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Veröffentlicht: 07.01.2013, 12:25 Uhr

Aus für Frankfurter Wahrzeichen Henninger-Turm wird abgerissen

Jetzt geht es dem Frankfurter Wahrzeichen an den Kragen. Der Henninger-Turm wird abgerissen. Lange war er Ausflugsziel für die ganze Region. Ein international bedeutendes Radrennen trug seinen Namen. Nun soll dort ein Wohnturm entstehen.

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© dpa Tod eines Wahrzeichens: Der Henninger-Turm gehört in der bekannten Form bald der Vergangenheit an

„He---ng-r -u--“: Von der Inschrift am Fuß des Sachsenhäuser Wahrzeichens ist nur noch ein kryptischer Rest übrig. Zwar sind die Bautrupps gestern noch nicht am Henninger Turm angerückt. Jahrelanger Verfall hat jedoch Spuren hinterlassen, die Buchstaben sind abgefallen. Morgen werden voraussichtlich die ersten Arbeiter in Schutzanzügen mit der Entsorgung kontaminierter Bauteile beginnen. Aber erst vom 18. Februar an wird man auch von außen sehen, dass das 1961 erbaute Getreidesilo fällt. Spezialgeräte werden sich dann von oben nach unten durcharbeiten. Nach einem halben Jahr wird von dem klobigen Turm, der einem 138 Meter hohen Wohnhochhaus mit ähnlichem Erscheinungsbild weicht, nichts mehr übrig sein.

Rainer Schulze Folgen:

Weil der Hessische Rundfunk morgen voreilig gemeldet hat, dass der Abriss schon beginne, finden sich mittags einige Schaulustige und mehrere Fernsehteams vor dem Henninger Turm ein. Vom „Symbol meiner Jugend“ schwärmt die 1950 geborene Gabriele Simmer, die aus dem Nordend nach Sachsenhausen geradelt ist, um von dem Riesen eine letzte Aufnahme fürs Fotoalbum zu machen. Als Kind saß sie mit ihren Eltern im Drehrestaurant an der Spitze, sie erinnert sich an Rüdesheimer Kaffee mit Weinbrand und beklagt, dass sich die „nobelteuren“ Wohnungen in dem Neubau „kein normaler Frankfurter“ werde leisten können. Ein anderer Baustellentourist aus Bornheim bedauert, dass der Turm verschwindet. Wenn schon, dann wünscht er sich einen Abgang mit Knalleffekt: „Schade, dass er nicht gesprengt wird.“

„Wir müssen den Markt fragen“

So viel Krach, Staub und auch Risiko habe man den Nachbarn nicht zumuten können, meint Rainer Marquart. Der Rechtsanwalt berät den Eigentümer, die der Hopp-Familie gehörende Actris AG. Sie wird den neuen Henninger Turm, in dem 120 Eigentumswohnungen entstehen, nach dem Abriss bis Ende 2015 oder Anfang 2016 errichten. Wie teuer und wie groß die Wohnungen würden, stehe noch nicht fest, sagt Marquart. „Wir müssen den Markt fragen.“ Ebenfalls noch offen ist, ob sich das geplante Restaurant in dem „Bierfass“ auf dem Dach wie beim legendären Vorgänger drehen wird. „Das hängt von den statischen Möglichkeiten ab.“

Insgesamt investiert Actris rund 300 Millionen Euro in Sachsenhausen. Am Fuß des neuen Turms wird ein Nahversorgungszentrum mit Supermarkt, Fitnessstudio, Gaststätte und Parkplätzen errichtet. In Richtung der benachbarten Binding-Brauerei entsteht ein Bürogebäude, für das es bereits einen Mieter gibt. Auf dem angrenzenden Gelände östlich des Hainer Wegs finanziert Actris den Bau einer Kita. Dort, auf dem sogenannten Henninger-Areal, will das Unternehmen auch bis zirka 2017 gemeinsam mit dem Projektentwickler Conceptaplan in einem Joint Venture rund 700 Miet- und Eigentumswohnungen bauen. Actris und Conceptaplan haben schon im Heidelberger Raum einige Projekte zusammen entwickelt.

Das Frankfurter Architekturbüro Jourdan & Müller, das im Dezember den Wettbewerb für das Henninger Areal gewonnen hat, wird das dort geplante Parkviertel nicht allein prägen. Auch die anderen drei Preisträger Baufrösche, Meixner Schlüter Wendt und Bilger & Fellmeth sollen Bauabschnitte gestalten. „Wir wollen eine gemischte Architektur, keinen Einheitsbrei“, sagt Marquart. Der Architekt Jochem Jourdan ist überzeugt, dass trotz der rund 1300 Meter entfernten Einflugschneise gute Wohnverhältnisse möglich sind. In welcher Preisklasse die Wohnungen liegen, ist noch nicht entschieden. Marquart spricht von einer „bunten Mischung von kleinen, mittleren und großen Wohnungen für alle Bedürfnisse“.

Günstiger Wohnraum gefordert

In einem städtebaulichen Vertrag hat sich Actris verpflichtet, die Infrastruktur für das Viertel bereitzustellen, von den Straßen, Kanälen und Versorgungsleitungen bis hin zu einer Kita und zum Ausbau eines Gebäudes zur Schule. Dass Stadtteilpolitiker fordern, mehr günstigen Wohnraum auf dem Areal in Sachsenhausen zu schaffen, hält Marquart für „überzogen“. „Wir sind der Stadt schon entgegengekommen und schultern eine erhebliche Last.“ Zumal der Wiederaufbau des Henninger Turms wirtschaftlich für das Unternehmen nicht besonderes interessant sei.

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Der zuständige Ortsbeirat hatte den Magistrat im September aufgefordert, mit Actris einen Anteil von 30 Prozent gefördertem Wohnraum auf dem Henninger- Areal zu vereinbaren. Wie der Sprecher des Planungsdezernats erläutert, habe der Magistrat den Bauherrn schon zuvor über die verschiedenen Förderprogramme unterrichtet, die Marquart zufolge auch geprüft werden. Dass anders als heute bei Großprojekten üblich nicht im Bebauungsplan eine bestimmte Quote für geförderten Wohnungsbau festgeschrieben wurde, begründet der Sprecher mit der lange zurückreichenden Planungsgeschichte. Als die Verhandlungen begannen, sei die Situation auf dem Wohnungsmarkt weniger angespannt gewesen.

Quelle: LHE

 

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