http://www.faz.net/-gzg-77bnd

Ausbildung von Islam-Lehrern beginnt : „Ein Projekt auf Generationen“

  • Aktualisiert am

Qualifizierte Lehrkräfte gesucht: Die Weiterbildung für islamische Religionslehrer in Hessen hat begonnen. Bild: dpa

Zunächst werden Lehrer aus anderen Fächern an hessischen Schulen islamische Religion unterrichten. Spezialisten wird es erst in einigen Jahren geben.

          Gleich mehrere hessische Hochschulen hatten ihren Hut in den Ring geworfen, um Lehrer für das neue Fach Islamischer Religionsunterricht auszubilden. Im Rennen um Bundesmittel siegte die Goethe-Universität Frankfurt, der Bund fördert das dortige „Institut für Studien der Kultur und Religion des Islam“ fünf Jahre lang mit vier Millionen Euro.

          Das „Institut für Islamische Studien der Universitäten Gießen und Marburg“ ging in der Förderrunde 2010 zwar leer aus. Dennoch sind die Mittelhessen jetzt die Ersten, die in der Ausbildung künftiger Islamkundelehrer aktiv werden: weil sie Grundschullehrer ausbilden, in Frankfurt hat man eher die Oberstufe im Blick.

          25 Lehrkräfte in der Weiterbildung

          In der nächsten Woche wird es eigentlich losgehen: Unter der Leitung von Yasar Sarikaya, Professor für Islamische Theologie an der Universität Gießen, sollte eine Fortbildung für zunächst 25 Lehrkräfte beginnen. Die Weiterbildung bestehe aus drei Modulen, berichtet Sarikaya: theologische Grundfragen und die Hauptquellen des Islam, Glaubenspraxis früher und heute sowie fachdidaktische Methoden.

          Der Kurs soll ein Jahr dauern, einmal wöchentlich stattfinden und mit Klausur und mündlicher Prüfung enden. Für Montag sei eine Kick-Off-Veranstaltung geplant, berichtet der Vizepräsident der Uni Gießen, Adriaan Dorrestijn.

          Lehrer-Ausbildung als Nebenprodukt

          Wer Islamische Religion unterrichten darf, bestimmt das hessische Kultusministerium. Infrage kommen dafür „Lehrer, die mit anderen Fächern im hessischen Schuldienst sind und einer der beiden muslimischen Gemeinschaften angehören“. Anders als zunächst geplant, kommen die künftigen Islam-Lehrer nicht nur von Grundschulen, sondern auch von weiterführenden Schulen.

          An der Goethe-Universität ist die Lehrer-Ausbildung eher ein Nebenprodukt. Möglicherweise werden in einigen Jahren Frankfurter Absolventen Islamunterricht an hessischen Gymnasien erteilen, vordringliches Ziel ist das nicht. „Unser primäres Ziel ist der Aufbau eines wissenschaftlichen Diskurses und nur sekundär die Ausbildung von Studierenden in praktischen Berufsfeldern“, sagt Vizepräsident Matthias Lutz-Bachmann.

          Drei Generationen zur umfassenden Ausbildung

          300 Studierende sind aktuell eingeschrieben in dem 2010 gegründeten Bachelor-Studiengang, im Sommer machen die ersten 30 ihren Abschluss. Nicht alle sind muslimischen Glaubens, aber alle müssen Arabisch lernen - eine hohe Hürde, und entsprechend hoch ist die Abbrecherquote.

          Ömer Özsoy ist Professor für Koranexegese und bisher der einzige Lehrstuhlinhaber in Frankfurt, zwei weitere Professuren sind derzeit ausgeschrieben. Es werde nicht leicht sein, Kollegen zu finden, glaubt er. „Wir brauchen drei Generationen, bis hier ausgebildete islamische Theologen in Deutschland islamische Theologen ausbilden.“

          Das Recht der Religionsgemeinschaften

          Ein wichtiges Unterfangen sei das aber zweifellos: „Ein wissenschaftlicher Umgang mit dem Islam kann mittel- bis langfristig auch Rückwirkungen haben auf das, was in Moscheen gepredigt wird“, sagt Özsoy. Es dürfe aber nicht der Eindruck entstehen, dass die Uni Imame ausbilde: „Das ist das Recht der Religionsgemeinschaften.“ Auch den Koranschulen mache die Uni keine Konkurrenz: „Dort lernt man schönes Rezitieren, hier wissenschaftliches Interpretieren.

          Quelle: LHE

          Weitere Themen

          IS-Unterstützer erhält Bewährungsstrafe Video-Seite öffnen

          Online-Propaganda : IS-Unterstützer erhält Bewährungsstrafe

          Ein Unterstützer der Extremistenmiliz Islamischer Staat ist am Oberlandesgericht München zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt worden. Dem 22-jährigen wird vorgeworfen, im Internet Kontakt zu Mitgliedern des IS gehabt zu haben und ihre Onlineaktivitäten unterstützt zu haben.

          IT-Messe in Nordkorea Video-Seite öffnen

          Nordkorea : IT-Messe in Nordkorea

          Die staatliche Nachrichtenagentur Nordkoreas KCNA berichtet von hunderte Firmen und Instituten, die ihre Produkte vorstellen, darunter Entwicklungen zu künstlicher Intelligenz, Gesichtserkennung oder Satellitenbildanalyse.

          Topmeldungen

          Kommentar : Wofür steht Jamaika?

          Obergrenze oder offene Grenzen für alle? Recht und Ordnung oder legale Joints? Marktwirtschaft oder Planwirtschaft? Nach den Schwierigkeiten bei den Jamaika-Gesprächen muss die Frage erlaubt sein: Passt das alles wirklich zusammen?
          Für Anleger kaum absehbar: Wann beginnen Haussen oder Baissen – und wann enden sie?

          „Buy the Dip“ : Die Faustregel der Aktienhausse

          Anleger an der Wall Street haben sich von kurzfristigen Rückschlägen nicht beirren lassen. Aber wie lange funktioniert diese Strategie noch?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.