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Bankenkongress „Wir dürfen nicht nur den Kater behandeln“

 ·  Die Krise ist eine Stufe weiter. Während des Bankenkongresses in der Alten Oper wurden am Freitag konkrete Schritte zu einem stabileren Finanzsystem diskutiert, von Bankern, Zentralbankern und Philosophen.

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Oberbürgermeister Peter Feldmann kommt gemeinsam mit Thorsten Schäfer-Gümbel. Doch der Vorsitzende der hessischen SPD hält sich zurück. Er bleibt an der Tür der Alten Oper, damit der andere Sozialdemokrat die Chefs der größten Banken der Stadt, Jürgen Fitschen und Martin Blessing, allein begrüßen kann - im Blitzlichtgewitter.

Standen in den vergangenen Jahren stets Josef Ackermann, Martin Blessing und Petra Roth am zugigen Eingang, um die Gäste des European Banking Congress zu begrüßen, so hat sich die Besetzung in diesem Jahr geändert. Blessing erklärt dem Oberbürgermeister noch schnell die Vorzüge des großen Bildschirms, auf dem die Namen der Gäste erscheinen, die gerade durch die Sicherheitsschleuse gegangen sind - ein überdimensionaler Spickzettel beim Begrüßungsmarathon.

So geht es zum Abschluss der Euro Finance Week um die Alternativen

Die Gästeliste ist so prominent besetzt wie eh und je. EZB-Präsident Mario Draghi, sein Kollege von der Bundesbank, Jens Weidmann, und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) haben sich als Redner angekündigt. Das hat nicht nur die heutigen Führungskräfte angelockt wie Emmerich Müller vom Bankhaus Metzler, Eva Wunsch-Weber von der Frankfurter Volksbank und Herbert Grüntker von der Fraspa. Auch ehemalige Vorstandsvorsitzende wie Rolf Breuer, Michael Kohlhaussen und Klaus-Peter Müller sind gekommen, ebenso Aufseher wie Bafin-Chefin Elke König und Sabine Lautenschläger, im Bundesbankvorstand für die Bankenaufsicht zuständig.

Es sind große Fragen zu beantworten. Hatten zu Beginn der Kongresswoche mehrere Bankenchefs beklagt, dass die Regulierung längst zu weit gehe und vor allem zu unkoordiniert sei, so geht es zum Abschluss der Euro Finance Week um die Alternativen, um womöglich bessere Vorschläge für eine stabilere Finanzwelt.

Es gehe darum, mit dieser Macht verantwortungsvoll umzugehen

Wolfgang Schäuble stellt der Zunft härtere Konsequenzen in Aussicht. So prüfe die Bundesregierung derzeit, inwiefern Bankmanager auch strafrechtlich und mit Bußgeldern stärker belangt werden könnten, wenn sie ihrer Sorgfaltspflicht nicht ausreichend nachkämen. Auch an der Einführung einer Finanztransaktionssteuer arbeite er weiter, sagt der Minister.

Auch Feldmann redet an diesem Tag den Bankern ins Gewissen. Die Krise werde kein Ende nehmen, wenn die Banken sich weiterhin als losgelöst von der Gesellschaft sähen. Die Finanzindustrie habe große Macht, Fehlentwicklungen könnten Extremismus und Revolutionen hervorrufen. Es gehe darum, mit dieser Macht verantwortungsvoll umzugehen.

„(...), können wir nicht nur seinen Kater behandeln“

Commerzbank-Chef Blessing gibt den geläuterten Banker. Ganz der neuen Marketingstrategie des Hauses folgend, kehrt er die einfachen, positiven Seiten von Banken nach außen. Das Vertrauen der Menschen respektive der Kunden will er wiedererlangen: „Menschen könnten erst mit 65 Jahren in ihr eigenes Haus ziehen, wenn Banken ihnen keinen Kredit gäben, dank uns können sie das schon mit 35“, erklärt der Manager und kritisiert die hohen Gehälter vieler Banker. Sie würden immer mit dem Argument gerechtfertigt, dass Banken schließlich die besten Kräfte brauchten. „Aber sollte ein guter Physiker nicht vielleicht eher dafür sorgen, dass Atomkraft sicherer wird, als neue Derivate aufzusetzen?“

Noch philosophischer wird es in der nächsten Diskussionsrunde. Neben Bundesbankpräsident Weidmann sitzen der Philosoph Julian Nida-Rümelin und, in karierter Hose und mit roten Socken, der tschechische Wirtschaftswissenschaftler Tomáš Sedláček, der es mit seinem Buch „Die Ökonomie von Gut und Böse“ auf die Bestsellerlisten geschafft hat. Ihm gehen die bisherigen Reaktionen auf die Krise noch nicht weit genug. „Wenn wir einen Alkoholiker heilen wollen, können wir nicht nur seinen Kater behandeln“, sagt er. Nida-Rümelins merkt an, mit Gesetzen sei es nicht getan. Die meisten Menschen hielten sich an Gesetze nicht nur, weil sie sonst bestraft würden, sondern auch aus ethischem Empfinden. Gleiches gelte für den Finanzmarkt: Die besten Regeln und Institutionen könnten nicht funktionieren, wenn Banker nicht nach einem gewissen Ethos handelten. Im Publikum findet der Philosoph mit dieser Ansicht erstaunlich viele Gleichgesinnte. In einer Umfrage, welche Maßnahmen am ehesten zu einem stabileren Finanzsystem führen könnten, wählen die meisten Teilnehmer des Bankenkongresses die schlichte Antwort: ein Kulturwandel.

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