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Kommentar : Aufregung um die Sexualerziehung

Überzieher: Ein Mittel der Sexualerziehung in Schulen Bild: Picture-Alliance

Sexualität ist in der Schule kein abstraktes Thema. Wäre es wirklich vorstellbar, dass die Schule Jugendlichen den Eindruck vermittelt, sie würden als Schwule oder Lesben zwar toleriert, aber nicht akzeptiert?

          Dass in Hessen ein neuer Lehrplan für Sexualerziehung gilt, interessierte außerhalb der Schulen kaum jemanden. Was sich allerdings schnell änderte, als das ablehnende Votum des Landeselternbeirats bekanntwurde, das dieser mehrheitlich gefasst hatte.

          Die Aufregung ist nicht einfach zu erklären. Es kommt schließlich vor, dass Elternvertreter und Landesregierung unterschiedlicher Meinung sind. Zudem führt der Plan nur aus, was das hessische Schulgesetz fordert. Nämlich, dass die Schule dafür sorgt, dass Schüler sich „altersgemäß mit den biologischen, ethischen, religiösen, kulturellen und sozialen Tatsachen und Bezügen der Geschlechtlichkeit des Menschen vertraut machen“.

          Vermutlich ist das mediale Interesse an der Sexualerziehung eher darin begründet, dass in den Hinterköpfen die Diskussion aus Baden-Württemberg herumspukt. Dort tobte vor einigen Jahren ein Streit um einen Entwurf zur Reform des Bildungsplans. In dem noch ziemlich unausgegorenen Arbeitspapier war so häufig von „sexueller Vielfalt“ die Rede, dass man den Eindruck bekommen konnte, in der Schule sollte es von der ersten Klasse bis zum Abitur nur noch um Sex gehen.

          Geräuschlos in Kraft getreten

          Wie gesagt, es handelte sich um einen Entwurf, inzwischen ist der Bildungsplan, übrigens auch ziemlich geräuschlos, in Kraft getreten. Mit ihm ist der hessische Lehrplan für Sexualerziehung ohnehin nicht zu vergleichen. Er regelt nicht die Bildung allgemein, sondern nur, wie es sein Name sagt, einen speziellen Aspekt.

          Nun stört sich eine Mehrheit im Landeselternbeirat daran, dass eine „Akzeptanz“ homosexueller, bisexueller, trans- und intersexueller Menschen zu den Erziehungszielen des Plans gehört. „Toleranz“ wäre besser gewesen, meinen die Elternvertreter, und man kann sicher lange darüber streiten, wo die Grenze zwischen den Begriffen verläuft.

          In der Praxis sieht es aber doch anders aus. Sexualität ist in der Schule kein abstraktes Thema, sondern betrifft die Schüler in ihrer persönlichen Entwicklung. Wäre es wirklich vorstellbar, dass die Schule Jugendlichen, die sich gerade selbst in der sexuellen Findungsphase befinden, den Eindruck vermittelt, sie würden als Schwule oder Lesben zwar toleriert, aber nicht akzeptiert? Wohl kaum, denn das wäre auch ziemlich weit entfernt von dem, was inzwischen gesellschaftliche Realität ist.

          Die Schule soll nicht nur Bildung, sondern auch Werte vermitteln. Und das bedeutet, dass es verschiedene sexueller Orientierungen nicht nur gibt, sondern auch, dass sie anerkannt werden.

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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