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Ausstellung Durch die malerische Brille

15.02.2012 ·  Maria Bubenik zeigt ihre von Medienbildern motivierten Arbeiten im Frankfurter Kunstverein Familie Montez.

Von Christoph Schütte
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Ein gemeinsamer Nenner lässt sich zunächst schwerlich finden. Autobahnen hat Maria Bubenik lange gemalt, seltsam wüst und leer wie an einem autofreien Sonntag der siebziger Jahre, dann Flugzeuge im Landeanflug oder ganz im Gegenteil die Startbahn eben jetzt verlassend; Porträts und Kinder am Strand, Pferde und Westernhelden und eine ganze Serie sich eng umschlingender, innig küssender Paare. Allein, so willkürlich die Motivik auf den ersten Blick erscheint, die Malerei der 1964 geborenen Künstlerin ist alles andere als unentschieden. Und das dem Augenschein zum Trotz gerade auch im Hinblick auf die Auswahl ihrer Motive, die sie ausnahmslos gefundenen, genauer: durch Filme und im Internet medial vermittelten Bildern entnimmt.

Insofern verweist „out of my windows“, wie Bubeniks aktuelle Ausstellung im Frankfurter Kunstverein Familie Montez mehrdeutig schillernd überschrieben ist, denn auch genau auf die Schnittstelle, um die sich immer schon alles dreht im Werk der Städelschulabsolventin. Denn wenn es stimmt, dass das, was wir Wirklichkeit nennen, sich mehr und mehr als vermittelte und mithin als Realität zweiter Hand darstellt, dann erweist sich der Realitätsbegriff selbst als außerordentlich prekär. Entsprechend mag man sich nicht nur in Anbetracht der atelierfrischen „Brille“-Bilder, sondern vor den meisten der durchweg gegenständlichen Arbeiten fragen, was sie - genau betrachtet - denn zeigen.

Ungewisse Zukunft

Je näher man ihnen nämlich zu kommen trachtet, desto mehr Fragen werfen diese Bilder auf. Nicht nur, dass die Motive - Paare, Autos, Hubschrauber etwa - sich seltsam in der Unschärfe verlieren; dass die Konturen ausfransen und an den Rändern zu verfließen scheinen wie aufgeblasene, aus großer Entfernung herangezoomte Computerbilder. Auch der Kontext bleibt stets gänzlich vage und löst sich auf in nichts als Form und Farbe. Das, nichts sonst, ist die Wahrheit dieser Malerei: eine Wirklichkeit, die sich von jener massenmedial verbreiteter Bilder wesensmäßig unterscheidet.

Nur die „Frau mit zwei Kindern“, mit Acryl auf Baumwolle und in wie in Technicolor getauchten Farben gemalt, scheint dem zögernd noch zu widersprechen. Weniger, weil es unmittelbar auf die Filmvorlage verwiese, dem die Szene entnommen ist. Eher ist die ungewisse Zukunft, vor der die Figuren hier zu stehen scheinen und der sie mit dem Rücken zum Betrachter offenbar entgegengehen, in einen landschaftlichen und, wenn man so will, erzählerischen Kontext gebettet. Vielleicht, mag man vermuten, fängt nicht nur für diese Familie, sondern geradeso auch für Maria Bubenik mit diesem Schlüsselbild nun etwas gänzlich Neues an.

Die Ausstellung im Frankfurter Kunstverein Familie Montez, Breite Gasse 24, ist bis 11. März donnerstags von 17 bis 20 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung unter 069/29723577 geöffnet.

Quelle: F.A.Z.
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Jahrgang 1963, freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

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