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Bankenwesen Commerzbank muss weiter sparen

23.02.2012 ·  Die Commerzbank muss noch 1.000 bis 1.200 Stellen abbauen, um die nach der Übernahme der Dresdner Bank selbst vorgenommene Zielgröße zu erreichen.

Von Tim Kanning, Frankfurt
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Das sagte der Vorstandsvorsitzende Martin Blessing gestern während der Bilanzpressekonferenz. Allein seit Mai 2011 hat die Bank demnach 400 bis 600 Stellen abgebaut. Unter anderem in den zentralen Abteilungen des Privatkundengeschäfts sollen Funktionen zusammengelegt werden, wie Blessing sagte. 260 Millionen Euro will die Bank im Privatkundengeschäft in diesem Jahr sparen.

Wie schon im Vorjahr machte die Commerzbank 2011 nach internationalen Bilanzregeln einen Gewinn, nach deutschem Handelsgesetzbuch aber einen Verlust in Höhe von 3,6 Milliarden Euro. Daher muss die Bank auch für 2011 keine Zinsen auf die stillen Einlagen des Bundes zahlen. Blessings Gehalt bleibt dadurch vorerst auf 500.000 Euro beschränkt. Er verwies darauf, dass der Steuerzahler mit der stillen Einlage bislang keinen Verlust gemacht habe. Bei der Aktienbeteiligung des Bundes sehe das nach jetzigem Stand freilich anders aus.

Ende März verlässt er, wie berichtet, die Commerzbank

1,91 Euro war eine Aktie der Commerzbank gestern Nachmittag noch wert, Mitte 2007 waren es einmal knapp 30 Euro gewesen. Blessing hat nachgerechnet: Die Verluste aus seinem eigenen Bestand an Commerzbank-Aktien sind höher als sein Nettoeinkommen der vergangen vier Jahre. Insofern sei auch ihm daran gelegen, dass sich der Kurs bald verbessere und die Bank ihren Aktionären wieder Dividenden auszahlen könne, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bank gestern. Finanzvorstand Eric Strutz zeigte Galgenhumor: Der Abschlag, den er auf seinen Aktienbestand bislang hinnehmen musste, entspreche „nur“ zwei Jahresgehältern. Er habe also ein bisschen Puffer, um sich eine Auszeit zu gönnen. Ende März verlässt er, wie berichtet, die Commerzbank.

Die Krise ist in Frankfurts zweitgrößter Bank zum Dauerzustand geworden. Noch bevor die Übernahme der Dresdner Bank und die Finanzkrise aus dem Jahr 2008 ganz verdaut waren, hat die anhaltende Staatsschuldenkrise vor allem um Griechenland die Bank 2011 schwer mitgenommen. Die griechischen Staatsanleihen des Instituts stehen laut Blessing inzwischen nur noch mit 26 Prozent ihres ursprünglichen Wertes in den Büchern. Auf 2,2 Milliarden Euro summierten sich die diesbezüglichen Abschreibungen 2011.

„Die ist ungefähr so freiwillig wie ein Geständnis in der spanischen Inquisition“

Vor allem der Eschborner Staats- und Immobilienfinanzierer Eurohypo hält viele Staatsanleihen und war damit auch 2011 die Sorgentochter der Commerzbank. Zum wiederholten Male hat die Bank Milliarden auf das Eschborner Unternehmen abgeschrieben, das nach und nach abgewickelt werden soll. Der Wert sei aber noch nicht ganz bei null, sagte Blessing gestern.

Spätestens seitdem die Europäische Bankenaufsicht der Commerzbank im Herbst einen zusätzlichen Kapitalbedarf von 5,3 Milliarden Euro attestiert hat, muss Blessing sparen, wo es geht. Als Erfolg verkauft der Vorstandsvorsitzende dabei schon, dass er die Bilanzsumme seit 2008 um fast 40 Prozent auf nun 662 Millionen Euro senken konnte. Nach dem Motto: Weniger Geschäft bedeutet auch weniger Risiko und weniger Möglichkeiten, Verluste zu machen.

Auch die Mitarbeiter sollen ihren Teil beitragen. Viele sollen sich ihre Boni statt bar in Aktien der Bank auszahlen lassen. „Per ordre de Mufti“ könne er das nicht vorschreiben, sagte Blessing, aber er sei sicher, dass viele mitmachten. Die Teilnahme sei für die Mitarbeiter „signifikant freiwilliger“ als jene der Bank am „freiwilligen Schuldenschnitt für Griechenland“, sagte er und fügte gewohnt salopp an: „Die ist ungefähr so freiwillig wie ein Geständnis in der spanischen Inquisition.“

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Jahrgang 1982, Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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