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„Ballet Revolución“ Posen und Pirouetten zu Purple Rain

 ·  Heute Abend ist Premiere: Das kubanische Ensemble „Ballet Revolución“ gastiert in der Alten Oper Frankfurt.

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Hiphop, Modern Dance und Pas de deux: Geht das zusammen? Nicht unbedingt im klassischen Ballett Europas, wohl aber in einer Kultur, die sich als Schmelztiegel versteht, in der die Unterscheidung zwischen Kunst, Folklore und Unterhaltung fließend ist und die Lust am Tanz alle Barrieren sprengt. Wer kennt sie nicht, die Fotos ausgelassener junger Menschen jeglicher Farbmixtur, die auf Havannas schier endloser Uferpromenade Malecón allabendlich den tristen sozialistischen Alltag mit Salsa hinwegtanzen? Wer hat nicht die Bilder aus Wim Wenders’ Film über den „Buena Vista Social Club“ im Kopf, mit all den hüfteschwenkenden Tänzern, die zu den wunderbaren Klängen einer fidelen Rentnerband ihr eigenes Alter vergessen? Tanz ist auf Kuba keine Kunst, er ist eine altersunabhängige Lebenseinstellung. Und er hat, auch in seiner klassischen Variante, eine lange Tradition.

Die Escuela Nacional Cubana de Arte in Havanna ist eine international hochangesehene Institution, noch immer geprägt von der mittlerweile 91 Jahre alten Alicia Alonso, die Generationen von Primaballerinen, Solo-Tänzern und Choreographen in die Welt entließ, auf dass sie die Ballettkompanien vom Royal Ballet of Flanders bis nach Sankt Petersburg und vom American Ballet Theatre bis zum Royal Ballet in London bereichern. Der große Mikhail Baryschnikow hat sich nach seiner Emigration aus dem Ballett-Mekka Leningrad in den siebziger Jahren von der anspruchsvollen kubanischen Tanzausbildung überzeugen können. Was ihn außerdem faszinierte, war die grandiose Körperhaltung, eine gewisse natürliche Anmut, der nahezu unschuldig wirkende Vortrag kubanischer Tänzerinnen und Tänzer.

Solidarität zwischen Körper und Erd

Tanz als Lebenselixier auf Kuba: Das hat ein paar Profis des Showbusiness bewogen, ein Programm für ein Ensemble zusammenzustellen, das man so noch nicht zu sehen bekommen hat – mit Hilfe des australischen Choreographen Aaron Cash, einst Pas-de-deux-Partner von Twyla Tharpe, und dessen kubanischem Kollegen Roclan Gonzales Chavez, einem außerordentlichen Salsa-Tänzer und Produzenten ungewöhnlicher folkloristischer Tanzshows. Der Name „Ballet Revolución“ mag plakativ wirken. Aber was die achtzehnköpfige Tanztruppe zu den Klängen einer spektakulären Live-Band auf die Bühne bringt, kommt tatsächlich einer Umwälzung gleich. Alle Tänzer sind gleichermaßen ausgebildet in klassischem Ballett, in afroamerikanischen Tanzformen, im Modern Dance und in populären Formen von brasilianischer Samba über argentinischen Tango bis zu kubanischer Salsa. Und bunt wie die Ausbildung ist auch die ungewöhnlich vitale Show, die alles miteinander so natürlich verbindet, als habe etwa ein Sting seinen bittersüßen Song „Roxanne“ eigens für das klassische Ballett geschrieben.

Was sich in dieser Show entlädt, ist nicht zuletzt so außerordentlich faszinierend durch die fließenden Bewegungen, die gleitenden Übergänge auf flacher Sohle, bei denen die Solidarität zwischen Körper und Erde zum Ausdruck kommt, wie man sie aus afrikanischen Tanzritualen kennt und bei denen zentrifugal gearbeitet wird. Nämlich so, dass die Beine aus der Hüfte und die Arme aus der Schulter bewegt oder gar isolierte Bewegungen von verschiedenen Körperteilen ausgeführt werden. Zu all den katzenhaften Pirouetten, den kraftvollen Mambo-Posen, Balletteinlagen und virtuosen Salsa-Schritten erklingt die Musik einer Band, die die Tradition der kubanischen Musik vom in der Band Dizzy Gillespies spielenden Chano Pozo bis zu Perez Prado und in der Popmusik von Prince über Bob Marley bis zu Beyoncé und Shakiras programmatischem „Hips don’t lie“ ausreizt.

Vor einem Jahr hat das Ensemble ein kurzes Test-Gastspiel in Zürich gegeben. Jetzt sind die Kubaner auf ihrer ausgedehnten Europa-Tournee bis Sonntag, 1.Juli, täglich in der Alten Oper Frankfurt zu erleben. Am Samstag und Sonntag gibt es zusätzlich zur Abendvorstellung eine Nachmittagsshow um 14.30 Uhr. Die abendliche Aufführung beginnt jeweils um 20 Uhr, am Sonntag um 18.30 Uhr.

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Jahrgang 1942, freier Autor im Feuilleton.

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