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Im Gespräch: Anna Calvi : „Laut zu singen macht wirklich Spaß“

  • -Aktualisiert am

Spielt am 26. März in Frankfurt: Anna Calvi Bild: dapd

Maria Callas, David Bowie und Edith Piaf waren ihre Vorbilder: Ein Gespräch mit der charismatischen Songschreiberin Anna Calvi, die ein Konzert in der Frankfurter Kulturkirche Sankt Peter gibt.

          „Ich wollte mich nicht wiederholen“, sagt Anna Calvi über ihr zweites Album „One Breath“, das im Oktober letzten Jahres erschienen ist. „Also versuchte ich, meine Stimme und die Gitarre anders als vorher einzusetzen, größere Extreme zwischen Schönheit und Aggressivität auszuloten.“

          Nun war schon das Debütalbum der Londoner Musikerin reich an Dynamik, ungewöhnlichen Klängen und emotionalen Achterbahnfahrten. Nach seiner Veröffentlichung im Januar 2011 fielen in der britischen und deutschen Presse oft Vergleiche mit PJ Harvey, was nicht nur mit dem gemeinsamen Produzenten Rob Ellis zu tun hat. Schon vorher rückte der legendäre Brian Eno, zeitweise Mentor Anna Calvis, ihre Intensität sogar in die Nähe von Patti Smith.

          Zweifellos spielte die 1980 geborene Tochter eines italienischen Vaters und einer Britin schon damals geschickt mit großen Gesten, suggestiven Arrangements und triumphalen Melodien. Von der Natur mit einer Alt-Stimme ausgestattet, bewegte sich ihr Gesang von jeher gezielt und kraftvoll in dunklen Registern, gelegentliche expressive Aufschwünge inklusive. Auf der E-Gitarre ließ Calvi zuweilen eine Vorliebe für Flamenco erkennen, vor allem aber den Willen, gängige Riffs oder Akkorde zu vermeiden und das archetypische Instrument „wie ein Orchester“ klingen zu lassen.

          Darin spiegelten sich Anna Calvis Vorlieben für Django Reinhardt, Jimi Hendrix, Maurice Ravel und Claude Debussy, womöglich auch ihr einstiger Geigenunterricht. Den unkonventionellen Sound prägte darüber hinaus die Musikerin Mally Harpaz mit Harmonium und elektronischen Basspedalen. Die individuelle Mischung aus künstlerischem Stilwillen und persönlicher Leidenschaft machten Calvis namenloses erstes Album und die folgenden Konzerte zu einem in Pop-Zusammenhängen äußerst seltenen Erlebnis.

          „Das folgende Jahr war ziemlich turbulent“, erzählt Anna Calvi von der Zeit auf Tournee, während der auch Stücke für den nächsten Tonträger entstanden. „Die Musik offenbart mein Bewusstsein in dieser Phase direkter und mit größerem emotionalem Spektrum als früher.“ So habe sie beispielsweise nicht mehr den Zwang gefühlt, sich als Sängerin beweisen zu müssen. „Laut zu singen macht wirklich Spaß, und das bringt dich dazu, es ständig tun zu wollen“, beschreibt Calvi ihre Entwicklung, „aber zu reifen bedeutet, nur noch dann laut zu singen, wenn es der Song wirklich verlangt.“ An ihren ehemaligen Gesangsvorbildern David Bowie, Maria Callas und Edith Piaf schätzt Calvi, dass bei ihnen jede Note eine Bedeutung habe. Schließlich lasse sich ein großer Teil der Aussage eines Liedes, sagt sie, letztlich durch die Performance vermitteln, ganz unabhängig von den Wörtern.

          Während der stetig wachsende Erfolg für viel Freude sorgte, durchlebte Calvi gleichzeitig auch eine Zeit der Trauer wegen des Todes eines ihr nahen Menschen. Ohne ins Detail zu gehen, erklärt sie, dass manche Songs als Reaktion darauf entstanden sind. „Schreiben war eine Möglichkeit, davon wegzukommen, allein schon durch die Konzentration auf etwas anderes“, erinnert sich Calvi.

          Sie wolle auf keinen Fall zu viel Privates in die Öffentlichkeit bringen, aber andererseits auch nicht so tun, als sei sie permanent unverletzlich und in guter Stimmung. „Es wäre eine Lüge gewesen zu behaupten, dass ich eine großartige Zeit hatte, während ich die neuen Stücke schrieb.“ Ein anderes Problem habe sie durch das tragische Ereignis indes nicht gehabt, nämlich vor der Frage zu stehen, mit welchen Themen sie das zweite Album füllen würde.

          In mancher Hinsicht prägt die spezielle Balance zwischen Stilisierung und Ehrlichkeit auch Anna Calvis Konzerte. Passend zur bisweilen pathetischen Musik inszeniert sie sich gerne als ernst und eher unnahbar, begrenzt die Kommunikation zwischen den Stücken auf ein Minimum. Andererseits passiert es immer wieder, dass enthusiastische Reaktionen des Publikums unvermittelt ein Lächeln auf ihr Gesicht zaubern.

          „Auf der Bühne kann ich leichter eine starke, furchtlose Frau sein, weil Musik ein sicherer Platz ist, wo ich tun und sein kann, was ich will“, findet Anna Calvi, „offensichtlich ist das im normalen Leben viel schwieriger.“ Mittlerweile zeigt sie aber auch im Alltag mehr Selbstvertrauen als Schüchternheit. Ihre Bühnenpräsenz ist beeindruckender denn je, schon wenn sie allein mit Gitarre am Mikrofon steht. Neben Langzeitpartnerin Mally Harpaz wird Calvi aktuell von zwei neuen Musikern begleitet, nämlich Schlagzeuger Alex Thomas und Keyboarder Glenn Callaghan.

          Das Konzert mit Anna Calvi findet am 26. März um 20 Uhr in der Kulturkirche Sankt Peter, Bleichstraße 33 in Frankfurt statt.

          Quelle: F.A.Z.

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