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B.B. King : I liebe you

  • -Aktualisiert am

Gelassen, nach so vielen Jahren: B.B. King. Bild: Kaufhold, Marcus

Dem Blues ging es schon besser, auch wenn einer sich sehr für ihn einsetzt: B.B. King gastiert in Frankfurt.

          Völlig zurecht stellte Frank Zappa im Song „Be-Bop Tango (Of The Old Jazzmen’s Church)“ schon 1974 fest, der Jazz sei nicht tot, er rieche nur komisch. Was für den Jazz gilt, stimmt prinzipiell auch für seinen ebenfalls in die Jahre gekommenen älteren Bruder, den Blues. Seit seiner letzten wirklich kreativen Phase in den sechziger Jahren kreist das Genre nur noch um sich selbst. Erfolgreiche Ausnahmebeispiele aus jüngerer Zeit wie The White Stripes, The Black Keys, Joe Bonamassa oder John Mayer bestätigen lediglich die Regel: Den rar gewordenen Nachwuchstalenten bleibt ein Nischendasein vorbehalten.

          Zu stark ist in aller Welt die Übermacht kurzlebiger TV-Casting-Gewinner, gesichtsloser Produzentenprojekte und nutzloser Popwegwerfprodukte, zu gering hingegen das Interesse jüngerer Generationen am Ur-Genre, das Pop, Rock und selbst Punk erst möglich machte. Von Jahr zu Jahr lichten sich die Reihen der Veteranen. Nur einer von ihnen wird nicht müde, jedes Jahr rund um die Welt zu jetten, um den Rücktritt von seinem Vorjahresrücktritt zu exerzieren: B.B. King.

          Er lässt ein wenig auf sich warten

          Doch selbst ein allseits geschätzter Pionier mit untadeligem Legendenstatus und authentischer Bluesvita sorgt nicht mehr automatisch für eine ausverkaufte Frankfurter Festhalle. Lediglich im Innenraum der bestuhlten Halle tummeln sich von nah und fern herangepilgerte Blues-Enthusiasten, um hingebungsvoll Riley B. King aus dem Mississippidelta zu lauschen, dessen Initialen sich von „Blues Boy“ ableiten, dem Spitznamen, den er einst als Jungspund beim Radiosender WDIA in Memphis bekam. Im September wird er 87 Jahre alt, seit 1949 geht er seiner musikalischen Berufung nach.

          In Frankfurt lässt der Maestro ein wenig auf sich warten. Ehe der leicht gehbehinderte King in einem goldenen Brokatsakko hereingeführt wird, auf einem Sessel Platz nimmt und in die Saiten seiner von der Firma Gibson gefertigten Gitarrengeliebten „Lucille“ greift, um leidenschaftlich „I Need You So“ zu beteuern, heißt es für das Publikum, sich in Geduld zu üben. Erst muss es ein langatmiges Vorprogramm mit Robert Randolph & The Family Band und der Kenny Wayne Shepherd Band über sich ergehen lassen.

          Viel zu schnell zu Ende

          Belohnt wird das Warten auf den unverbesserlichen Charmeur, der spontane Liebesbekundungen seitens der Damen mit verbaler Schlagfertigkeit erwidert („Don’t call my name so loud, baby!“), mit einer Reihe schnörkellos ausgedehnter Versionen diverser Klassiker. Eingebettet in die erstklassige instrumentale Kompetenz von Kings achtköpfiger Begleitcombo mit einer satten Blechbläsersektion, strotzen Lieder wie „Rock Me Baby“, „Key To The Highway“ und „When Love Comes To Town“ nur so vor zeitloser Dynamik.

          King kokettiert mit Alter und Sterblichkeit, wenn er „See That My Grave Is Kept Clean“ singt, obwohl jeder im Saal weiß, dass bei diesem überaus aktiven Pensionär noch längst nicht die Spannung raus ist. In „The Thrill Is Gone“ trauert King einer erloschenen Liebe hinterher, verplempert aber auch unnötig viel Zeit im animierten Klatschmarathon des ein wenig seicht geratenen „You Are My Sunshine“.

          Beendet ist die ohnehin nicht üppige Werkschau beim Blues-Papst dann allzu rasch. Ein wenig zieht King die Audienz allerdings noch in die Länge, wenn er minutenlang die Huldigungen seiner Zuhörer entgegennimmt, Gitarrenplektren verteilt, Autogramme schreibt und zum Abschied gerührt ruft: „I liebe you.“

          Quelle: F.A.Z.

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