http://www.faz.net/-gzg-75ue8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 19.01.2013, 09:00 Uhr

Anstalt in Gelnhausen erweitert Trotz Neubau weniger Plätze für Jugendarrest

In Gelnhausen eröffnete Justizminister Jörg-Uwe Hahn am Freitag den Erweiterungsbau der Jugendarrestanstalt. Zwölf Zimmer mit 24 Betten sind hier entstanden. Dennoch sinkt die Anzahl der Arrestplätze künftig, denn die Einrichtung in Friedberg wird geschlossen.

© dapd Nur zu Besuch: Hessens Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) bei der Eröffnung des Anbaus der Jugendarrestanstalt in Gelnhausen.

In Hessen stehen künftig weniger Arrestplätze für kriminelle Jugendliche bereit. In Gelnhausen eröffnete Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) gestern zwar einen 2,5 Millionen Euro teuren Erweiterungsbau, wodurch dort künftig 74 statt 50 Plätze zur Verfügung stehen. Da aber die zweite Jugendarrestanstalt in Friedberg mit ihren 60 Plätzen zum Monatsende geschlossen wird, sinkt insgesamt die Zahl der Arrestplätze. Bisher standen 110 zur Verfügung.

Eine Sanierung der in die Jahre gekommenen Anstalt in Friedberg hätte nach Angaben des Justizministeriums bis zu zehn Millionen Euro gekostet. Die dortigen Mitarbeiter wechseln nun in andere Justizvollzugsanstalten. In Gelnhausen werden 9,5 zusätzliche Stellen geschaffen. Die Zahl der Beschäftigten wächst damit auf 30. Anlass für die Neuordnung des Jugendarrests in Hessen gab nach den Worten Hahns im Jahr 2007 die Debatte nach dem Tod eines Mannes in München, der von zwei Jugendlichen angegriffen worden war. Damals hätten allein in Hessen 1000 jugendliche Straftäter auf der Warteliste gestanden, weil nicht genügend Arrestplätze vorhanden gewesen seien. Deshalb habe der damalige Justizminister Jürgen Banzer (CDU) die ehemalige Justizvollzugsanstalt in Friedberg wieder eröffnet. Mittlerweile sei die Warteliste abgearbeitet.

Keine Fernseher in den Zimmern

Ziel des Jugendarrestes sei es, jugendliche Straftäter aus der Spirale von Kriminalität und Gewalt herauszuholen. Zwar sei die Dauer von maximal vier Wochen kurz, doch müsse sie genutzt werden, um den jungen Menschen, die meist aus schwierigen Verhältnissen stammten, die Einhaltung von Grundregeln wie Ordnung, Sauberkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit beizubringen. Im Arrest sei der Tag strukturiert, mit täglich festen Zeiten für Beschäftigung, Freizeit, Essen und Ruhe. „Unsere Erfahrung zeigt, dass der Arrest bei Jugendlichen wirkt, wenn sich kriminelles Fehlverhalten noch nicht so verfestigt hat“, sagte Hahn.

Der Neubau in Gelnhausen hat zwölf Zimmer mit jeweils zwei Plätzen. Die Doppelzimmer sollen eine Isolation der Jugendlichen vermeiden. Bei der Belegung soll darauf geachtet werden, dass die Bewohner gut miteinander auskommen können. Jeder Wohnraum hat eine Nasszelle mit Toilette und Handwaschbecken. Fernsehgeräte gibt es nur in den Gemeinschaftsräumen, wo die jungen Menschen vor allem Nachrichtensendungen und Wissensmagazine anschauen sollen. „Die Arrestgäste sollen mal ein Buch lesen“, hob der Minister hervor. Erneuert wurde auch die so genannte Außenumwehrung der Gefängnisanlage, die in der Innenstadt von Gelnhausen liegt.

Mehr zum Thema

Der Jugendarrest wird verhängt, wenn ein Delinquent zwar nicht zu einer Jugendstrafe verurteilt wurde, das Gericht aber die Verhängung von Auflagen oder eine Bewährungsstrafe für nicht ausreichend halte. Der Jugendarrest dauert mindestens eine Woche, längstens vier Wochen. Außer dem Dauerarrest gibt es einen Kurzarrest, einen Freizeitarrest am Wochenende und einen sogenannten Warnschussarrest. Damit sollen kriminelle Jugendliche von weiteren Taten abgeschreckt werden.

Quelle: Luise Glaser-Lotz mit lhe.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Outlet Gelnhausen Altes Kaufhaus wird wiederbelebt

In Gelnhausen hofft man, dass die Kunden des neuen Outlet-Centers an der Kinzig auch in die Altstadt kommen. Eine Premiere, denn ein Outet in der Innenstadt gibt es in Hessen noch nicht. Mehr Von Jan Schiefenhövel, Gelnhausen

24.06.2016, 10:14 Uhr | Rhein-Main
Flughafen Frankfurt Hahn Chinesen landen im Hunsrück

Der Flughafen Frankfurt Hahn soll zu einem Drehkreuz für Passagiere aus China und für Luftfracht ausgebaut werden. So zumindest die Pläne der neuen Besitzer von der Shanghai Yigian Trading, die ihre Pläne am Montag vorstellten. Die Chinesen gehören nach eigenen Angaben zu den führenden Bauunternehmen ihres Landes. Mehr

06.06.2016, 18:14 Uhr | Wirtschaft
Für 1,4 Millionen Euro Hessen will Anteile am Airport Hahn verkaufen

Nach Rheinland-Pfalz will auch Minderheitsgesellschafter Hessen seinen Anteil am Provinzflughafen Hahn verkaufen. Und strebt einen Verkaufspreis von 1,43 Millionen Euro an. Mehr

15.06.2016, 15:58 Uhr | Rhein-Main
Video Bienenhotels: Wo wilde Bienen heimisch werden

Weil der Mensch den natürlichen Lebensraum von Wildbienen immer mehr zerstört, fehlt es den Tieren an geeigneten Brutstätten. Insektenhotels können da Abhilfe schaffen. Mehr Von Dirk Zimmer

22.06.2016, 17:21 Uhr | Rhein-Main
Geldautomatensprenger Er übte mit Kühlschränken

Er sprengte mindestens zwölf Geldautomaten in fünf Bundesländern. Iztok Hartmut O. wurde vom Architekten zum meistgesuchten Straftäter Deutschlands. Mehr Von Julian Dorn, Siegen

13.06.2016, 17:29 Uhr | Gesellschaft

Der Vorhang geht auf

Von Rainer Hein

Wohin die politische Reise der AfD geht, scheint auch auf regionaler Ebene noch nicht ausgemacht. Darmstadts AfD hat sich wohl auf die Flüchtlingspolitik eingeschossen - samt Panikmache. Mehr 4

Abonnieren Sie unsere Rhein-Main Newsletter

  • Newsletter auswählen

    Newsletter auswählen