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Apotheke muss schließen Kein Mittel gegen Kundenschwund

22.11.2011 ·  Die Apotheke Am Gautor, die auch wegen ihrer liebevollen Einrichtung stadtbekannt ist, wird zu Weihnachten schließen.

Von Markus Schug, Mainz
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Die Schiffsapotheke im Schaufenster, mit deren Hilfe dereinst lange Überfahrten für Passagiere und Besatzungsmitglieder erträglicher gestaltet worden sind, passt zum Besitzer des Hauses Gaustraße 6, der selbst ein Weitgereister ist und ein leidenschaftlicher Sammler. So wie zuvor schon sein wissbegieriger Vater Karl-Eugen Heilmann, der um 1900 in weltweit 56 Apotheken seinen Dienst verrichtete und dabei entsprechend viele fremde Rezepturen kennenlernte, hat auch der heute 78 Jahre alte Pharmazierat Peter Norbert Heilmann stets die Augen offengehalten, wenn er in der Welt unterwegs war; ganz besonders bei seinen Besuchen in China und Japan, wo er Vorträge über das deutsche Apothekerwesen hielt und die Kräfte des Ginkgo-Baumes schätzen lernte. Weil beide von ihren Reisen, aber auch von den regelmäßigen Streifzügen über Flohmärkte und durch Antiquitätenläden gerne etwas mitgebracht haben, ist die seit 70 Jahren von der Familie betriebene Apotheke Am Gautor im Laufe der Zeit zu einem lebendigen Museum geworden. Nun soll die Fundgrube allerdings bald geschlossen werden, weil die Geschäfte zunehmend schlechter laufen.

Noch bis zum Morgen des 24. Dezember will Apotheker Heilmann, der den Laden seit 1994 mit Tochter Vera und unterstützt von Ehefrau Ingeborg betreibt, durchhalten; noch bis Heiligabend seine Pillen und Pasten verkaufen. Danach wird es in Mainz zwar immer noch etwa 88Apotheken geben, aber keine davon dürfte auch nur annähernd so attraktiv ausgestattet sein wie die am Gautor: fast 2000 Jahre alte medizinische Operationsbestecke und sehenswerte Destillationsapparate schmücken die Schaufenster; an den Wänden hängen Naturselbstdrucke, mit denen Kunden früher verdeutlicht wurde, von welcher Pflanze gerade die Rede war; und in den Eichenholzregalen stehen die gläsernen Vorratsfläschchen sowie Mörser aus Porzellan und Bronze in langen Reihen.

Wie geschaffen für ein stilvolles Kaffeehaus

All das gehöre eigentlich in ein Museum, sagt Vera Heilmann, die zwar ihrem Beruf treu bleiben will, die Apotheke des Vaters aber nicht alleine weiterführen möchte. Als „der letzte Arzt“, ein Internist, aus dem Viertel weggezogen sei, habe sich der Umsatz auf einen Schlag nahezu halbiert, berichten die beiden Apotheker. Gerade jüngere Kunden kauften ihre Salben und Arzneimittel meist in der nahen Innenstadt. Viele Passanten mieden zudem die steile Gaustraße. Bis hinauf zum Gautor kämen jedenfalls nur noch wenige Kunden. Der Konkurrenzdruck, ob durch neue Mitbewerber oder aber durch Apotheken-Ketten sowie das Internet sei in den vergangenen Jahren immer stärker geworden. Schließlich habe sich der im eigenen Haus untergebrachte Familiebetrieb am Ende nur mehr durch Zuschüsse aus der Privatschatulle aufrecht erhalten lassen. Was als Geschäftsmodell auf Dauer nicht tauge. Das Sprichwort, dass etwas so teuer wie in der Apotheke sei, stimme schon lange nicht mehr, meint Vera Heilmann, die einen enormen Preisdruck und immer niedrigere Gewinnmargen beklagt. Weil dagegen auch der Pharmazierat, der gut 35 Jahre als Vizepräsident für die Landesapothekerkammer tätig war und ob seiner selbstgefertigten Warzensalben, Augentropfen und Infusionen noch immer einen hervorragenden Ruf genießt, kein probates Mittel gefunden hat, wird die Apotheke in gut vier Wochen schließen.

Über die Zukunft des 1953 errichteten und jetzt sanierungsbedürftigen Gebäudes sei noch nicht entschieden, erklären Vater und Tochter. Spätestens dann, wenn die Sonnenstrahlen durch die hohen Glasscheiben ins Innere dringen, scheinen die hellen Räume im Erdgeschoß wie geschaffen für ein stilvolles Kaffeehaus. Was den Vorteil hätte, dass Peter Heilmann zumindest einen Teil seiner Raritäten an Ort und Stelle belassen könnte. So oder so weiß der Sammler von Briefmarken, Büchern, Zeichnungen, Drucken und medizinischem Gerät was in den Monaten nach der Geschäftsaufgabe auf ihn zukommen wird: Er muss seine liebsten Stücke sichten und sortieren, was ihn in gewisser Weise noch einmal zu den schönsten Reisezielen und in die entlegensten Winkel der Welt bringen wird - ohne dass er dafür das Haus verlassen müsste.

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Jahrgang 1962, Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz.

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