Home
http://www.faz.net/-gzg-7azur
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Bärenanlage im Frankfurter Zoo „Und schon ist man in den Anden“

Der Zoo hat eine neue Bärenanlage, das Ukumari-Land. Die Besucher finden sich zwischen Felsen, Wald und Wasserfall wieder.

© Sick, Cornelia Vergrößern Hoch hinaus: Langweilig dürfte es den Bewohnern des Ukumari-Landes nicht werden.

Cashu hat offenbar ein ziemlich dickes Fell, nicht nur im wörtlichen Sinn. Als die Bärendame das Ukumari-Land betritt, schlendert sie erst gemächlich durchs neue Gehege, vorbei am Kunstfelsen, mit einem Abstecher zum Wassergraben, dann hier und da durchs dichte Gestrüpp, um schließlich einen Baum zu erklimmen. Weder lässt sie sich bei ihrem Rundgang von den vielen Fotografen ablenken, die sich an diesem Mittwochvormittag scharenweise vor der neuen Bärenanlage drängen; noch von dem Regen, der kübelweise niedergeht.

Zoodirektor Manfred Niekisch hatte schon am Morgen gesagt, das Wetter sei gar nicht so schlimm. Jedenfalls nicht für die Brillenbären, der einzigen Bärenart aus Südamerika. Die fühlten sich auch bei Regen ganz wohl. Die Idee des Ukumari-Lands sei es schließlich, die „Andenbären“ in einer Umgebung zu zeigen, die ihrem natürlichen Lebensraum sehr ähnele, sagt Niekisch. „Dazu passt ja, dass es wie aus Eimern gießt.“

Mehr zum Thema

Eine der modernsten Anlagen Europas

Tatsächlich ist die neue Anlage, die außer von Cashu bald auch von Brillenbär Nobody sowie von drei Brüllaffen bewohnt wird, auffallend grün. Die teils verschlungenen Pfade beginnen hinter dem neuen Zooeingang und führen direkt hinein ins Ukumari-Land, gestaltet mit schroffen Kunstfelsen, Hunderten Bäumen und Büschen, mehreren Wassergräben, Klettermöglichkeiten und einem Wasserfall.

Nach den Worten Niekischs hat der Zoo lange auf diesen Tag hingearbeitet. Nun sei eine der modernsten Bärenanlagen Europas endlich fertig. Erste Pläne für eine neue Bärenanlage habe es schon 2005 gegeben. Die Ideen hätten jedoch zunächst ruhen müssen. Es habe unter anderem an Geld gefehlt. Erst als die Stadt vor vier Jahren dem Zoo 30 Millionen Euro zur Verfügung gestellt habe, „nahm die Planung wieder Fahrt auf“. Mit dem Berliner Architekturbüro Henchion Reuter, das in einem Wettbewerb den besten Entwurf vorgelegt hatte, aber auch mit dem Hochbauamt hatte der Zoo „gute Partner“ gehabt, wie Niekisch sagt.

Ein Artenschutz-Zoo

Nach den Worten von Jürgen Pritzl, Leiter des Hochbauamts, war der Umbau des Tiergartens „eine ganz spezifische Herausforderung“ und eine interessante Bauaufgabe. Dass es vor allem darum gehe, den Tieren gerecht zu werden, „war immer gemeinsames Ziel“. Der neue Eingang sei wie „ein Schaufenster zur Stadt“.

Von einer neuen Bedeutung des Zoos für die Stadt spricht auch Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU). Nun seien die Vorstellungen eines Artenschutz-Zoos Wirklichkeit geworden, sagt er. Man habe ein Areal geschaffen, das sich in vielfältiger Weise der Natur anpasse. „Der Besucher findet sich gleich in den Anden wieder“, sagt Semmelroth. Dass die Stadt so viel Geld in den Umbau investiere, habe sich gelohnt. Der Zoo sei nicht nur eine Freizeit-, sondern auch eine Bildungs- und Kultureinrichtung. Auch mit den noch anstehenden Neubauten wolle man zeigen, dass die Arterhaltung oberste Priorität habe.

Einkaufszentrum übernimmt Bärenpatenschaft

Als nächster größerer Neubau steht das Pinguinhaus an. Allerdings reicht dafür der städtische Zuschuss allein nicht mehr aus. Von den 30 Millionen Euro gingen 16 Millionen Euro für die Bärenanlage ab, außerdem mussten die Kosten für den neuen Eingang und die neue Quarantänestation getragen werden. Der Zoo hat bereits ein Spendenprojekt für das Pinguinhaus ins Leben gerufen. Noch fehlen aber Großspenden. Ein bis zwei Millionen würden schon weiterhelfen, heißt es.

Für die Brillenbären hat das Einkaufszentrum „My Zeil“ die Patenschaft übernommen. Nach den Worten von Zentrumsmanager Olaf Deistler ist der Zoo nicht nur ein Naherholungszentrum für Frankfurt, sondern auch wichtig für die Tierwelt insgesamt. Das wolle man fördern. Deistler stellt in Aussicht, den Zoo auch weiterhin zu unterstützen.

„Früher war hier nur Wiese und kahler Felsen“

Dass die artgerechte Haltung bald auch zu Bärennachwuchs führt, hoffen Niekisch und seine Pfleger sehr. Die optimale Umgebung zum Wohlfühlen hätten die Tiere ja, sagt Niekisch. Noch aber ist Cashu allein auf weiter Flur. Nobody müsse noch einige Zeit in der Innenanlage verbringen, bevor er sich an das neue Terrain unter freiem Himmel gewöhne, sagt Niekisch. Und auch die drei Brüllaffen seien noch nicht da.

Er sehe aber schon vor sich, sagte Niekisch, wie die Brillenbärfamilie die Stämme des alten Baumbestands hochklettert und durch das weitläufige Gehege zieht, während darüber die Brüllaffen auf den etwas dünneren Ästen hin- und herspringen. „Früher war hier nur Wiese und kahler Felsen“, sagt Niekisch. „Jetzt ist alles wunderbar grün.“ Er erinnere sich noch gut an die ersten Entwürfe, die er gesehen habe. Als man ihm gesagt habe, dass das einmal „eine grüne Oase“ werde, habe er gedacht: Im Leben nicht. „In Wahrheit aber ist es viel besser geworden als jemals erhofft.“

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Orang-Utan eingeschläfert Trauer um Charly

Charly war wahrscheinlich das älteste Tier seiner Gattung. Nun musste der Frankfurter Zoo den Orang-Utan einschläfern. Mehr

16.10.2014, 13:25 Uhr | Gesellschaft
Neue Fütterungsmethode für Zoo-Komodowaran

Die Fütterungsmethode im Zoo von San Diego dient nicht dazu, die Riesenechse fit für Zirkusnummern zu machen. Mit dem sogenannten Target Training kann man das fast 70 Kilo schwere Reptil ohne Betäubung dorthin bringen, wo man es haben will, etwa, wenn es um eine Untersuchung geht, oder man einen Teil des Geheges betreten will. Mehr

26.09.2014, 12:28 Uhr | Gesellschaft
Wales auf Dylan Thomas’ Spuren Nackt vorbei an der Schenke

Dylan Thomas führte ein rauschhaftes Leben - und man fragt sich, woher er die Zeit genommen hat, sich nebenher Weltruhm zu erschreiben. Eine Reise durch Wales auf seinen Spuren. Mehr Von Jakob Strobel y Serra

24.10.2014, 16:49 Uhr | Reise
Regierungstruppen erobern Mariupol zurück

Nach schweren Kämpfen sollen sich pro-russische Separatisten aus der Stadt zurückgezogen haben, meldet die Regierung in Kiew. Soldaten hätten die ukrainische Flagge auf dem Rathaus der Stadt im Südosten des Landes gehisst. Mehr

13.06.2014, 16:52 Uhr | Aktuell
Frankfurter Museum Moderne Kunst im Bürohaus-Turm

Das Museum für Moderne Kunst eröffnet am Freitag eine neue Dependence - in einem Bürohochhaus. Das ist bislang einmalig in Deutschland. Doch was böte sich in einer Stadt wie Frankfurt Pragmatischeres an? Mehr Von Michael Hierholzer, Frankfurt

17.10.2014, 18:22 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 03.07.2013, 23:20 Uhr

Abschied von der Taktik

Von Stefan Toepfer

Viel Misstrauen hat sich im Bistum Limburg aufgetürmt. Auch wenn ein Vertrauensaufbau zwischen den Limburgern und ihrer Diözese wichtig ist, müssen allmählich strategische Entscheidungen her. Mehr