden. Der Bundesliga-Geschäftsführer verweist auf den von der Liga mit einem Betrag in Höhe von 250000 Euro eingerichteten Sicherungsfonds, der zur Überbrückung von Liquiditätsengpässen genutzt werden kann - und dessen beanspruchte Summe dann bis zum Start der neuen Runde zurückbezahlt werden müsste.

Im schlimmsten Fall könnte das Teilnahmerecht entzogen werden

Dass den Gießenern, bei denen sich vor kurzem Peter Hanker aus dem Kreis der drei Gesellschafter zurückgezogen hatte, nun vier Punkte abgezogen werden, sobald der schriftliche Nachweis des Insolvenzantrags vorliegt, erschwert die Sache zusätzlich für den Abstiegskandidaten. „Durch das formale Handeln hat sich die sportliche Ausgangssituation für die 46ers erheblich verschlechtert“, sagt Pommer. Weitere Punktabzüge oder eine Geldstrafe sind nicht ausgeschlossen, sollte die Liga dem Klub Regelverstöße nachweisen. Im schlimmsten Fall könnte sie den Gießenern das Teilnahmerecht entziehen. Doch das würde sich die Liga „ extrem gut überlegen“, wie es Pommer ausdrückt. „Wir haben einen gut gefüllten Instrumentenkasten. Was wir davon einsetzen, müssen wir sorgfältig abwägen.“

Schelberg und der vorläufige Insolvenzverwalter Tim Schneider reisen an diesem Donnerstag nach Köln zu Gesprächen mit der BBL-Geschäftsführung. Dann will Schelberg sein Handeln erklären. Von ihm hat Pommer bereits einige Gründe für den vorläufigen Insolvenzantrag erfahren. „Meine Überraschung hat das aber nicht gemindert“, sagt Pommer. Die 46ers haben sich schon ein paar Mal gefährlich nah am Abgrund bewegt. Zum Beispiel vor vier Jahren, als sie die drohende Pleite jedoch hatten abwenden können. In dieser Saison profitierten sie nicht zum ersten Mal von einer Wildcard, die ihnen die Erstliga-Zugehörigkeit trotz des sportlichen Abstiegs sicherte. Nun droht den Überlebenskünstlern aber nach über 46 Jahren in der Eliteklasse das Scheitern. „Es ist eine Mega-Herausforderung, denn wir haben ein sehr schweres Erbe übernommen“, sagt Schelberg, der seinen Posten Mitte Juni angetreten hatte. „Wir brauchen aber nicht die Weltuntergangsstimmung. Wir haben noch ausreichend Zeit, gemeinsam nach Lösungsansätzen zu suchen.“ Durchhalteparolen sollen das nicht sein.

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Quelle: F.A.Z.

 
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