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Ausstellung für guten Zweck Helfen mit dem Ustinov-Lächeln

 ·  Das Künstler-Gen hat er von seinen Vorfahren geerbt. Derzeit stellt Igor Ustinov in der Frankfurter Commerzbank Skulpturen aus. Mit seiner Arbeit will er die Stiftung seines Vaters unterstützen.

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Die ersten Worte, die Igor Ustinov sagt, erfüllen alle Erwartungen. Seine Stimme klingt sanft, ein wenig nasal, wie die seines Vaters. Sein Gesicht ist schlanker, dennoch kann der 57 Jahre alte Mann mit dem Vollbart die Ähnlichkeit nicht verbergen. Mit seinen schmalen, etwas melancholischen Augen erinnert er an den jungen Peter Ustinov in der Rolle des Kaisers Nero und des Sklavenhändlers im Film „Spartakus“. Spätestens als er die Hände hebt und mit dem Ring am linken kleinen Finger gestikuliert - ein Siegelring seines Vaters, der zugleich sein Ehering ist, wie er erzählt - ist das Gespräch bei diesem angelangt. Bei dem Schauspieler, Erzähler, Kabarettisten und Forscher, diesem Rundum-Talent mit sozialem Gewissen und Weltbürger-Status.

Auch Igor Ustinov ist Künstler, schon als Kind zeichnete er, studierte dann Malerei, später Biologie und absolvierte eine klassische Gesangsausbildung. Heute ist er Bildhauer. Offensichtlich hat er die Vielseitigkeit seines Vaters geerbt. Doch den so naheliegenden Vergleich mit ihm mag er nicht hören. „Wir hatten 40 bis 50 Künstler in meiner Familie, es ist nicht nötig, immer Parallelen zu ihm zu suchen“, sagt er, und seine Stimme klingt plötzlich streng.

Aus dem Schatten ins Licht

Zum Beweis erzählt er von seinem Urgroßvater väterlicherseits, Leonti Benois, der die russische Kapelle auf der Darmstädter Mathildenhöhe entwarf. Und er hebt noch einmal hervor, dass er ein unabhängiger Künstler sei, seinen eigenen Weg gehe. Wie der aussieht, das zeigt eine Auswahl seiner bildhauerischen Werke, die heute noch im historischen Gebäude der Commerzbank an der Kaiserstraße ausgestellt sind.

Kleine Bronzeskulpturen stehen dort, die an Alberto Giacomettis Figuren erinnern, mit denen Ustinov aber sehr viel illustrativer Themen wie die Energie des Menschen und sein Streben nach Ewigkeit darstellen will. So lässt er in dem Werk „Vivant“, was so viel wie „lebendig“ bedeutet, eine Figur gegen den Wind anrennen. In „Silhouette“ tritt ein Mensch aus dem Schatten ins Licht - vielleicht auch ins Rampenlicht. Dass die Bank gerade dieses Werk als Motiv für die Einladungen an ihre Kunden genutzt hat, hält er für ein gutes Omen. Etwas mehr Rampenlicht soll auch die in Frankfurt ansässige Peter-Ustinov-Stiftung erhalten, für die er gleichzeitig wirbt. Eine Einrichtung für Kinder, die sein Vater 1998, sechs Jahre vor seinem Tod gegründet hat. Der Sohn stieg 2001 ein. Gemeinsam setzten sie sich gegen Vorurteile ein.

Seit März ist die Stiftung in modernen Räumen an der Friedberger Anlage zu Hause. Ein Türschild gibt es noch nicht, nur auf der Klingel steht ihr Name. Ähnlich unscheinbar ist die Einrichtung bislang auf dem Radar der Frankfurter, auch wenn sie schon Ende 2010 von Düsseldorf an den Main gezogen ist. Doch das soll sich ändern. Die Stiftung steht vor einem Neuanfang. Zu lange habe sie vor allem internationale humanitäre Hilfsprojekte unterstützt. Künftig sollen der Stifter und seine Anliegen wieder stärker im Mittelpunkt stehen, wie sich Andreas Schwarzhaupt und Vorstand Peter Sicking vorgenommen haben. Schwarzhaupt ist Mitglied des Stiftungsrates, dessen Vorsitz Igor Ustinov innehat.

Zur Neuausrichtung gehört der Plan, Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen und Integration im Bildungsbetrieb zu fördern. Sicking spricht in diesem Zusammenhang lieber von Inklusion und meint, dass alle Menschen mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen gleichberechtigt behandelt werden sollen. Auf diesem Gebiet hat er sich einen internationalen Ruf erworben, sitzt unter anderem im Expertenkreis der zuständigen Unesco-Kommission und hält Vorträge. Er will mit der Stiftung gesellschaftliche Veränderungen anstoßen. Etwa, indem die nach Sir Peter Ustinov benannten Schulen in Deutschland sich verpflichten, die von ihm vorgelebten Werte mit Leben zu füllen. Sieben dieser Einrichtungen gibt es schon, eine achte Schule kommt im Dezember hinzu.

Erinnerungsstücke und Korrespondenzen

Geht es nach der Stiftung, könnten weitere folgen, gerne auch in Frankfurt. Dort will Schwarzhaupt verstärkt in die Öffentlichkeit gehen. Der erste Schritt dazu sind zwei von der Stiftung finanzierte Preise für das Lucas-Filmfestival, die den besten Jugendfilm und den besten Nachwuchsdarsteller auszeichnen. Igor Ustinov soll sie überreichen. Doch die Stiftungsleitung wünscht sich in der Stadt auch ein Ustinov-Haus als Treffpunkt und Ort für Seminare. Ein kleines Museum könnte darin Platz finden. Erinnerungsstücke wie den Stuhl, auf dem Ustinov als Nero im Film „Quo vadis“ saß, und interessante Korrespondenzen gebe es, sagt Schwarzhaupt. Die Immobilie dazu fehlt allerdings noch. Aber der frühere Investmentbanker hat Ideen, wie das nötige Geld zu beschaffen sein könnte.

Aber die Stiftung ist auch ohne große Werbung finanziell gut aufgestellt. „Wir erhalten im Jahr 1,2 bis 1,5 Millionen Euro“, sagt Schwarzhaupt. Sie stammen von den Ustinov-Fans, die den Schauspieler bis heute verehren und für ihn offenbar regelmäßig ihre Geldbörse öffnen. Die Kartei der Stiftung enthält mehr als 100.000 Personen, die regelmäßig angeschrieben werden.

Künftig soll Igor Ustinov verstärkt als Sympathieträger in den Vordergrund rücken. Bei einem Konzert der „Ustinov Opera School“ stand der Sänger vor kurzem mit auf der Bühne. In dem Projekt lernen die Kinder einer Grundschule in einem von hoher Arbeitslosigkeit und Migration geprägten Viertel in Essen singen und spielen. Er habe nicht nur ein großes Herz, sondern auch Entertainer-Qualitäten wie sein Vater, sagt Schwarzhaupt. Beim geplanten Charity-Konzert an der Internationalen Schule in Oberursel Anfang Oktober könnte er beides zeigen. „Ich engagiere mich gerne, auch um den Geist meines Vaters am Leben zu halten“, sagt der Künstler. Wenn er dabei das berühmte Ustinov-Lächeln zeigt, ist der erste Schritt getan.

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04.09.2013, 23:21 Uhr

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