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Veröffentlicht: 30.04.2016, 08:05 Uhr

Crowdworking Geldverdienen per Smartphone

In der digitalen Arbeitswelt können Crowdworker im Internet oder mit dem Handy kleinere Aufträge verrichten. Etwa bei „Appjobber“. Manch ein Nutzer soll so in zwei Tagen 1000 Euro verdient haben.

von , Darmstadt
© dpa Geld auf Knopfdruck: Crowdworker können unterwegs Aufgaben erledigen und dafür kassieren.

So schnell lässt sich Geld verdienen: fünf Euro in zehn Minuten. Freitag Mittag, Gemeinde Schmitten am Feldberg. Die Aufgaben sind einfach. Auf einer Straße soll der Auftragnehmer mit Fotos dokumentieren, welche Geschwindigkeitsbegrenzungen dort gelten. Im gleichen Ort gilt es mit Fotos festzuhalten, ob die Durchfahrt auf zwei Straßenabschnitten möglicherweise beschränkt ist. Drei Aufgaben, mehrere mit dem Smartphone aufgenommene Bilder, das ergibt eben fünf Euro. Der Nutzer, der zuvor eine App auf dem Smartphone installieren musste, schickt die Fotos an den Anbieter des Auftrags, wo die Bilder kontrolliert und einige Tage später das Geld an den Nutzer angewiesen wird. So funktioniert Crowdworking.

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Die Idee ist noch relativ jung, und lange Zeit galt das Konzept als Nische, um Hilfskräfte temporär für kleine Aufgaben einzusetzen. Doch die Nische wird immer größer. In den vergangenen Jahren haben sich im Zuge der Digitalisierung zahlreiche Plattformen entwickelt, auf denen sogenannte Click-, Cloud- und Crowdworker Kleinstarbeiten für verschiedene Arbeitgeber verrichten können – mal unterwegs durch das Fotografieren von Supermarktregalen, um die korrekte Plazierung von Produkten zu dokumentieren, mal von zu Hause aus, um etwa Texte zu schreiben, Werbebroschüren zu gestalten und Produkte zu testen.

In zwei Tagen 1000 Euro verdient

„Finde defekte Leuchtreklamen“, „Finde Neueröffnungen in der Gastronomie“, „Mache Fotos von Kassensystemen in Bars und Restaurants“ – das sind drei Aufgaben, die Crowdworker aktuell bei „Appjobber“ erledigen sollen. Appjobber ist ein Produkt der „Wer denkt was GmbH“ in Darmstadt. Die Anwendung findet sich im App-Store und zeigt sowohl ortsungebundene Aufträge wie auch solche Anfragen an, die nur in einer speziellen Stadt oder Region durchgeführt werden sollen. „Meist nehmen unsere Aufträge nur wenige Minuten in Anspruch“, sagt Robert Lokaiczyk, der Geschäftsführer. 300.000 Menschen haben sich bei Appjobber registriert, und täglich werden es mehr.

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Kein Wunder, denn viele Menschen wittern den schnellen, einfachen Verdienst. „Es gibt eine große Zahl an Gelegenheitsjobbern und eine deutlich kleinere Menge von Powerjobbern“, erläutert Lokaiczyk. Diejenigen, die der Unternehmer Powerjobber nennt, leben meist in Ballungsräumen, wo es eine höhere Dichte an Aufträgen gibt. Lokaiczyk erinnert sich an einen Nutzer, der eigens an einem Wochenende von Frankfurt nach Bochum fuhr, dort an zwei Tagen strukturiert 400 Aufträge abarbeitete und dafür 1000 Euro kassierte. „Aber das ist nicht die Regel“, sagt Lokaiczyk, zumal die Wahrscheinlichkeit, dass gutdotierte Aufträge bei wachsender Zahl von Nutzern schnell vergeben und abgearbeitet sind, permanent steigt. Powerjobber sind oft jüngere Leute, Studenten in den Semesterferien oder Arbeitnehmer in der Zeit zwischen zwei Festanstellungen.

Andere Plattformen mit ähnlichen Konzepten

Demgegenüber steht die große Masse, für die der Begriff „Crowdworker“ geschaffen wurde. Denn diese „Crowd“ braucht das Unternehmen auf der breiten Fläche, wenn es zum Beispiel darum geht, bundesweit in Drogerien zu kontrollieren, ob ein Energiepulver im richtigen Regal einsortiert ist und die Produkte so plaziert sind, dass sie dem Kunden ins Auge fallen. Hier kommen Nutzer zum Zug, die sich in der Regel etwas dazuverdienen wollen. „Da gibt es Senioren genauso wie promovierte Manager.“ Eine Untersuchung des ZEW hat jüngst ergeben, dass die meisten Crowdworker zumindest Abitur besitzen.

Im Moment sind bei Appjobber 90000 Aufträge gelistet, die erledigt werden müssen, Tendenz steigend. „Die Dynamik ist wahnsinnig“, sagt Lokaiczyk. Das Thema verbreite sich rasend schnell über die Medien und über Mund-zu-Mund-Propaganda, „Werbung müssen wir keine schalten“. Zu den 250 Kunden des 25 Mitarbeiter zählenden Start-ups aus Südhessen zählen große Konzerne wie die Deutsche Bahn und Sony ebenso wie kleine und mittelständische Unternehmen. Sie ersparen sich enorme Transaktionskosten, die etwa anfielen, wenn ein Konsumgüterhersteller mit eigenen Mitteln kontrollieren wollte, ob seine Produkte im Supermarktregal an der vereinbarten und bezahlten Stelle stehen. Schließlich kostet es Zeit und Mühe, für jeden Auftrag einen Dienstleister suchen zu müssen. Noch teurer ist es, für Gelegenheitsaufgaben eigenes Personal einzustellen. Die Digitalisierung macht es möglich, simple Arbeiten wie das Übersetzen von Texten mit ein paar Klicks an ein riesiges Heer von Dienstleistern zu vergeben, die die Aufgabe ausführen – und zwar wo und wann sie wollen.

Neben Appjobber gibt es längst eine Handvoll Plattformen, auf denen Unternehmen Dienstleistungen outsourcen. Doch vor allem bei den Gewerkschaften löst dieser Trend bereits Unbehagen aus. Schließlich könnten sich normale Arbeitsverhältnisse zugunsten der neuen Jobs im Internet verschieben, bei denen es keine Regelung zum Mindestlohn, kein Streikrecht und keinen Kündigungsschutz gebe, kritisieren sie. Lokaiczyk hingegen glaubt nicht, dass Unternehmen durch die neue Form der Arbeit „auch nur einen einzigen Arbeitsplatz“ eingespart hätten. Crowdworking erlaube Menschen ebenso wie Clickworking schlichtweg einen Zusatzverdienst. Natürlich könne man sich über die Bezahlung streiten, „aber wir denken, dass unsere Löhne fair sind“, sagt der Unternehmer. Man habe auch nicht vor, die Nutzer mit zu niedrigen Honoraren zu verprellen, verspricht er. Die Leute, die sogenannte Crowd, „sind schließlich unser höchstes Gut“.

Clickworking, Streetspotr, Appjobber und Co.

Auf dem Markt für sogenannte Mikrojobs tummeln sich mittlerweile zahlreiche Anbieter. Der deutschlandweit größte unter ihnen ist die Plattform „Clickworking“. Hier texten die Nutzer zum Beispiel Beschreibungen von Reiseangeboten und Produktbeschreibungen für Online-Kataloge, erstellen Wettbewerbsrecherchen im Internet, ordnen Produkte in Webshops der korrekten Kategorie zu, erstellen Unternehmensprofile und schreiben Texte für Internetseiten von Unternehmen so um, dass sie in der Trefferliste von Suchmaschinen möglichst weit oben erscheinen (www.clickworker.de).

Vor allem um Texte für Websites, Pressemitteilungen und Blogs geht es bei „Content.de“ (www.content.de). Mit der App „Streetspotr“ wiederum werden Nutzer gebeten, Fotos in ihrer Nähe aufzunehmen, meist in Supermärkten. Die Plattform schaffte es zum Beispiel eigenen Angaben zufolge innerhalb von 48 Stunden, deutschlandweit 200 Supermärkte daraufhin zu überprüfen, ob die Produkte einer Biermarke so plaziert sind, dass sie in den Regalen in der für den Umsatz wichtigen Sicht- und Greifzone stehen. In einer Woche während der Fußball-WM kontrollierten die Mikrojobber in 600 Märkten, ob von einer anderen Biermarke noch ausreichend Ware vorhanden war, um schnell nachliefern zu können (www.streetspotr.com).

Über die Seite von Applause werden Anwendungen und Produkte von einer großen Masse von Nutzern getestet, zum Beispiel darauf, ob neue Apps bedienbar und leicht verständlich sind (www.applause.com). „Appjobber“ funktioniert ähnlich wie Streetspotr. Hier sind die Nutzer zum Beispiel aufgefordert, in Deutschland eröffnete oder jüngst geschlossene Kinos, Parkhäuser, Theater und Krankenhäuser fotografisch zu erfassen. Die Auftragnehmer gehen in spezielle Supermärkte und lichten Quarkspeisen ab, suchen nach defekter Leuchtreklame oder dokumentieren, ob ein Magazin im Zeitschriftenhandel prominent ausgelegt wurde (www.appjobber.de).

Bei „Crowdguru“ überprüfen Nutzer vorhandene Adressdaten, texten Produktbeschreibungen und Lexikonartikel und verschlagworten Fotos, Videos und Texte (www.crowdguru.de). Die Seite 99designs versteht sich als Online-Marktplatz für Grafikdesigner und bringt Designer und Kunden weltweit zusammen (www.99designs.de). Auf der Plattform „Jovoto“ schießlich werden Werber, Grafiker und Designer an Unternehmen vermittelt, die zum Beispiel ein Logo, einen Slogan und ein neues Design für ein Produkt suchen (www.jovoto.com).

Ziel erreicht

Von Markus Schug

2015 hat der Mainzer Stadtrat ein Parkkonzept für die Innenstadt beschlossen. Ziel war es, Parkhäuser besser auszulasten und den Park-Such-Verkehr zu verringern. Ein Plan, der bisher aufgeht. Mehr 1 1

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