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Bad Homburg gehört zu „Great Spas of Europe“ : Zusammen mit Vichy und Spa

Internationales Niveau: die ehemalige Wandelhalle im Kurpark. Bild: Kaufhold, Marcus

Die Kurstadt Bad Homburg ist jetzt Mitglied der „Great Spas of Europe“. Die historischen Bäder melden sich für die Welterbe-Liste an.

          Die Erfolgsaussicht ist noch ungewiss, doch zwei wichtige Schritte ist die Stadt für eine Bewerbung als Weltkulturerbe vorangekommen. Sie zählt jetzt zu den Städten, die sich unter dem Titel „Great Spas of Europe“ als historische Kur- und Modebäder von europäischem Rang zusammengeschlossen haben. Bisher waren Baden-Baden, Bad Kissingen und Wiesbaden die deutschen Vertreter in der Gruppe, die außerdem aus Karlsbad, Marienbad, Franzensbad und Bad Luhatschowitz in Tschechien, Vichy in Frankreich, Montecatini Terme in Italien, dem belgischen Spa und Bath in England besteht.

          Bernhard Biener

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für den Hochtaunuskreis.

          Am Sonntag hat Oberbürgermeister Michael Korwisi (Die Grünen) die Beitrittsurkunde zusammen mit den Bürgermeistern von Bad Ems und Bad Pyrmont unterzeichnet. Diese drei Städte erklären damit ebenfalls ihre Absicht, als Teil der Badekultur des 19.Jahrhunderts die Anerkennung durch die Unesco anzustreben. Bis Ende der Woche können noch Baden bei Wien und Bad Ischl ihren Beitritt erklären. Dann soll die Liste geschlossen werden.

          Die Anfänge des Golf- und Tennisspiels

          Bad Homburg hatte für die Anerkennung als „Great Spa of Europe“ ein Gutachten von dem französischen Kunsthistoriker Dominique Jarrassé anfertigen lassen. Dieser würdigte unter anderem das Kriterium der Internationalität, das sich außer an den alten Gästelisten auch an Bauwerken wie der Englischen Kirche, der Russischen Kirche und der Thai Sala ablesen lässt. Es gehe aber auch um ideelle Werte, sagte Korwisi. Die Kurstadt könne hierfür die Anfänge des Golf- und Tennisspiels in Deutschland und Europa anführen, die englische Kurgäste mitgebracht hätten. Auch der zu jener Zeit entstandene Homburg-Hut zähle dazu.

          Eine weitere Voraussetzung, um sich überhaupt als Welterbe bewerben zu können, ist die Aufnahme in die Tentativliste, also die nationale Vorschlagsliste für die Unesco. Sie wird in Deutschland von den Ländern zusammengestellt. Unter den zehn Einträgen der Liste von 2013 stehen die sechs deutschen Kurstädte jetzt gemeinsam neben der Hamburger Speicherstadt, der Schwetzinger Sommerresidenz, der Heidelberger Altstadt oder zwei Häusern von Le Corbusier.

          Mitgliedschaft kostet 14.500 Euro

          Als nächstes will die Stadt die Expertengruppe des Bäder-Zusammenschlusses einladen, damit sie die Vorzüge Bad Homburgs im Vergleich mit den anderen beteiligten Kurstädten bewertet. „Erst dann wird sich zeigen, ob die Zahl der Bäder so groß bleibt“, sagte der Oberbürgermeister. Ziel sei es, die Anmeldung bei der Unesco bis Ende Januar abzugeben. Auch dies sei aber noch nicht die endgültige Bewerbung. Korwisi hofft gleichwohl, dass die Entscheidung innerhalb von fünf Jahren fällt. Und damit in seiner zweiten Amtszeit, für die er sich bewerben will.

          Die Mitgliedschaft bei den „Great Spas of Europe“ kostet 14.500 Euro, die von den Stadtverordneten freigegeben wurden. Die Vorbereitungen laufen schon seit einiger Zeit. So forscht das Stadtarchiv in seinen Beständen zur Kurgeschichte. Die Gästelisten von 1840 bis 1923 seien inzwischen elektronisch erfasst, sagte Korwisi. Auch ein Managementplan, den die Unesco für Welterbestätten verlangt, ist in Arbeit. Eine Kernzone, die den Kurpark und den erweiterten Kurbezirk umfasst, hat die Stadtplanung ebenso markiert wie eine angrenzende Pufferzone, die den Hardtwald einschließt und die Landgräfliche Gartenlandschaft bis an den Rand des Taunuswalds. Gerade diese „therapeutische Landschaft“, die von den Kurgästen für Ausflüge und Freizeitvergnügen genutzt worden sei, stelle einen besondere Wert Bad Homburgs dar, erläuterte der Oberbürgermeister.

          Betrachtet werden auch die Bebauungspläne in der Pufferzone. Künftig werde man sein Augenmerk stärker auf den Schutz von Gebäuden, die nicht selbst als Denkmal anerkannt seien, sowie auf Ensembles und Freiflächen richten müssen, sagte Korwisi. Das könne durchaus Einschränkungen mit sich bringen und mit dem Wunsch nach Innenentwicklung vor Außenentwicklung kollidieren. Eine absolute Verhinderung von Neubauten stehe aber nicht bevor: „Hochhäuser sind dort auch jetzt nicht zulässig.“ Vielleicht könne aber eine bestimmte Dachform vorgeschrieben werden. Für den Oberbürgermeister geht es bei der Welterbe-Bewerbung weniger um touristische Werbung – schließlich verfügt die Stadt mit Saalburg und Limes schon über ein Welterbe. Die Forschung schaffe vielmehr ein neues Bewusstsein für die Kurgeschichte: „Der Weg ist das Ziel.“

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