Vier Worte sagte die Künstlerin, und sie machten Uwe Arnold glücklich: „Just what I expected.“ Denn Künstler können mitunter sehr anspruchsvoll sein, Arnold nennt es „perfektionistisch“ und „ein bisschen crazy“. Aber genau das ist es, was ihn an seinen kunstschaffenden Kunden imponiert. Arnold sagt zwar von sich, er sei einmal ein „junger, wilder Ingenieur“ gewesen. Das war es dann aber auch schon an Versuchen der Rebellion. Von nun an blieb er in der Rolle, die sein Vater für ihn vorgesehen hatte: Chef der Arnold AG, eines Metallverarbeitungsbetriebs in Friedrichsdorf mit 300 Mitarbeitern.
Arnold spricht nicht besonders gerne über sich, man muss ihn etwas überreden. Doch dann erfährt man eine Menge. Da gibt es zum Beispiel diese Geschichte mit dem Lehrer. Arnold war 16 Jahre alt, die mittlere Reife gerade in der Tasche, als der Vater ihn von der Schule nehmen und in eine Ausbildung zum Werkzeugmacher stecken wollte. Der Lehrer wollte den Jungen aber für das Abitur begeistern und setzte sich schließlich durch. Die Lehre machte Arnold dann später doch noch - aber so konnte er noch das Studium zum Wirtschaftsingenieur an der FH Friedberg dranhängen. Da kannte er schon alle Steinchen und Rädchen des Betriebs, den sein Großvater 1924 in einer Scheune in Frankfurt gegründet hatte. An einem heißen Tag im Juli 1987 gab es für Uwe Arnold morgens das Diplom, und mittags fing er im Unternehmen an. Als was? Arnold erinnert sich nicht mehr genau. Vermutlich als Geschäftsführungsassistent. Zuvor hatte er mit seiner Schwester ausgemacht: „Du wirst Ärztin, ich mache das Unternehmen.“ Nur eineinhalb Jahre später, der Sohn hatte hier und da gesagt, was er anders machen würde, sagte der Vater zu ihm: „Entweder, du legst Geld auf den Tisch oder hältst von nun an den Mund.“ Arnold entschied sich für das Geld. Den Kredit zahlte er 17 Jahre lang ab.
Der Sohn führt das Unternehmen anders als der Vater
Viel lieber als über sich spricht Arnold über die Kunst. Zu Anfang ein ehrliches Wort: „Ich habe keine Ahnung von Kunst, aber ich weiß, was mir gefällt und was nicht.“ Dalí gefällt ihm, und die Kunstwerke aus seiner eigenen Werkstatt mag er sowieso. Da könne er nicht neutral sein. Seit 14 Jahren arbeitet er mit dem Amerikaner Jeff Koons zusammen, einem der teuersten Künstler der aktuellen Kunstszene. Ein paarmal im Jahr fliegt Koons nach Frankfurt, Arnold holt ihn dann ab, und sie fahren gemeinsam nach Friedrichsdorf und dem zweiten Standort des Unternehmens in Thüringen. Hier wie dort werden die Skulpturen Koons gefertigt. Die beiden vertrauen einander. Von einer Skulptur, vom Künstler noch nicht abgenommen, weiß Arnold sicher: „Sie wird Jeff gefallen.“
Der Sohn führt das Unternehmen anders als der Vater. Noch heute wohnt Rolf Arnold auf dem Firmengelände, sein Sohn hingegen freut sich, dass die Heimfahrt am Abend eine Viertelstunde dauert, so dass er abschalten kann. Uwe Arnold ist ein entspannter Mann, der oft lacht. Manchmal aber, sagt er, sei einfach nicht sein Tag. Da stehe er nach zwei Stunden vom Schreibtisch auf und gehe lieber mit dem Hund spazieren oder Fahrrad fahren. „Sonst wäre ich unausstehlich.“
Nahezu ständig erreichbar
Arnold kümmert sich um seine Kunden, Künstler wie Computerhersteller. Bevor er eine E-Mail schreibt, greift er lieber zum Telefon. Sich persönlich kennenzulernen sei wichtig, sagt der Geschäftsführer. An einem der vergangenen Sonntage telefonierte er mit einer Kundin. Er stand dabei in seiner Küche, sie in ihrer. Da gab es gleich etwas, worüber man sprechen konnte. Aber manchmal sei das Handy einfach aus. Eine Woche im Februar ist Uwe Arnold stets offline, nur die Sekretärin hat eine Notfallnummer im Hotel. Aber was bringt die schon, wenn der Chef gerade zwischen den spitzen Bergen des Engadin wandert und Murmeltiere füttert? Er sagt: „Ich glaube, der Mensch ist für diese ständige Verfügbarkeit nicht gebaut.“
Bis auf diese kurze Ausnahme ist er aber ständig erreichbar. Damit müssen er und seine Frau und die drei Kinder leben. Dennoch sei es wichtig, eine Familie zu haben, die nicht um vier Uhr nachmittags mit den Fingern auf dem Tisch trommele und erwarte, dass der Vater zu Hause erscheine. Arnold ist 50 Jahre alt, sieht aber jünger aus. In dem Alter denkt man schon Mal an die Zeit nach der Unternehmensleitung nach. Der erste Wunsch: „Mehr Zeit mit der Familie zu verbringen.“ Und er hätte gerne mehr Zeit für Dalí. Und er freut sich darauf, endlich nicht mehr durch Ausstellungen hecheln zu müssen.