Home
http://www.faz.net/-gzg-75dpn
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Badmintontrainer Bernd Brückmann im Gespräch „Immer nur Traumschiff und Fußball“

Talente zu sichten und zu finden, wird immer schwieriger. Zum einen, weil es immer weniger gibt, zum anderen weil viele von ihnen einfach keine Zeit für den Sport haben. Hinzu kommt eine Förderung, die Brückmann für nicht konsequent hält.

© Wonge Bergmann Vergrößern Schlagende Argumente: Begabung und Spielwitz sind beim Aufspüren der Talente Indizien. Die Beweise liefert der Nachwuchs dann am Netz.

Der hessische Badminton-Nachwuchs gehört zur deutschen Spitze. Die jüngsten U-19-Ranglisten werden von Kai Schäfer und Annika Dörr angeführt, auch in jüngeren Jahrgängen gibt es einige Talente. Hessische Athleten gehörten zum Team, das 2011 Europameister wurde, bei den deutschen Jugend-Meisterschaften in diesem Jahr war nur Nordrhein-Westfalen besser. Woran liegt der Erfolg des Hessischen Badminton-Verbandes?

Es gibt viele Gründe. Einer ist, dass man die Sportler bekommen muss, die das Potential haben, das man wecken kann. Oft kommen Kinder von Personen, die schon in der Sportart Badminton verhaftet sind. Manchmal sind es Quereinsteiger wie Kai Schäfer, der vom Tennis kam. Manchmal sind es auch Zufälle: Wenn Kinder in der Schule mit der Sportart Kontakt bekommen und sich in einen guten Verein verlaufen. Außerdem versuchen wir von Verbandsseite, unsere Fühler auszustrecken, wohin wir können. Wir sichten Kinder frühzeitig, das beginnt mit acht Jahren.

Es gibt in manchen Spielsportarten Trainer, die behaupten, nach fünf Minuten sei erkennbar, ob ein Kind über Talent verfüge. Gelingt es Ihnen das auch?

Die Frage ist, was man unter Talent versteht. Wenn es darum geht, wie er sich bewegt, wie er motorisch drauf ist, dann reicht die Zeit auf jeden Fall. Es reicht allerdings nicht, um sich ein Gesamtbild zu machen. Für mich gehört zum Talentbegriff mehr: Es geht darum, wie ist das Spielverständnis, hat das Kind einen gewissen Spielwitz, kann es sich konzentrieren, beißt es, wenn es zurückliegt. Auch das Umfeld gehört zum Talent dazu. Es ist ein großes Plus, wenn ein Kind aus einem leistungssportaffinen Elternhaus kommt. Diese ganzen Faktoren kann ich in zehn Minuten nicht erkennen.

Wie erkennt man Spielwitz bei einem Zehnjährigen?

Das ist gar nicht so schwierig. Wenn Kinder sich den Ball über das für sie recht hohe Netz zuspielen, geht es bei vielen geht darum, den Ball weit zu prügeln. Nach dem Motto: Der Stärkste gewinnt. Diejenigen, die Spielwitz haben, versuchen den Gegner laufen zu lassen.

Wie viele von denen gehören zum Typus des schlampigen Talents, das sich auf seinen Spielwitz verlässt und anderes vernachlässigt?

Eine ganze Reihe. Wenn sich einer gut bewegt, heißt das noch lange nicht, dass er bereit ist, hart zu arbeiten. Ich habe einen Spruch, der lautet: Arbeit schlägt Talent. Wenn einer faul ist, dann wird er in Schönheit sterben. Der mag in den unteren Altersklassen dominieren, aber irgendwann wird er überholt von Spielern, die kontinuierlich trainieren und sich stetig verbessern. Das führt zu Frustration, so dass wir schlampige Talente spätestens bei den U19 verlieren.

Wie kann man deren Einstellung rechtzeitig ändern?

Indem man ihnen immer wieder in den Hintern tritt, sie nicht zu viel lobt, sondern immer wieder auf die Dinge hinweisen, die nicht so toll sind. Man sollte natürlich loben, aber nicht zu viel, denn es darf nicht zu einem Prinzen- oder Prinzessinnendasein führen.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Fußballmanager Tag und Nacht am Ball

Ohne Ball kann er sich sein Leben nicht vorstellen. Fußballmanager Al Sugg hat schon einige Karrieren angestoßen. Mehr Von Finian Weltecke, Jonas Carew St. Kilian’s Deutsche Schule, Dublin

08.04.2015, 12:29 Uhr | Gesellschaft
Helikopter-Eltern Wenn Kinder zu viel behütet werden

Überbehütung sei Gefahr für das Gemeinwesen: Pädagogen warnen davor, dass eine übertriebene Behütung einen negativen Einfluss auf die Entwicklung eines Kindes haben könnte. Mehr

12.01.2015, 13:30 Uhr | Gesellschaft
Streitgespräch Internet raus aus den Schulen?

Der Umgang mit dem Internet sollte ein fester Bestandteil des Unterrichts werden - oder doch nicht? Zwei Redakteure, zwei Meinungen. Mehr Von Mathias Müller von Blumencron und Jasper von Altenbockum

17.04.2015, 06:40 Uhr | Politik
1. Platz Team Bananenflanke

Viele Kinder lieben Fußball. Damit auch die mit Behinderung spielen können, gibt es in Regensburg das Team Bananenflanke. Und manchmal dürfen sich die Kinder sogar wie kleine Stars fühlen. Mehr

28.01.2015, 12:06 Uhr | Sport
Kinderbetreuung Verdienen Erzieher zu wenig?

Tausende Erzieher und Sozialpädagogen legen heute ihre Arbeit nieder und verlangen höhere Löhne. Und es stimmt: Betreuer von Kindern verdienen weniger als Betreuer von Geld. Was meinen Sie? Mehr Von Lisa Nienhaus

16.04.2015, 10:41 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 28.12.2012, 15:45 Uhr

Der Gipfel der Erregung

Von Manfred Köhler

Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir ist ein gewiefter Stratege. So hat er kürzlich einen hessischen Energiegipfel zur Sprache gebracht - ein gutes Ablenkungsmanöver, um eine Niederlage zu verbergen. Mehr 1