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Barmitzwa : Der wichtigste Tag für jüdische Jungen

  • -Aktualisiert am

Hier hat David seine Barmitzwa gefeiert: Die Westendsynagoge in Frankfurt. Für Mädchen gibt es ein ähnliches Fest, es wird dann Batmitzwa genannt. Bild: Patrick Slesiona

Kurz nach dem zwölften Geburtstag beginnt das Lernen, denn ein Jahr später wird die Barmitzwa, gefeiert, und da muss man vieles können. Unsere Autorin war beim Schritt in das Erwachsenenleben dabei.

          Der Kantor steht auf der kleinen Bühne und betet das Morgengebet vor. Nach und nach kommen 400 Mitglieder der jüdischen Gemeinde an diesem Samstagmorgen in die Frankfurter Westendsynagoge. Die Männer tragen alle lila Käppchen, man nennt sie Kippa. Die Frauen tragen festliche Röcke oder Kleider und ein Oberteil, das die Schultern bedeckt. David hat jetzt seinen großen Auftritt. Er geht sichtlich aufgeregt die Treppen hoch und stellt sich auf ein kleines Podest, um aus dem Gebetsbuch vorzusingen. Davids Mutter lächelt stolz. Sie schaut ihm von der Frauentribüne aus zu, denn Männer und Frauen sitzen in der Synagoge getrennt.

          David feiert an diesem Tag seine Barmitzwa. Mit diesem Fest am Samstag (Sabbat) vor seinem 13 Geburtstag wird ein jüdischer Junge in den Kreis der Gemeindemitglieder aufgenommen, und ist damit auch verantwortlich für die Beachtung der 613 religiösen Rechte und Pflichten. Dafür hat der Junge ein Jahr lang Unterricht bei einem religiösen Lehrer genommen. Dabei hat er auch gelernt, sein Gebet in Hebräisch vorzusingen. Nachdem David das Singen beendet hat, öffnet sein älterer Cousin die Vorhänge vor dem Tora-Schrank. David nimmt die Tora-Rollen heraus und hält sie fest. Dann dreht er eine Runde durch den Hauptteil der Synagoge, damit die Männer die heilige Schrift küssen können. Das soll Glück bringen.

          Nach dem Fest gilt man als erwachsen

          David stellt sich wieder auf das Podest und nimmt einen Stab, an dessen Spitze eine geschlossene Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger angebracht ist. Er benutzt den Tora-Zeiger, auf Hebräisch Jad, weil das Pergament der heiligen Schrift nicht mit der Hand berührt werden soll. Er liest zuerst den Wochenabschnitt, eine Geschichte aus dem alten Testament und dann eine aus dem Prophetenbuch vor. Das ist schwer, denn beide sind in hebräischer Schrift geschrieben.

          Der Tora-Zeiger: Mit ihm lesen Juden aus der Tora. Das Pergament der heiligen Schrift soll nicht mit der Hand berührt werden.
          Der Tora-Zeiger: Mit ihm lesen Juden aus der Tora. Das Pergament der heiligen Schrift soll nicht mit der Hand berührt werden. : Bild: Rainer Wohlfahrt

          Danach werfen die Frauen von oben Bonbons zu Belohnung. Am Ende dieses Teils der Zeremonie sammeln die Kinder die Süßigkeiten vom Boden auf. Nach zwei weiteren Gebeten bringt David die Tora zurück in den Tora-Schrank und schließt ihn. Der Rabbiner spricht über Davids Leben und überreicht ihm dann sein Gebetbuch. Zum Abschuss der Synagogenzeremonie spricht Davids Onkel noch ein Gebet. Anschließend gibt es in der Gemeinde ein traditionelles Mittagessen, den Kiddusch. David, der nun als erwachsenes Gemeindemitglied gilt, sagt auch dazu ein kurzes Gebet, dann greifen alle zu.

          Oft wird nach der religiösen Feier in der Synagoge noch zu einem Barmitzwa-Fest mit vielen Gästen, Aufführungen und Tänzen eingeladen, und der Junge erhält viele Geschenke.

          Quelle: F.A.Z.

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