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Ungeliebte Vögel : Was bringt der Abschuss von Nilgänsen?

Graswurzelbewegung: Den Frankfurter Ostpark haben die Nilgänse schon erobert. Bild: Wonge Bergmann

Was Nilgänse an Ufern und in Parks hinterlassen, kann für Kleinkinder gefährlich sein. Mancherorts dürfen einzelne Vögel abgeschossen werden – ob das viel bringt, ist aber fraglich.

          Am Langener Waldsee verfolgt man interessiert die Frankfurter Diskussion um das Abschießen von Nilgänsen in Schwimmbädern. „Wir sind gespannt, was dabei herauskommt“, sagt Michael Krauß, der bei der Stadt Langen für den Badesee zuständig ist. Seit Jahren macht ihm zu schaffen, dass sich je nach Tageszeit zwischen 40 und 100 Gänse-Brutpaare an den Ufern tummeln.

          Mechthild Harting

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Krauß hat sich schon vor den Frankfurter Kollegen zum Äußersten entschlossen und lässt die Tiere jagen. Aber: „Das Vorgehen ist nicht von Erfolg gekrönt.“ Zwar würden die Vögel erst einmal aus dem Strandbad verscheucht, doch spätestens nach Ende der Jagdzeit kehrten sie zurück. Einziger Unterschied zu Frankfurt ist, dass es am Waldsee nicht Nilgänse sind, die überall ihren Kot hinterlassen, sondern die noch einmal deutlich größeren Kanadagänse. Krauß hat eigens einen Mitarbeiter damit beauftragt, Kot einzusammeln, und zwar von Hand mit der Zange. „Alles andere funktioniert nicht.“

          Mögliche Infektionsgefahr

          An anderen Badeseen, ob in Nieder-Roden oder in Mainflingen, kennen die Verantwortlichen das Problem auch und versuchen, Wasserqualität und Hygiene im Blick zu behalten. Lediglich in Darmstadt – dort gibt es den Badesee Woog – beklagt sich niemand. Es gebe keine großen Bestände von Gänsen, „wir scheinen Glück zu haben“, sagt ein Sprecher der Stadt. In Wiesbaden ist man zwar vertraut mit Nilgänsen, ob am Schiersteiner Hafen, im Kurpark oder auf den Grünanlagen rund um den Bahnhof. Doch die Stadt sieht bisher keinen Grund, etwas zu unternehmen. Sollte es eines Tages nötig sein, will man aber zum Gewehr greifen oder zumindest Gelege entfernen.

          Im Frankfurter Umweltdezernat, in dem man bisher mit Schulterzucken auf die Beschwerden von Bürgern über Gänsekot reagiert hat, will man nun prüfen, ob etwas getan werden muss. Schließlich liegt seit Beginn vergangener Woche der Befund des Gesundheitsamts vor, wonach der Kot der Gänse im Brentanobad außer den erwartbaren Kolibakterien auch Salmonellen enthielt.

          Das Amt hatte gewarnt, dass vor allem für Säuglinge und Kleinkinder durch die Tier-Ausscheidungen „durchaus eine Infektionsgefahr bestehen könne“. Im Fall einer Gesundheitsgefahr durch Gänsekot gehe der Schutz der Bevölkerung vor, hatte Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Die Grünen) mitgeteilt. Sie lässt derzeit gemeinsam mit dem Grünflächenamt klären, in welchen Parks es Gänse, Wasser und spielende Kinder gibt.

          Gemähte Wiesen als idealer Lebensraum

          Beschwerden erreichen die Behörden vor allem vom Licht- und Luftbad Niederrad, vom Mainufer und vom Ostpark, dessen große Wiese sich schon seit Jahren Gänse, Sportler und Erholungssuchende teilen: Dort wird zwischen Gänsekot gekickt, gegrillt und gepicknickt, und auf dem von Ausscheidungen übersäten Rundweg wird gejoggt. Am Weiher buddeln Kleinkinder im Sand des Spielplatzes. Der soll wegen der Gänse bei der geplanten Sanierung des Parks verlegt werden, und rund um den Weiher will man hohes Gras pflanzen, das Gänse nicht mögen. Ob in den Parks in absehbarer Zeit – zum 1. September endet die Schonzeit der Nilgänse – die Vögel auch gejagt werden, ist noch offen.

          „Einzelabschüsse, wie sie im Brentanobad geplant sind, lösen das Problem nicht“, sagt Martin Hormann von der Staatlichen Vogelschutzwarte. Er rät, in Parks und in Schwimmbädern das Füttern der Tiere endlich konsequent zu ahnden und die Wiesen nicht immer wieder kurz zu mähen – das verschaffe den Vögeln beste Nahrung und einen idealen Lebensraum. In einer kniehohen Blumenwiese gebe es keine Nilgänse.

          „Mit Sachverstand und Augenmaß“

          „Ich sähe die Tiere auch lieber in Afrika“, sagt der Ornithologe, aber nun seien sie da, und man müsse sich arrangieren. Die Chance, die ursprünglich in den Niederlanden entwichenen Nilgänse vollständig auszurotten, sieht Hormann nicht. Anfang der achtziger Jahre, als in Südhessen die ersten Nilgänse gesichtet worden seien, wäre das noch möglich gewesen – jetzt sei es zu spät. Diese Einschätzung teilt das hessische Umweltministerium.

          Die Nilgänse sind zwar vor wenigen Monaten von der EU in die Liste der invasiven Arten aufgenommen worden, daher muss das Land einen „Managementplan“ aufstellen. Doch das Ministerium ist der Ansicht, dass auch in Zukunft bei Problemen „mit Sachverstand und Augenmaß“ gehandelt werden müsse. Ein Leben ohne Nilgänse wird es in Frankfurt wohl nicht mehr geben.

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