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Kommentar : Ehre, aber nicht Ehrenbürgerin

Soll posthum Ehrenbürgerin Frankfurts werden: Anne Frank, einst am Main zu Hause, bevor die NS-Opfer wurde Bild: Anne-Frank-Fonds

Frankfurt muss Anne Frank als eine Frankfurterin annehmen und die Erinnerung an sie bewahren. Das ist lange nicht geschehen. Da gibt es aber bessere Ideen als die Verleihung der Ehrenbürgerwürde.

          Wer ist die berühmteste Frankfurterin? Nein, nicht Petra Roth. Auch nicht Goethes Mutter Aja. Vielmehr ist Anne Frank die weltweit bekannteste Frau aus Frankfurt. Oder vielmehr das bekannteste Mädchen. Denn als Mutter Frank 1934 mit ihren beiden Töchtern zu dem schon in Amsterdam weilenden Vater übersiedelte, war Anne gerade einmal vier Jahre alt.

          Nun hat der Frankfurter Kämmerer und CDU-Vorsitzende Uwe Becker vorgeschlagen, Anne Frank postum zur Frankfurter Ehrenbürgerin zu machen. Verdient hätte Anne Frank dies durchaus. Denn ihr im Amsterdamer Versteck geschriebenes Tagebuch ist ein Meisterwerk.

          Allerdings war es bisher in Frankfurt gute Sitte, nur lebende Personen zu Ehrenbürgern zu ernennen. Dabei hat es durchaus schlimme Missgriffe gegeben: Adolf Hitler und Hermann Göring wurde diese Ehre zuteil. Die Stadt ließ die beiden Verbrecher zwar 1947 aus der Liste streichen, was aber nichts daran änderte, dass sie einmal Ehrenbürger waren.

          Ein Ausschlusskriterium

          Ehrenbürger sollten nur unumstritten bedeutende Persönlichkeiten werden, wie dies in Frankfurt zum Beispiel Max Horkheimer, Friedrich Dessauer und Oswald von Nell-Breuning waren. Der Ehrentitel darf auch nicht inflationär vergeben werden, selbst wenn manche auf Ehre erpichte Menschen drängeln und bei den Stadtoberen antichambrieren.

          Anne Frank würde gewiss in die Reihe großer Frankfurter Namen passen. Allerdings ist sie tot. Das war bisher ein Ausschlusskriterium - und dabei sollte Frankfurt auch bleiben. Sonst wird es bald zu der Forderung kommen, dass auch Goethe, Schopenhauer und andere Große zu Ehrenbürgern ernannt werden.

          Uwe Becker verfolgt aber durchaus die richtige Intention. Frankfurt muss das Frankfurter Mädchen Anne Frank als eine Frankfurterin annehmen und die Erinnerung an sie bewahren. Das ist lange nicht geschehen. Erst die Ausstellung „Anne in Frankfurt“ 1991 im Historischen Museum hat den Frankfurtern die Augen dafür geöffnet, dass Anne Frank ein Kind dieser Stadt war.

          Mittlerweile gibt es die Bildungsstätte Anne Frank, wo man erkannt hat, dass Anne eine Identifikationsfigur auch für junge Leute mit Migrationshintergrund ist. Zudem hat das Jüdische Museum das Familie-Frank-Zentrum gegründet, in dem der Nachlass der Familie aufgearbeitet wird. So ehrt man Anne Frank am besten.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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