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Aschaffenburg Protest gegen Abzug der „Englischen Fräulein“

Seit 1748 unterrichten die Schwestern des von Mary Ward gegründeten Ordens die „weibliche Jugendt“. Nun soll diese Tradition enden. Mitarbeiter, Schülerinnen und Eltern der Maria-Ward-Schule protestieren dagegen.

© Wohlfahrt, Rainer Vergrößern Hängen am guten Geist des Hauses: Die Schülerinnen wollen die Ordensfrauen gerne in Aschaffenburg behalten.

Seit 1748 unterrichten die „Englischen Fräulein“, wie die Schwestern des von Mary Ward gegründeten Ordens auch genannt werden, in Aschaffenburg die „weibliche Jugendt“. Anfang Februar soll die lange Tradition nach 265 Jahren enden, weil die in München ansässige Provinzleitung der Congregatio Jesu, so nennt sich der Frauenorden seit 2004, die Schließung der Niederlassung beschlossen hat. Die Ankündigung hat unter den mehr als 1000 Schülerinnen, den Lehrern und Eltern der Maria-Ward-Schule für erhebliche Proteste gesorgt. Die Mitarbeitervertretung kritisiert, dass sie erst am 12. Dezember informiert und nicht ordnungsgemäß in die Entscheidung einbezogen worden sei. Sie hat deshalb einen Brief an die Provinzialoberin Angela Fries geschrieben, der von fast allen 100Lehrern unterschrieben wurde. Darin wird die unpersönliche Übermittlung des geplanten Abzugs beklagt und um eine würdige Verabschiedung von den Schwestern gebeten, die immerhin Generationen von jungen Frauen nicht nur Lesen, Schreiben und Rechnen, sondern auch christliche Werte vermittelt hatten.

Agnes Schönberger Folgen:    

Auf völliges Unverständnis stößt die Entscheidung bei den Schülerinnen. Im ganzen Schulhaus hängen Zettel, auf denen die Mädchen deutlich machen, dass sie Schwester Irmgard Schlembach behalten wollen, die seit 48 Jahren im Sekretariat der Schule tätig ist. Die Siebzigjährige gilt als die gute Seele des Hauses und wird nach Angaben von Schulleiter Burkard Bauer von den Schülerinnen als „Ersatz-Mutter“ angesehen. Sie tröstete und gab auch schon einmal einen „Mini-Kredit“, wenn eine Schülerin Geld fürs Pausenbrot benötigte.

Die Schwestern sind in der Regel nicht für den Schuldienst abgebildet

Mit den Maria-Ward-Schwestern verlässt nach den Kapuzinern innerhalb weniger Jahre die zweite traditionsreiche Einrichtung Aschaffenburg. Beide Orden haben mit Nachwuchsmangel zu kämpfen. In Deutschland gehören der Congregatio Jesu nach Angaben der Pressesprecherin Gabriele Riffert rund 400 Schwestern an. Der Konflikt in Aschaffenburg hat aber nicht nur mit dem fehlenden Nachwuchs zu tun, sondern auch mit dem Umstand, dass neu eintretende Schwestern in der Regel nicht für den Schuldienst ausgebildet sind. Um eine Schließung der Aschaffenburger Einrichtung zu vermeiden, hatte 2008 eine Stiftung die Trägerschaft der Maria-Ward-Schule übernommen.

Gegenwärtig leben noch drei Ordensfrauen in Aschaffenburg. Nach den Plänen der Provinzleitung soll Schwester Irmgard spätestens Anfang Februar nach Bamberg umziehen und dort in Teilzeit in der Sakristei und in der Pforte mitarbeiten. Schwester Renata Rohleder (72 Jahre), die von 1974 bis 2004 die Schule geleitet hatte, ist im Mai dieses Jahres wegen einer schweren Erkrankung von Bamberg nach Aschaffenburg zurückgekehrt, um sich hier ärztlich behandeln zu lassen. Dritte im Bunde ist Schwester Elfriede Frasch (69 Jahre), die sich um ihre kranke Mitschwester kümmern will. Der Orden hat zugestimmt, dass beide in Aschaffenburg bleiben und sich ein Heim für Betreutes Wohnen suchen können.

Ein Konvent mit nur zwei Schwestern

Die Provinzleitung argumentiert, dass ein Konvent mit nur zwei Schwestern nicht üblich sei. Sie rechnet Schwester Renata dem Haus in Bamberg zu, obwohl diese wieder in Aschaffenburg lebt. Auch Schwester Irmgard würde gerne in Aschaffenburg arbeiten, so dass nach wie vor drei Schwestern vor Ort wären. Die Siebzigjährige äußert sich nicht zu ihrer Abberufung.

Schwester Renata dagegen spricht vom mangelnden Gespür gegenüber einem Menschen, von dem man nach einem halben Jahrhundert in Aschaffenburg verlange, innerhalb von wenigen Wochen seine Koffer zu packen und die Stadt zu verlassen. Ihrer Ansicht nach schadet der Orden sich und der Kirche mit diesem Verhalten. Dass bislang nur von einem Abschieds-Gottesdienst Ende Januar die Rede war, an dem aus Platzmangel nur wenige Schülerinnen hätten teilnehmen können, findet sie deprimierend. Schließlich ende mit dem Abzug eine lange Tradition. Schulleiter Bauer sieht dies ähnlich. Der Gottesdienst sei nur ein „Gedankenspiel“ gewesen, sagt er und verlangt zum Abschied „etwas Großes“.

Umbau zu Studentenwohnungen

Die Ordensleitung behauptet, den Schwestern in Aschaffenburg sei bereits seit Herbst 2010 die Schließung der Niederlassung bekannt gewesen. Seit August dieses Jahres würden sie den „Terminplan“ kennen.

Die Zentrale in München beabsichtigt nach eigenen Angaben, die frei werdenden Wohnungen der Schwestern im vierten Stock des Schulkomplexes einer neuen Nutzung zuführen zu wollen. Die Rede ist vom Umbau zu Studentenwohnungen, die vermietet werden sollen. Schwester Renata kritisiert diese Pläne. Nach ihren Angaben war den Schwestern beim Wechsel der Trägerschaft freier Wohnraum zugesichert worden. Die Stiftung habe deshalb kein Recht, darüber nun anderweitig zu verfügen, meint sie und betont, „dass wir die Schule aufgebaut und mit unseren Gehältern, die an den Orden gingen, am Leben erhalten haben“.

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Quelle: F.A.Z.

 
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