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Aus dem Frankfurter Geschäftsleben : Still und stilvoll in der Nische

Schöngeist und Kaufmann: Frank Ziegler in seinem Einrichtungshaus. Bild: von Siebenthal, Jakob

Frank Ziegler schätzt das Individuelle, bei Menschen und bei Möbeln. In Frankfurt bedient er mit seinem Einrichtungshaus Leptien 3 seit mehr als 30 Jahren ein anspruchsvolles Publikum.

          Wohin setzen? Auf das Hamilton-Sofa von Minotti oder in die Kuschelzone Budapest von Baxter? Die Entscheidung fällt schwer. Zu groß ist die Auswahl bei Leptien 3. Am Ende wird es ein klassischer Esstisch (Tix von Zoom) am Rande des loftartigen Verkaufsraums, vor dessen Schaufenstern die Leute oft stehen bleiben und sich vorstellen, wie sie auch wohnen könnten. Vorausgesetzt, Budget und Fläche gäben so eine Ausstattung her.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Es muss ja nicht gleich ein schräges Objekt wie die „Horse Lamp“ sein. Der lebensgroße Pferdekorpus mit einem Lampenschirm über dem Kopf hatte, als er in dem Einrichtungshaus an der Großen Friedberger Straße in Frankfurt stand, für viel Heiterkeit gesorgt. „So etwas merken sich die Leute“, sagt Leptien-3-Inhaber Frank Ziegler. Viele aber, fügt er hinzu, blickten zwar neugierig in seine Schaufenster, hinein trauten sie sich nicht. Ziegler („Wir sind zwar nicht Ikea, aber wir haben eine richtige Bandbreite“) bedauert das. Vielleicht sollte sich der Geschäftsmann, den man samstags mitunter auf einem Designersofa sitzen und ein Stück Kuchen essen sieht, einfach öfter in seinem Laden zeigen. Das könnte helfen, Berührungsängste abzubauen.

          Ein ruhiger Schöngeist

          Ziegler ist ein angenehm freundlicher Mensch. Einer, der zu den eher stillen Vertretern unter den Frankfurter Einzelhändlern zählt. Zumindest hat es den Geschäftsmann in den mehr als 30 Jahren seines Wirkens in der Stadt nicht groß an die Öffentlichkeit gedrängt. Was nicht heißt, dass er nicht seine Meinung sagt, wenn er darum gebeten wird, etwa zum schlechten Zustand der Straße vor der Ladentür, die seit Jahren auf eine Schönheitsoperation wartet.

          Scharf oder beleidigend wird er dabei nicht. Der Zweiundsechzigjährige spricht mit sanfter Stimme und einem Gute-Laune-Ton, der ebenso ansteckt wie die Begeisterung für seine Arbeit und für interessante Menschen, für gute Typen, wie er sie nennt. Er selbst ist zweifelsfrei ein Schöngeist. Aus der Designer-Mehrzweckleuchte von Konstantin Grcic wird, wenn er von ihr spricht, „ein wunderschönes Lämpchen“. Das Foto von den winterlichen Schneehauben auf den Korbmöbeln im Innenhof, das er auf seinem iPhone herbeiwischt, kommentiert er mit „einfach sensationell, als hätten es Ameisen gebaut“.

          Nach dem Kunststudium „etwas Ordentliches“ gelernt - Medizin

          Aufgewachsen ist Ziegler in einem Dorf zwischen Gießen und Wetzlar. Nach dem Abitur studierte er zunächst Kunst, mehr mit dem Ziel der Selbstverwirklichung als mit einer Idee, wie er damit vorwärtskommen und Geld verdienen könnte. „Ich dachte, so ein Studium sei etwas, um die Persönlichkeit zu bilden.“ Dabei war er von Hause aus nicht besonders verwöhnt. Beide Eltern starben früh, der Sohn verbrachte längere Zeit im Internat. „Aber irgendwie bin ich immer rund gekommen.“

          Mit der Kunst erging es Ziegler nicht anders als mit dem Saxophon-Spielen: „Mir wurde irgendwann klar: Ich kann 24 Stunden am Tag üben, aber so wie Stan Getz lerne ich es nie.“ Also befolgte er den Rat eines väterlichen Freundes, er solle doch noch „etwas Ordentliches“ studieren, und begann ein Medizinstudium. Schon nach drei Semestern machte er das Physikum, verlor dann aber mehr und mehr die Lust. Die „merkwürdigen“ hierarchischen Strukturen im Krankenhaus, erzählt Ziegler, habe er so wenig gemocht wie „die schmuddeligen Flure“. Und so eröffnete er kurzerhand mit einer Freundin in Gießen einen kleinen Möbelladen, „ohne davon auch nur irgendeine Ahnung zu haben“. Das Geschäft, inzwischen wird es von Mitarbeitern geführt, gibt es noch heute.

          Zu Beginn nur 500 Kunden in der Kartei

          Nach Frankfurt wechselte Ziegler 1982. In der Stadt kannte er den Möbelhändler Willi Leptien. „Das war ein visionärer Pionier für modernes Design, leider aber auch ein lausiger Geschäftsmann.“ Ziegler nutzte mit seinem damaligen Geschäftspartner die Gelegenheit, Leptiens Möbelgeschäft an der Gutleutstraße zu übernehmen, und löste das Versprechen ein, den Namen zu behalten. Angehängt wurde die Zahl 3, eine Ziffer ohne Bedeutung, die lediglich den Neuanfang symbolisieren sollte.

          Überschaubar war das Geschäft damals. Statt 14.000 Kunden standen nur 500 in der Kartei. Die konnte man auch mal einladen zu Aktionen wie einer Dia-Show mit Jasper Morrison, einer Ausstellung ohne Möbel. „Eine tolle Sache“, sagt Ziegler. „ In der Zeit hatte ich noch Kontakte zu denen, bei denen es zischt und kracht.“ Inzwischen seien „so individuelle Geschichten“ nicht mehr möglich.

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