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Aus den Frankfurter Stadtteilen Warten auf einen Impuls für Griesheim

Das Zentrum von Griesheim im Frankfurter Westen wird dominiert von heruntergekommenen Gewerbearealen. Immer mehr muslimische Einrichtungen siedeln sich an. Anwohner fordern nun ein Konzept für ein großes frei werdendes Grundstück.

© Rosenkranz, Henner Vergrößern Perspektive: Die Mitte Griesheims ist von Gewerbe geprägt. Die Stadt prüft nun, ob das Areal nördlich der Bahntrasse besser genutzt werden könnte.

Wer mit der S-Bahn fährt und in Griesheim aussteigt, der steht in der Mitte des Stadtteils und wähnt sich doch an dessen Rand. Gewerbehallen, abgestellte Container, parkende Lastwagen und allerlei Materiallager bestimmen das Bild auf den Grundstücken, die sich nördlich des Bahnsteigs in Richtung Lärchenstraße erstrecken. Nicht pulsierendes Stadtteilleben, sondern die Trostlosigkeit eines heruntergekommenen Gewerbegebiets bestimmt das Zentrum von Griesheim.

Bernd Günther Folgen:  

Anwohnern und Stadtteilpolitikern ist die Situation zunehmend ein Ärgernis. Zumal die Geschäfte in dem Gewerbegebiet offenbar eher darben. Viele Großbetriebe haben den Standort aufgegeben oder sind insolvent. Dafür haben sich Schrottplätze ausgebreitet, Müll verarbeitendes Gewerbe, Hinterhofwerkstätten und vor allem Gebrauchtwagenhändler; von Letzteren sollen es allein 15 Betriebe sein. Der Bürgerverein Griesheim, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, für die Interessen und die Entwicklung des Stadtteils einzutreten, kritisiert die „minderwertige Nutzung“ des zentral gelegenen Areals.

Muslimische Einrichtung auf brachfallenden Grundstücken

Es gebe sogar Hinweise darauf, dass Grundstücke illegal gewerblich genutzt würden, wie die Vorsitzende des Bürgervereins, Marita Seifarth, jüngst bei einer Informationsveranstaltung ausführte. So sei etwa ein städtisches Grundstück untervermietet und von einem dort nicht zulässigen Werkstattbetrieb genutzt. Die Bauaufsicht sei eingeschaltet worden. Dass das Gebiet im Umbruch ist, ist vielen Griesheimern zuvor durch eine andere Entwicklung aufgefallen: Auf brachfallenden Grundstücken siedeln sich zunehmend muslimische Einrichtungen an.

Die Stadt sollte die weitere Entwicklung der Ortsmitte von Griesheim aktiver steuern, finden nicht nur die Bürger und Ortsvertreter des Stadtteils, sondern auch die Fraktionen des zuständigen Ortsbeirats 6 (westliche Stadtteile). Gerade jetzt sei der richtige Zeitpunkt dafür, bekräftigt auch Ursula Schmidt, eine engagierte Griesheimerin, die auch dem örtlichen Präventionsrat vorsitzt. Sie weist darauf hin, dass an der Ecke von Elektronstraße und Eichenstraße der gewünschte und notwendige städtebauliche Wandel gestartet werden könnte. Rund 10 000 Quadratmeter stünden dort derzeit zur Disposition.

Die Stadt hat künftig volle Planungshoheit

Das Grundstück sei von der Containerfirma Thomas Sperzel vorrangig als Abstellfläche verwendet worden. Das Unternehmen sei jedoch insolvent. Wie das Areal, dessen Eigentümer die Deutsche Bahn AG sei, künftig genutzt werde, sei derzeit offen, sagt Schmidt. Entscheidend ist ihrer Ansicht nach jedoch, dass die Deutsche Bahn das an die Bahntrasse reichende Grundstück nicht mehr benötige. Die Stadt habe künftig die volle Planungshoheit, sagt Schmidt. Ihrer Ansicht nach bietet sich jetzt eine „historische Chance“ für Griesheim. Die Fläche könnte von der Stadt erworben und etwa mit Wohnungen bebaut werden.

Dies könnte der entscheidende Impuls für die städtebauliche Entwicklung eines neuen Zentrums von Griesheim werden, meinen auch Vertreter des Bürgervereins. Ohnehin sollte das gesamte Areal zwischen Bahngleisen und Lärchenstraße planungsrechtlich neu gefasst werden. Derzeit grenzten dort Wohnflächen direkt an Gewerbegrundstücke; für andere Flächen wiederum sei überhaupt keine Nutzung ausgewiesen. Zudem lägen zahlreiche Grundstücke brach, seien verwahrlost und sollten besser bebaut werden. Neben Wohnungen könnten etwa auch weitere dringend benötigte Betreuungseinrichtungen für Kinder und Senioren errichtet werden, meint Schmidt.

Ein runder Tisch für Griesheim

Der zuständige Ortsbeirat sieht ebenfalls Handlungsbedarf. Die CDU-Fraktion favorisiert jedoch Pläne, das Gewerbeareal als solches fortzuentwickeln. Die SPD-Fraktion hingegen plädiert dafür, eine Wohnbebauung anzustreben. Die Grünen sehen Hindernisse für eine reine Wohnbebauung angesichts der Nähe zur Bahntrasse. In der jüngsten Ortsbeiratssitzung sprachen sich die Fraktionen nunmehr dafür aus, einen sogenannten Runden Tisch einzurichten. Es sollte diskutiert werden, wie das Industrie- und Gewerbegebiet besser genutzt werden könnte. Auch die Stadtverordneten im Römer teilen die Ansicht des Ortsbeirats und haben das Planungsamt aufgefordert, sich mit dem Areal zu befassen.

An einer Bestandsaufnahme und -analyse werde gearbeitet, heißt es dazu aus dem Planungsdezernat. Die Ergebnisse sollen bis zum Februar vorliegen, sagte ein Sprecher von Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen) kürzlich auf Anfrage. Gemeinsam mit den Griesheimer Bürgern könne dann das weitere Vorgehen diskutiert werden.

Ursula Schmidt treibt unterdessen eine andere Sorge um: Die städtischen Planer könnten zu spät kommen; denn für das strategisch wichtige Sperzel-Grundstück gebe es potentielle Interessenten - so soll etwa ein Bus-Unternehmer einen Abstellplatz für seine Fahrzeuge dort anlegen wollen.

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Quelle: F.A.Z.

 
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