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Badmintontrainer Bernd Brückmann im Gespräch „Immer nur Traumschiff und Fußball“

 ·  Talente zu sichten und zu finden, wird immer schwieriger. Zum einen, weil es immer weniger gibt, zum anderen weil viele von ihnen einfach keine Zeit für den Sport haben. Hinzu kommt eine Förderung, die Brückmann für nicht konsequent hält.

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Der hessische Badminton-Nachwuchs gehört zur deutschen Spitze. Die jüngsten U-19-Ranglisten werden von Kai Schäfer und Annika Dörr angeführt, auch in jüngeren Jahrgängen gibt es einige Talente. Hessische Athleten gehörten zum Team, das 2011 Europameister wurde, bei den deutschen Jugend-Meisterschaften in diesem Jahr war nur Nordrhein-Westfalen besser. Woran liegt der Erfolg des Hessischen Badminton-Verbandes?

Es gibt viele Gründe. Einer ist, dass man die Sportler bekommen muss, die das Potential haben, das man wecken kann. Oft kommen Kinder von Personen, die schon in der Sportart Badminton verhaftet sind. Manchmal sind es Quereinsteiger wie Kai Schäfer, der vom Tennis kam. Manchmal sind es auch Zufälle: Wenn Kinder in der Schule mit der Sportart Kontakt bekommen und sich in einen guten Verein verlaufen. Außerdem versuchen wir von Verbandsseite, unsere Fühler auszustrecken, wohin wir können. Wir sichten Kinder frühzeitig, das beginnt mit acht Jahren.

Es gibt in manchen Spielsportarten Trainer, die behaupten, nach fünf Minuten sei erkennbar, ob ein Kind über Talent verfüge. Gelingt es Ihnen das auch?

Die Frage ist, was man unter Talent versteht. Wenn es darum geht, wie er sich bewegt, wie er motorisch drauf ist, dann reicht die Zeit auf jeden Fall. Es reicht allerdings nicht, um sich ein Gesamtbild zu machen. Für mich gehört zum Talentbegriff mehr: Es geht darum, wie ist das Spielverständnis, hat das Kind einen gewissen Spielwitz, kann es sich konzentrieren, beißt es, wenn es zurückliegt. Auch das Umfeld gehört zum Talent dazu. Es ist ein großes Plus, wenn ein Kind aus einem leistungssportaffinen Elternhaus kommt. Diese ganzen Faktoren kann ich in zehn Minuten nicht erkennen.

Wie erkennt man Spielwitz bei einem Zehnjährigen?

Das ist gar nicht so schwierig. Wenn Kinder sich den Ball über das für sie recht hohe Netz zuspielen, geht es bei vielen geht darum, den Ball weit zu prügeln. Nach dem Motto: Der Stärkste gewinnt. Diejenigen, die Spielwitz haben, versuchen den Gegner laufen zu lassen.

Wie viele von denen gehören zum Typus des schlampigen Talents, das sich auf seinen Spielwitz verlässt und anderes vernachlässigt?

Eine ganze Reihe. Wenn sich einer gut bewegt, heißt das noch lange nicht, dass er bereit ist, hart zu arbeiten. Ich habe einen Spruch, der lautet: Arbeit schlägt Talent. Wenn einer faul ist, dann wird er in Schönheit sterben. Der mag in den unteren Altersklassen dominieren, aber irgendwann wird er überholt von Spielern, die kontinuierlich trainieren und sich stetig verbessern. Das führt zu Frustration, so dass wir schlampige Talente spätestens bei den U19 verlieren.

Wie kann man deren Einstellung rechtzeitig ändern?

Indem man ihnen immer wieder in den Hintern tritt, sie nicht zu viel lobt, sondern immer wieder auf die Dinge hinweisen, die nicht so toll sind. Man sollte natürlich loben, aber nicht zu viel, denn es darf nicht zu einem Prinzen- oder Prinzessinnendasein führen.

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Das Gespräch führte Thomas Klemm.

Quelle: F.A.Z.
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