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Arzneimittel aus Höchst Sanofi-Chef kritisiert deutsche Gesundheitspolitik

Der Arzneimittelhersteller Sanofi erzielt mit dem in Höchst hergestellten Langzeitinsulin Lantus Umsatzrekorde. Auch in Deutschland steigen die Verkäufe, trotzdem büßt der Konzern hier Erlöse ein. Konzernchef Viehbacher gibt der deutschen Gesundheitspolitik die Schuld.

© AFP Christopher Viehbacher, Sanofi-Vorstandschef, und Entwicklungsvorstand Elias Zerhouni bei der Bilanzvorlage in Paris.

Schon bisher ist Lantus im Export die umsatzstärkste Arznei aus Deutschland überhaupt gewesen. Diese Position hat das im Industriepark Höchst entwickelte und dort auch hergestellte Langzeitinsulin im vergangenen Jahr weiter ausgebaut: Wie Christopher Viehbacher, Vorstandsvorsitzender des Herstellers Sanofi, gestern bei der Bilanzpressekonferenz in Paris berichtete, setzte der Konzern mit dem Medikament knapp ein Fünftel mehr um als im Vorjahr.

Thorsten Winter Folgen:

Das ist grundsätzlich eine gute Nachricht für den Standort Höchst, wo Sanofi etwa 7400 Mitarbeiter beschäftigt, der Konzern seine zentrale Diabetes-Einheit angesiedelt hat und etwa 3000 Stellen am Geschäft mit Diabetes-Arzneien hängen. Zudem konnte das Unternehmen, der größte Gewerbesteuerzahler in Frankfurt und Hessen, auch in Deutschland merklich mehr Lantus-Einheiten verkaufen. Allerdings büßte Sanofi alles in allem im Vergleich zu 2011 beinahe ein Fünftel der Inlandserlöse ein - eine Folge der Gesundheitspolitik.

Gutes Geld mit Innovationen verdienen

Viehbacher machte aus seinem Unwillen über diese Zustand kein Hehl. Eine der größten Frustrationen sei es, dass Sanofi mit dem Bundeswirtschaftsminister „großartige Diskussionen“ über Innovationen führen könne. Der Gesundheitsminister wolle aber davon nicht wirklich etwas wissen, sondern schaue vielmehr auf die Kosten im Gesundheitswesen. In Ländern mit höheren Löhnen wie Deutschland und Frankreich müsse ein Unternehmen wie Sanofi aber gutes Geld mit Innovationen verdienen und könne nicht nur günstige Mittel verkaufen. Alles andere wirke sich nachteilig auf Investitionen aus, warnte Viehbacher auf Nachfrage.

Ende Dezember stand bei der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH ein Umsatz von Summe von 888 Millionen Euro zu Buche. 118 Millionen Euro davon entfielen auf das Langzeitinsulin. Sanofi ist wie andere Pharmaunternehmen dazu gezwungen, den gesetzlichen Krankenkassen einen erhöhten Rabatt auf verschreibungspflichtige Medikamente zu gewähren. Hinzu kommen Vereinbarungen über einzelne Produkten mit den Kassen, die niedrigere Arzneimittelkosten anstreben. Die Erlöse mit Lantus summierten sich weltweit auf 4,9 Milliarden Euro. Obwohl das Mittel schon im 13.Jahr am Markt ist, scheint ein Ende des Wachstums nicht in Sicht: Im vierten Quartal 2012 legten die Verkäufe sogar stärker zu als im Durchschnitt des Gesamtjahres. Dabei stiegen auch die Verkäufe des Mittels in Kombination mit einem ebenfalls in Höchst produzierten sogenannten Pen, einem Gerät in Form eines Kugelschreibers, mit dem sich Zuckerkranke die genaue Dosis selbst spritzen können. Wenn Sanofi das Wachstumstempo bei Lantus halten kann, könnten die Erlöse bis Jahresende die Marke von sechs Milliarden Euro übersteigen.

Umsatzsprung wegen technischer Schwierigkeiten

Noch erheblich stärker legten die Umsätze mit dem ebenfalls in Höchster Laboren entwickelten und im Industriepark auch produzierten Kurzzeit-Insulin Apidra in den letzten drei Monaten 2012 zu. Wie Sanofi berichtete, betrug das Plus gut 83 Prozent. Binnen Jahresfrist erlöste der Konzern mit diesem Mittel knapp 17 Prozent mehr. Dabei kommt Apidra bei weitem nicht die Bedeutung zu wie Lantus, das der Verkaufsschlager von Sanofi schlechthin ist. Die Gesamterlöse mit dem Kurzzeit-Insulin betrugen 230 Millionen Euro. Der Umsatzsprung im vierten Quartal erklärt sich mit technischen Schwierigkeiten, die das Unternehmen „mehrere Quartale“ in Höchst gehabt hat und die schon 2011 begonnen hatten. Wie weiter zu erfahren war, sind diese Schwierigkeiten erst zur Jahresmitte behoben worden; Viehbacher hatte vor Jahresfrist auf Nachfrage prognostiziert, die Anlagen bis April 2012 wieder in den Regelbetrieb zu nehmen.

Ohne technisch bedingte längere Pausen konnte das Unternehmen im Westen Frankfurts dagegen ein weltweit vertriebenes Allergiemittel produzieren. Zwar büßte das Haus mit diesem Mittel als verschreibungspflichtiger Arznei gegenüber 2011 gut neun Prozent des Umsatzes ein, der 533 Millionen Euro betrug. Aber die Erlöse der Allergiearznei in den Vereinigten Staaten, wo sie anders als bisher in Japan nicht mehr patentgeschützt gewesen ist, stiegen zuletzt um fast 30 Prozent. Weltweit spielte diese Arznei etwa 750 Millionen Euro ein.

Die Produktionsanlage unter Volllast; die Mengen überstiegen sogar jene der Zeiten, zu denen das Mittel noch umfassenden Patentschutz genossen hat. Indem das Unternehmen an der Arznei festhält und sie in den freien Verkauf gibt, was nach Angaben des Konzerns fortan auch in Japan der Fall ist, sichert man Stellen in Höchst, wie es dort heißt.

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Quelle: F.A.Z.

 
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