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Atomkraft : Der lange Weg zurück

Die Debatte um den Sinn und Unsinn der Atomkraft reißt nicht ab: das Atomkraftwerk Biblis. Bild: Röth, Frank

Das Kernkraftwerk in Biblis soll „direkt“ abgebaut werden. Was mindestens bis zum Jahr 2025 dauert.

          Die Kommune muss sich aber schon jetzt dringend Gedanken über ihre Zukunft machen.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Mitteilung fällt so knapp und präzise aus, als hätte sie jemand mit zusammengepressten Zähnen diktiert. Um 22.21 Uhr sei Block A vom Netz genommen worden, informiert der Betreiber, der Energiekonzern RWE, am Abend des 18. März 2011. Das Atommoratorium beginnt eine Woche nach der Katastrophe von Fukushima. Als dreimonatige Denkpause gedacht, bringt es für die Anlagen in Biblis und sechs weitere Kernkraftwerke in Deutschland das Aus.

          Auch wenn gerade in diesen Tagen wieder Zweifel wachsen, ob Strom aus regenerativen Quellen so schnell wie geplant die Produktion aus Kohle, Gas und eben Atom ersetzen könne, ob die Wende überhaupt bezahlbar sei, und ob man es sich tatsächlich wird leisten können, alle Kernkraftwerke bis 2022 abzuschalten - die beiden Meiler in Biblis werden nicht mehr ans Netz gehen.

          Von bis zu zwei Milliarden Euro Schadensersatz ist die Rede

          Nicht, weil das rein technisch betrachtet ausgeschlossen wäre. Gegen die Wiederbelebung spricht vor allem die starke negative Symbolkraft der Anlage in der fast ein halbes Jahrhundert währenden Auseinandersetzung um die Atomenergie. Die älteste Anlage Deutschlands, die „Pannenreaktoren“, in denen laut Kritikern angeblich nur mit Glück ein GAU verhindert wurde: Die beiden Blöcke am Rheinufer mit einer Gesamtleistung von 2500 Megawatt noch einmal anfahren zu lassen, das hätte sich nach der Katastrophe in Fukushima keine Bundes- oder Landesregierung mehr leisten können. Der Schrecken saß bei allen tief, vor allem bei der Kanzlerin. Die fatalen Folgen des Erdbebens vor der japanischen Küste hätten ihr gezeigt, das Restrisiko der Nukleartechnik sei eben doch nicht beherrschbar. Das sagte Angela Merkel als promovierte Physikerin. So entschlossen, wie sie Monate zuvor eine Verlängerung der Laufzeiten in Vertrauen auf das deutsche Knowhow durchgesetzt hatte, so kategorisch korrigierte sie sich, Widerspruch zwecklos. Noch nicht einmal als sogenannte Kaltreserve, ein Überdauern im Stand-by-Modus, um im Notfall Kapazitätsengpässe im Stromnetz schnell ausgleichen zu können, war für Biblis noch vorstellbar.

          Die Energiekonzerne haben die Begründung für den deutschen Atom-Ausstieg längst noch nicht akzeptiert. Die Schlussfolgerung, wenn in einem hochtechnisierten Land wie Japan das Undenkbare eintreten könne, müsse man es auch in Deutschland einkalkulieren, sei falsch. Die Sicherheitsstandards seien hierzulande ausreichend hoch. Man sei auch für den Fall eines Erdbebens in der rheinischen Tiefebene gewappnet, in der Biblis liegt. RWE hat daher ebenso wie Konkurrent Eon Verfassungsbeschwerde gegen die Neufassung des Atomgesetzes eingelegt, die unter anderem die Stilllegung in Biblis erzwang. Von bis zu zwei Milliarden Euro Schadensersatz ist die Rede, die RWE für das vorzeitige Aus für Biblis einmal fordern werde, sollte man in Karlsruhe recht bekommen.

          Fünfzehn Jahre kann es bis zur Entlassung aus dem Atomgesetz dauern

          Umso überraschender hat der Konzern im Mai angekündigt, die Anlagen „direkt“ abbauen zu wollen. Die mögliche Variante wäre der sogenannte sichere Einschluss gewesen. Auch dabei wären die Brennelemente, die derzeit schon in Becken abklingen, Ende 2014 (Block A) und 2016 (Block B) aus den Meilern geholt und in Castor-Behälter verladen worden. Während nun anschließend relativ zügig die Demontage der Anlagen und später der Gebäude beginnen soll, hätte man beim „Einschluss“ den Komplex 20 bis 30 Jahre ruhen lassen, die Radioaktivität in den Gebäudeteilen und den Bauteilen wäre allmählich zurückgegangen.

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