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Ausbau am Hauptbahnhof : Viel Geld für einen Meter Gleis

Schienenknotenpunkt Frankfurt: Der Ausbau des Homburger Damms soll den Verkehr am Hauptbahnhof flüssiger werden lassen. Bild: dpa

Der Ausbau des Homburger Damms am Frankfurter Hauptbahnhof ist teuer. Doch in vier Jahren sollen die Fahrgäste des Regionalverkehrs merken, dass sich die Investition gelohnt hat.

          Wenn der Bau einer 800 Meter langen Schienenstrecke 120 Millionen Euro kostet, muss es sich um ein sehr spezielles Projekt handeln. 150.000 Euro für einen Meter Bahngleis – das erlebt auch Staatssekretär Norbert Barthle (CDU), der im Namen des Bundesverkehrsministeriums häufig Geld für Verkehrsprojekte verteilt, nicht jeden Tag. Am Mittwoch, zum Baubeginn des Bahn-Projekts Homburger Damm, konnte er sich von Bahn-Vorstandsmitglied Dirk Rompf, Hessens Verkehrsminister Tarek Al-Wazir (Die Grünen), Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und RMV-Chef Knut Ringat bestätigen lassen, dass diese 800 Meter ihr Geld wert sind.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Über den Homburger Damm sind früher Züge von Bad Homburg in den Frankfurter Hauptbahnhof eingefahren. Heute verkehren auf ihm Regionalbahnen nach Höchst, weshalb man eigentlich vom Höchster Damm sprechen müsste. Züge vom und in den Hauptbahnhof teilen sich das Gleis auf dem Damm und müssen deshalb immer wieder Fahrzeuge aus der Gegenrichtung passieren lassen. Das kostet Zeit und führt zu Verspätungen.

          Angebot ausweiten

          Nun baut die Bahn ein zusätzliches Gleis, das parallel zum bestehenden Homburger Damm entlang der Weilburger Straße verläuft, sich dann über eine neue Eisenbahnüberführung in Richtung Nordwesten fortsetzt, die Kleyerstraße sowie die Mainzer Landstraße überquert und schließlich auf Höhe des Römerhofs an das normale Schienennetz anschließt. Wenn das Bauvorhaben 2021 abgeschlossen ist, können die von Höchst kommenden Bahnen kreuzungsfrei in den Hauptbahnhof einfahren, und zwar auf eines der Gleise an der Nordseite.

          Die Bahn erreicht damit zwei Ziele gleichzeitig: Sie vermeidet Kreuzungskonflikte zwischen den Zügen, und sie ordnet die vorhandenen Gleise des Hauptbahnhofs neu. Künftig nutzt der Regionalverkehr ausschließlich die nördlichen und der Fernverkehr die südlichen Gleise. Zudem können auf der Höchst–Hauptbahnhof-Strecke künftig zusätzliche Züge eingesetzt werden, worüber sich bei der Feier zum Baubeginn vor allem RMV-Chef Ringat freute, weil er damit das Angebot für die Fahrgäste ausweiten kann.

          Behinderungen während Ausbau

          Durch den zweigleisigen Ausbau des Homburger Damms werden sich nach Angaben von Rompf, der für die Großprojekte der Bahn zuständig ist, die Verspätungen im Rhein-Main-Bahnverkehr um 20 000 Minuten im Jahr verringern. Das bedeutet, dass viele Tausende von Pendlern pünktlich oder mit weniger Verspätung ihr Ziel erreichen. Eine höhere Pünktlichkeit und mehr Flüssigkeit im Schienenverkehr ist denn auch der Zweck des Vorhabens.

          Bild: F.A.Z.

          Natürlich ist es nicht damit getan, eine neue Schienenstrecke von 800 Meter Länge zu bauen. Die Bahn lässt auch ein Kreuzungsbauwerk errichten, das die kreuzungsfreie Fahrt der Bahnen in Richtung Höchst ermöglicht. Zudem müssen Weichen, Signale und andere technische Einrichtungen angepasst werden – und dies im laufenden Betrieb. Deshalb nimmt der Ausbau des Homburger Damms auch vier Jahre in Anspruch. In dieser Zeit dürfte es wegen der Arbeiten zu Behinderungen kommen.

          In die Gänge gekommen

          Das Projekt, so unspektakulär es erscheinen mag, hat am Mittwoch die Verkehrspolitiker in Stadt und Land, von Minister Al-Wazir bis zu Oberbürgermeister Feldmann begeistert. „Endlich ist es so weit“, rief der Minister aus. Tatsächlich warten er und das Rhein-Main-Gebiet seit einem Jahrzehnt darauf, dass das Projekt „Frankfurt Rhein-Main Plus“, in dem Bund, Land und Bahn den Schienenknoten Frankfurt ausbauen wollen, Fahrt aufnimmt.

          Der Ausbau des Homburger Damms ist nun das erste richtige Bauvorhaben, das dem überlasteten Knoten mehr Elastizität verschafft, indem es den Verkehr verflüssigt. Das nächste große Projekt ist der viergleisige Ausbau der Schienenstrecke nach Bad Vilbel und Friedberg, der im Herbst beginnen soll. Nach Jahren des Stockens scheint „Frankfurt Rhein-Main Plus“ in die Gänge zu kommen.

          Quelle: F.A.Z.

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