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Auch ohne Quote Die Frauen rücken auf

Sei es bei der HSE, der Frankfurter Volksbank oder dem Aktieninstitut - Frauen haben 2012 an vielen Stellen in der Region die Führung übernommen, auch ohne Quote. Eine neue Studie zeigt allerdings: Alles in allem haben weiterhin die Männer das Sagen.

© Eilmes, Wolfgang Vergrößern Eine Frau in Führung: Eva Wunsch-Weber leitet seit Mai 2012 die Frankfurter Volksbank.

Eine Frau soll es richten. Nach dem vielen Hin und Her beim Darmstädter Energieversorger HSE soll Marie-Luise Wolff wieder Ruhe in den Konzern bringen und den Schwerpunkt auf das Kerngeschäft legen: das Erzeugen und Verkaufen von Strom in Zeiten der Energiewende. Zuletzt bei der Mainova, zuvor bei der Eon-Tochter „E wie einfach“ hat die Anglistin bewiesen, was sie kann. Nach einer Quotenbesetzung sieht ihre Berufung auf den Chefposten in Darmstadt wahrlich nicht aus.

Wolff ist das jüngste Beispiel für eine Entwicklung, die sich im ganzen nun ablaufenden Jahr bemerkbar gemacht hat. Während in Berlin und Brüssel viel über die Einführung von Frauenquoten für Aufsichtsräte oder gleich für ganze Unternehmen gesprochen wurde, meldeten mehrere Konzerne und Einrichtungen der Rhein-Main-Region den Aufstieg von Frauen in die Führungsriegen. Sei es aus vorauseilendem Gehorsam oder einfach, weil die Zeit gekommen ist, in der die erfolgreichen Studentinnen, von denen seit Jahren die Rede ist, an der Spitze ihrer Karriereleitern ankommen.

Im Vorstand der Deutschen Börse etwa ist seit dem 1.Dezember Hauke Stars für die Informationstechnologie und das Marktdatengeschäft zuständig. Die 45Jahre alte Managerin kommt von Hewlett-Packard und hat aus dem Stand zwei wichtige Ressorts in dem Dax-Konzern übernommen. Im Vorstand des Flughafenbetreibers Fraport übernimmt Anke Giesen zum Jahreswechsel das Geschäft mit dem Einzelhandel und den Immobilien. Die ING-Diba und die Landwirtschaftliche Rentenbank werden ebenfalls nicht mehr nur von Männern geführt.

Mehr Frauen in Aufsichtsräten

Bei der Frankfurter Volksbank hat nach steilem Aufstieg von der Leiterin des Vorstandssekretariats zur Personalchefin Eva Wunsch-Weber im Mai den Vorsitz des Vorstands übernommen. Und an der Spitze des Deutschen Aktien-Instituts wurde der in den Ruhestand gegangene Rüdiger von Rosen durch Christine Bortenlänger ersetzt, die jahrelang erfolgreich die Börse München geführt hatte.

Auch viele Aufsichtsräte sind 2012 weiblicher geworden. Die ehemalige Direktorin der Europäischen Zentralbank, Gertrude Tumpel-Gugerell, kontrolliert seit Mai die Commerzbank mit, die Vizepräsidentin der Schweizer Finanzmarktaufsicht, Monica Mächler, die Deutsche Börse. Im Aufsichtsrat der Deutschen Bank sitzen zwölf Herren inzwischen mit acht Frauen am Tisch.

Nur jede fünfte Führungsposition hat eine Frau inne

Überhaupt scheint die Kontrolle der Banker - vielleicht in Folge der vor allem hitzigen Männern angelasteten Finanzkrise - zu einer Kernkompetenz des weiblichen Geschlechts zu werden. Oberste Bankenaufseherin ist seit Anfang dieses Jahres Elke König, die auf den langjährigen Bafin-Chef Jochen Sanio gefolgt ist. Im Vorstand der Bundesbank ist Sabine Lautenschläger für die Aufsicht der Kreditinstitute zuständig. Und es scheint ausgemacht, dass eine einheitliche europäische Bankenaufsicht unter dem Dach der Europäischen Zentralbank - sollte sie denn einmal kommen - auch von einer Frau geführt wird. Sowohl König als auch Lautenschläger gelten als aussichtsreiche Kandidatinnen.

Doch trotz mancher neuen Dame an exponierter Stelle reicht die Realität in den Chefetagen noch längst nicht an das heran, was manchem Verfechter von Frauenquoten vorschwebt. Nur jede fünfte Führungsposition (21,9 Prozent) in Hessen ist mit einer Frau besetzt, wie die Hamburger Wirtschaftsauskunftei Bürgel ausgerechnet hat, das sind 1,9 Prozentpunkte mehr als im Jahr 2011. Hessen liegt nur knapp über dem Bundesdurchschnitt von 21,3 Prozent, obwohl hier stark vertretene Branchen wie die Pharmaindustrie (37,9 Prozent) und die Finanzdienstleister (25,3 Prozent) überdurchschnittlich viele Frauen in Führungspositionen beschäftigen.

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Zumindest die Dax-Konzerne haben konkrete Ziele für ihre eigenen Frauenquoten veröffentlicht: in der freiwilligen Übereinkunft, die sie 2011 mit Familienministerin Kristina Schröder (CDU) ausgehandelt haben. Darin bekennt sich zum Beispiel die Deutsche Börse dazu, den Frauenanteil im oberen und mittleren Management von seinerzeit 13 Prozent auf 20 Prozent bis 2015 zu erhöhen. Die übrigen Dax-Konzerne aus Rhein-Main haben ihre Ziele allesamt auf die weltweite Belegschaft bezogen. Die weltweiten Frauenquoten sind allerdings ohnehin schon höher als die deutschen.

Jürgen Fitschen, Ko-Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, hat indes ein recht eindeutiges Bekenntnis abgegeben: Er wolle nicht in den Ruhestand gehen, bevor nicht mindestens eine Frau im erweiterten Vorstand vertreten sei, sagte er vor seinem Amtsantritt im März. Der Vertrag des Dreiundsechzigjährigen läuft vorerst bis 2015.

Quelle: F.A.Z.

 
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