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Bankenaufsicht in Frankfurt : Finanzaufsichtsmetropole

Der Neubau der Europäischen Zentralbank: Die neue Bankenaufsicht wird der EZB nicht nur rechtlich, sondern auch geographisch zugeordnet Bild: Fricke, Helmut

Die gerade beschlossene Bankenaufsicht der Eurozone wird ihren Sitz in Frankfurt beziehen. Damit erhält die Stadt eine weitere europäische Einrichtung, die an Bedeutung gewinnen dürfte.

          Das war einfach. 14 Stunden lang haben die Finanzminister in Brüssel beraten und verhandelt, jedes Detail einer gemeinsamen Aufsicht über die Banken der Eurozone dürfte dabei hin und her gewogen worden sein. Nur von wo aus die Aufseher künftig arbeiten sollen, stand offenbar nicht zur Disposition. Ohne größeres Zutun von Wirtschaftsförderern oder Standortpolitikern erhält Frankfurt so eine weitere europäische Einrichtung, die in den nächsten Jahren an Bedeutung, Aufmerksamkeit und wohl auch Größe gewinnen dürfte.

          Wer die Methoden kennt, mit deren Hilfe in der Europäischen Union in der Regel Kompromisse gefunden werden (siehe das auf Straßburg, Luxemburg und Brüssel aufgeteilte Europäische Parlament), den hätte es nicht gewundert, wenn die Behörde zwar rechtlich der Europäischen Zentralbank zugeordnet, sie geographisch aber ganz woanders aufgebaut worden wäre. Paris hatte offenbar auch schon einmal Interesse angemeldet.

          Schon gibt es weitere Renationalisierungsüberlegungen

          Unabhängig davon, dass vieles gegen die Vereinigung von Geldpolitik und Bankenaufsicht unter einem Dach spricht, ist die Entscheidung für Frankfurt unmittelbar eine gute Nachricht. Denn die Stadt kann sich weiter als Finanzhauptstadt der Eurozone positionieren und stärkt ihr Profil als Aufsichtsmetropole. Außer der EZB und der auch unter deren Dach noch vergleichsweise mächtigen Bundesbank sitzen hier schon die Europäische Versicherungsaufsicht Eiopa und der Europäische Systemrisikorat.

          Sie alle locken hochqualifizierte und gutbezahlte Mitarbeiter in die Stadt und üben auch sonst eine gewisse Anziehungskraft aus. Ministerpräsident Bouffier hegt zu Recht die Hoffnung, dass sich rund um die Aufsichtsbehörde weitere Finanzdienstleister ansiedeln werden. Gut möglich, dass einige europäische Banken künftig Büros in Frankfurt eröffnen, um einen Standort nahe bei der Aufsichtsbehörde zu haben. Und auch wer sich wissenschaftlich mit der Regulierung und Kontrolle der Finanzmärkte auseinandersetzt, ist in der Stadt gut aufgehoben.

          Die Konzentration von Euro-Politik und -Aufsicht in Frankfurt könnte aber dereinst auch noch wertvollere Folgen zeitigen. Denn schon denken einige Notenbanker darüber nach, dass auch der Euro-Devisenhandel wieder stärker innerhalb der Eurozone abgewickelt werden sollte anstatt, wie bisher, vor allem in London. Auch hier gilt: Ordnungspolitisch sind derartige Renationalisierungsüberlegungen höchst fragwürdig. Frankfurt und seine Börse könnten von solchen Entwicklungen aber profitieren.

          Tim  Kanning

          Redakteur in der Wirtschaft.

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