Massive Vorwürfe gegen einen Orthopäden wegen angeblicher Hygiene-Mängel: In seinem ambulanten OP-Zentrum in Fulda sollen sich drei Patienten im April 2010 mit lebensbedrohlichen Streptokokken infiziert haben. Sie mussten zigfach nachoperiert werden, einer Frau wurde sogar ein Bein amputiert. Seit Donnerstag steht der wegen fahrlässiger Körperverletzung und Verstoßes gegen das Medizinprodukte-Gesetz angeklagte Mediziner erneut vor dem Landgericht Fulda. Er äußerte sich zunächst nicht in dem Prozess, der unter großem Interesse der Öffentlichkeit begann.
Der Arzt soll mit verschmutzten und verrosteten Geräten gearbeitet haben. Außerdem sei in der Belüftungsanlage seines OPs Schimmel gewesen, so die Anklage. Bei einer Verurteilung muss der Orthopäde mit einer Geldstrafe oder bis zu drei Jahren Haft rechnen.
Drei Wochen im Koma
Gerettet wurden die drei Patienten nur durch mehrere Notoperationen im Klinikum Fulda. Unter Tränen schilderte eine 62 Jahre alte Arzt am Donnerstag vor Gericht, sie habe nur überlebt, weil sie zuvor kerngesund gewesen sei. Sie lag drei Wochen im Koma, wurde siebenmal nachoperiert. Die aggressiven Bakterien hatten ihr rechtes Bein so stark zersetzt, dass es amputiert werden musste. Geblieben sind schwere Depressionen. „Alles, was ich gern gemacht habe, ist weg: Fahrradfahren, Wandern, Schwimmen.“
Das Verfahren hatte Ende 2011 begonnen, doch der Verteidiger hatte bemängelt, der Hygiene-Gutachter sei möglicherweise befangen. Das Gericht hatte die Verhandlung daraufhin vertagt und eine Molekularbiologin beauftragt.

