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Schau zur Operation Entebbe : In schlechter deutscher Tradition

Wilfried Böse, Mitbegründer der Revolutionären Zellen
Wilfried Böse, Mitbegründer der Revolutionären Zellen : Bild: dpa

Für eine gezielte Juden-Selektion in Entebbe spricht der Umstand, dass die Terroristen, zu denen in Entebbe noch weitere palästinensische Kämpfer gestoßen waren, auch sechs nichtisraelische Orthodoxe, die an ihrem Aussehen als Juden zu erkennen waren, aussortierten und in den Nebenraum zu den israelischen Geiseln zwangen. Gegen die Version einer antisemitischen Selektion lässt sich anführen, dass unter den vorzeitig freigelassenen Geiseln auch Juden mit einem nichtisraelischen Pass waren.

Wie auch immer - die Flugzeugentführung nach Entebbe ist auf jeden Fall ein Beleg dafür, dass Teile der Achtundsechziger-Linken sich damals immer stärker unter dem Banner des Antizionismus gegen Israel wandten, sich mit den Palästinensern solidarisierten und sogar Waffenbrüderschaften eingingen. Dabei hatte die Neue Linke anfangs stark mit dem Judenstaat im Nahen Osten sympathisiert und sich für eine Aussöhnung der Deutschen mit den Juden eingesetzt. Mit dem Sechstagekrieg von 1967 änderte sie jedoch ihre Haltung und warf dem Staat Israel eine Kolonisierung der Palästinenser vor.

Eine reinigende Wirkung auf einige Linke

Plötzlich waren für die Linken die Israelis die Täter und die Palästinenser die Opfer. Die „Tupamaros West-Berlin“, eine militante linke Splittergruppe, scheute sich nicht, ein Bombenattentat auf eine Gedenkfeier für die Opfer der Novemberpogrome von 1938 zu planen, und die „Revolutionären Zellen“ und die „Rote Armee Fraktion“ verbündeten sich mit palästinensischen Terrorgruppen. Bis heute gilt die Sympathie vieler Linker - darunter auch Bundestagsabgeordnete der Linkspartei - dem Kampf der Palästinenser. Der Vorwurf in diesem Zusammenhang lautet, dass manche Antisemiten ihre Judenfeindlichkeit auf diese Weise nur als Antizionismus bemänteln.

Die Aussonderung der Israelis im Flughafengebäude von Entebbe, aber auch das Ende der Entführung mit drei toten Geiseln, sieben erschossenen Terroristen, darunter Böse und Kuhlmann, mehreren getöteten ugandischen Soldaten sowie dem Tod des israelischen Befreiers Yonatan Netanjahu, dem Bruder des heutigen israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu, hatte allerdings auf einige Linke eine reinigende Wirkung.

Große Aufmerksamkeit in der anglosächsischen Welt

Das Geschehen öffnete zum Beispiel dem späteren deutschen Außenminister Joschka Fischer, der damals in Frankfurt noch als Straßenkämpfer und Hausbesetzer unterwegs war, die Augen: „Ich fragte mich, wo führt das alles hin? Es war einfach nur entsetzlich! Wir erkannten allmählich, dass diejenigen, die mit der Abkehr von der Elterngeneration als Antifaschisten begonnen hatten, bei den Taten und der Sprache des Nationalsozialismus gelandet waren“, sagt er im Interview.

In der deutschen Öffentlichkeit ist damals die „Selektion von Entebbe“ nie ein großes Thema gewesen. Im Fokus der Berichterstattung stand eher der Ablauf der Befreiung und die Leistung des israelischen Kommandos. In Israel dagegen und tendenziell auch in der anglosächsischen Welt erregte die Aussonderung der Israelis durch zwei deutsche Terroristen große Aufmerksamkeit. Für viele Israelis war es dabei nie eine Frage, dass in Entebbe eine Juden-Selektion in schlechter deutscher Tradition stattgefunden hatte.

Die Ausstellung „Die Selektion von Entebbe?“ ist bis zum 21. Dezember dienstags bis freitags jeweils von 12.30 bis 17 Uhr und sonntags von 12 bis 18 Uhr in der Bildungsstätte Anne Frank, Hansaallee 150, zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Quelle: F.A.Z.

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