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Aufnahme an Gymnasien : Zeugnis spielt keine Rolle

„Schulleiter haben anhand nachvollziehbarer Kriterien entschieden, welche Schüler sie aufnehmen“: Schulamtsdirektor Dieter Sauerhoff Bild: Wolfgang Eilmes

Weil ihre Kinder nicht an ein von ihnen gewünschtes Gymnasium können, sind viele Frankfurter Eltern aufgebracht. Über die Aufnahme an Gymnasien bestimmen derzeit die Schulleiter.

          Das von vielen Eltern kritisierte Vergabeverfahren für die Frankfurter Gymnasien ist nach Einschätzung des Staatlichen Schulamts einwandfrei abgelaufen. Die Schulleiter hätten anhand nachvollziehbarer und gerechtfertigter Kriterien entschieden, welche Schüler sie aufnehmen und welchen sie keinen Platz mehr anbieten könnten, sagt Gymnasialdezernent Dieter Sauerhoff. Die Kriterien seien von den einzelnen Schulen unterschiedlich gewichtet, dem Schulamt aber offengelegt worden. „Ich sehe keinen Grund, die Entscheidungen anzuzweifeln, und wir haben keine Bestrebungen, die Rechte der Schulleiter zu beschneiden.“

          Matthias Trautsch

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Weil es an den besonders gefragten Frankfurter Gymnasien zu wenig Plätze gibt, können zum nächsten Schuljahr rund 500 Kinder auf keine der drei Schulen gehen, die von ihren Eltern gewählt worden waren. Stattdessen müssen sie teils lange Wege zurücklegen, etwa zu dem geplanten Gymnasium im Westen der Stadt, oder auf eine Gesamtschule gehen. Eltern abgelehnter Schüler monieren unter anderem, dass es bei der Vergabe keine Rolle gespielt habe, ob ein Kind von der Grundschule eine Gymnasialempfehlung bekommen habe. Deshalb müssten jetzt Viertklässler mit guten Zeugnissen auf eine Gesamtschule gehen, während Schüler mit schlechten Noten ein Gymnasium besuchen dürften.

          Dazu sagt Sauerhoff, eine Vergabe nach Noten würde Recht und Gesetz widersprechen. Im Übrigen liege die Aufnahmehoheit beim jeweiligen Direktor. Das Staatliche Schulamt koordiniere lediglich die Abstimmungprozesse zwischen den Schulleitern. Ein Kriterium, das viele Frankfurter Gymnasien vorrangig angewendet hätten, war nach Sauerhoffs Worten, ob bereits ein Geschwisterkind die Schule besuche.

          Des Weiteren sei das Schulprofil beachtet worden: Wenn das Kind zum Beispiel eine bilinguale deutsch-französische Grundschule besucht habe, dann habe das die Chance erhöht, von einem Gymnasium mit Französisch als erster Fremdsprache aufgenommen zu werden. Ähnlich hätten es Schulen mit Schwerpunkten in Musik oder Naturwissenschaften gehandhabt, andere hätten die soziale Lage der Familie besonders berücksichtigt. Wenn es nicht mehr möglich gewesen sei, anhand der Kriterien klar zwischen den Bewerbern zu differenzieren, hätten manche Gymnasien die restlichen Plätze verlost. Auch dieses Vorgehen sei rechtmäßig, wie Verwaltungsgerichte bestätigt hätten.

           

          Wie viele Eltern hatte auch die Frankfurter Bildungsdezernentin Sarah Sorge (Die Grünen) gefordert, das Kriterium der Wohnortnähe bei der Platzvergabe zum bestimmenden Faktor zu machen. Das lehnt Sauerhoff aber ab. Gymnasien seien keine Stadtteilschulen, sondern wendeten sich an alle Schüler der Stadt. Nur nach Wohnort zu entscheiden widerspräche nach Sauerhoffs Ansicht auch der gewünschten Profilbildung der Gymnasien. Die Schulen bekämen schließlich zusätzliche Lehrerstunden, um unterschiedliche Schwerpunkte zu entwickeln und damit für ein stadtweit vielfältiges Angebot zu sorgen. Eine Aufnahme strikt nach Wohnsitz würde diese Bemühungen ad absurdum führen.

          Es sei auch nicht so, dass die Kinder, die von den Wunschschulen abgelehnt wurden, nun unzumutbare Wege zurücklegen müssten. Sauerhoff führt als Beispiel einen Schüler aus dem Nordend oder Westend an, der keinen Platz an einem der dortigen Gymnasien bekommen habe. Für die Fahrt mit U- und Straßenbahn etwa zur Heinrich-Kraft-Schule nach Fechenheim oder zum neuen Gymnasium nach Höchst brauche er etwa 40 Minuten und müsse nur einmal umsteigen.

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