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Bärenanlage im Frankfurter Zoo „Und schon ist man in den Anden“

 ·  Der Zoo hat eine neue Bärenanlage, das Ukumari-Land. Die Besucher finden sich zwischen Felsen, Wald und Wasserfall wieder.

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Cashu hat offenbar ein ziemlich dickes Fell, nicht nur im wörtlichen Sinn. Als die Bärendame das Ukumari-Land betritt, schlendert sie erst gemächlich durchs neue Gehege, vorbei am Kunstfelsen, mit einem Abstecher zum Wassergraben, dann hier und da durchs dichte Gestrüpp, um schließlich einen Baum zu erklimmen. Weder lässt sie sich bei ihrem Rundgang von den vielen Fotografen ablenken, die sich an diesem Mittwochvormittag scharenweise vor der neuen Bärenanlage drängen; noch von dem Regen, der kübelweise niedergeht.

Zoodirektor Manfred Niekisch hatte schon am Morgen gesagt, das Wetter sei gar nicht so schlimm. Jedenfalls nicht für die Brillenbären, der einzigen Bärenart aus Südamerika. Die fühlten sich auch bei Regen ganz wohl. Die Idee des Ukumari-Lands sei es schließlich, die „Andenbären“ in einer Umgebung zu zeigen, die ihrem natürlichen Lebensraum sehr ähnele, sagt Niekisch. „Dazu passt ja, dass es wie aus Eimern gießt.“

Eine der modernsten Anlagen Europas

Tatsächlich ist die neue Anlage, die außer von Cashu bald auch von Brillenbär Nobody sowie von drei Brüllaffen bewohnt wird, auffallend grün. Die teils verschlungenen Pfade beginnen hinter dem neuen Zooeingang und führen direkt hinein ins Ukumari-Land, gestaltet mit schroffen Kunstfelsen, Hunderten Bäumen und Büschen, mehreren Wassergräben, Klettermöglichkeiten und einem Wasserfall.

Nach den Worten Niekischs hat der Zoo lange auf diesen Tag hingearbeitet. Nun sei eine der modernsten Bärenanlagen Europas endlich fertig. Erste Pläne für eine neue Bärenanlage habe es schon 2005 gegeben. Die Ideen hätten jedoch zunächst ruhen müssen. Es habe unter anderem an Geld gefehlt. Erst als die Stadt vor vier Jahren dem Zoo 30 Millionen Euro zur Verfügung gestellt habe, „nahm die Planung wieder Fahrt auf“. Mit dem Berliner Architekturbüro Henchion Reuter, das in einem Wettbewerb den besten Entwurf vorgelegt hatte, aber auch mit dem Hochbauamt hatte der Zoo „gute Partner“ gehabt, wie Niekisch sagt.

Ein Artenschutz-Zoo

Nach den Worten von Jürgen Pritzl, Leiter des Hochbauamts, war der Umbau des Tiergartens „eine ganz spezifische Herausforderung“ und eine interessante Bauaufgabe. Dass es vor allem darum gehe, den Tieren gerecht zu werden, „war immer gemeinsames Ziel“. Der neue Eingang sei wie „ein Schaufenster zur Stadt“.

Von einer neuen Bedeutung des Zoos für die Stadt spricht auch Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU). Nun seien die Vorstellungen eines Artenschutz-Zoos Wirklichkeit geworden, sagt er. Man habe ein Areal geschaffen, das sich in vielfältiger Weise der Natur anpasse. „Der Besucher findet sich gleich in den Anden wieder“, sagt Semmelroth. Dass die Stadt so viel Geld in den Umbau investiere, habe sich gelohnt. Der Zoo sei nicht nur eine Freizeit-, sondern auch eine Bildungs- und Kultureinrichtung. Auch mit den noch anstehenden Neubauten wolle man zeigen, dass die Arterhaltung oberste Priorität habe.

Einkaufszentrum übernimmt Bärenpatenschaft

Als nächster größerer Neubau steht das Pinguinhaus an. Allerdings reicht dafür der städtische Zuschuss allein nicht mehr aus. Von den 30 Millionen Euro gingen 16 Millionen Euro für die Bärenanlage ab, außerdem mussten die Kosten für den neuen Eingang und die neue Quarantänestation getragen werden. Der Zoo hat bereits ein Spendenprojekt für das Pinguinhaus ins Leben gerufen. Noch fehlen aber Großspenden. Ein bis zwei Millionen würden schon weiterhelfen, heißt es.

Für die Brillenbären hat das Einkaufszentrum „My Zeil“ die Patenschaft übernommen. Nach den Worten von Zentrumsmanager Olaf Deistler ist der Zoo nicht nur ein Naherholungszentrum für Frankfurt, sondern auch wichtig für die Tierwelt insgesamt. Das wolle man fördern. Deistler stellt in Aussicht, den Zoo auch weiterhin zu unterstützen.

„Früher war hier nur Wiese und kahler Felsen“

Dass die artgerechte Haltung bald auch zu Bärennachwuchs führt, hoffen Niekisch und seine Pfleger sehr. Die optimale Umgebung zum Wohlfühlen hätten die Tiere ja, sagt Niekisch. Noch aber ist Cashu allein auf weiter Flur. Nobody müsse noch einige Zeit in der Innenanlage verbringen, bevor er sich an das neue Terrain unter freiem Himmel gewöhne, sagt Niekisch. Und auch die drei Brüllaffen seien noch nicht da.

Er sehe aber schon vor sich, sagte Niekisch, wie die Brillenbärfamilie die Stämme des alten Baumbestands hochklettert und durch das weitläufige Gehege zieht, während darüber die Brüllaffen auf den etwas dünneren Ästen hin- und herspringen. „Früher war hier nur Wiese und kahler Felsen“, sagt Niekisch. „Jetzt ist alles wunderbar grün.“ Er erinnere sich noch gut an die ersten Entwürfe, die er gesehen habe. Als man ihm gesagt habe, dass das einmal „eine grüne Oase“ werde, habe er gedacht: Im Leben nicht. „In Wahrheit aber ist es viel besser geworden als jemals erhofft.“

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