Home
http://www.faz.net/-gzg-76bwx
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Angst vor Fusion Betriebsrat mahnt Krankenhaus-Mitarbeiter zur Ruhe

Die Ankündigung einer möglichen Fusion mit dem Höchster Krankenhaus sorgt unter den 1500 Mitarbeitern der Main-Taunus-Kliniken für Besorgnis. Der Vorsitzende des Betriebsrats rät dazu, sich zunächst die Fakten anzuhören.

© Sick, Cornelia Vergrößern Unruhig: die Mitarbeiter des Klinikum Höchst und der Main-Taunus-Kliniken befürchten eine Fusion.

Die Ankündigung einer möglichen Fusion mit dem Höchster Krankenhaus (F.A.Z. vom 1. Februar) sorgt unter den 1500 Mitarbeitern der Main-Taunus-Kliniken für Besorgnis. Sein Telefon klingele derzeit besonders oft, berichtete der Betriebsratsvorsitzende Roland Kaiser. Er werde meist gefragt, ob Arbeitsplätze bedroht seien. Er rate den Beschäftigten aber, Ruhe zu bewahren und sich in der heutigen außerordentlichen Betriebsratssitzung die Fakten anzuhören. Erst am Dienstagabend tagte das für die Kliniken in Bad Soden und Hofheim entscheidende Gremium, der Aufsichtsrat. Parallel dazu kam auch der Aufsichtsrat des Klinikums Höchst zusammen.

Heike Lattka Folgen:     Ingrid Karb Folgen:  

Die mehr als 2000 Mitarbeiter in Höchst sollen heute Vormittag von 9.30 Uhr an informiert werden, bevor der Öffentlichkeit Einzelheiten in einer gemeinsamen Pressekonferenz der Kliniken bekanntgegeben werden. Weder das Frankfurter Gesundheitsdezernat unter Stadträtin Rosemarie Heilig (Die Grünen) noch die Geschäftsführung des Krankenhauses wollten vorher über Ergebnisse der Aufsichtsratssitzung Auskunft geben.

Klinikchef hatte öffentlich über mehr Kooperation gesprochen

Die von dem derzeit erkrankten Geschäftsführer der Main-Taunus-Kliniken, Helmuth Hahn-Klimroth, öffentlich geäußerten Ideen zur möglichen Ausgestaltung einer vertieften Kooperation und der Zusammenlegung von Abteilungen ließ Kaiser unkommentiert. Hahn-Klimroth hatte gesagt, dass die Geriatrie künftig nur noch in Hofheim und die Urologie nur noch in Höchst angeboten werden solle. Schon bislang kooperieren die beiden kommunalen Häuser auf mehreren Gebieten. Außer in der Urologie geschieht dies nach Angaben des Klinikums Höchst in der Gefäßmedizin, der Neurologie, der Neuroradiologie, dem Traumazentrum, der Senologie und der Nuklearmedizin.

Mögliche Synergien sieht Hahn-Klimroth offenbar noch in der Verpflegung beider Krankenhäuser durch das eigene Catering-Zentrum in Kelkheim. Im Gegenzug könnte die hauseigene Apotheke in Höchst beide Kliniken versorgen. Aus dem Gesundheitsdezernat war schon vergangene Woche zu hören gewesen, dass eine Zusammenlegung von Versorgungsabteilungen wie Küche und Wäscherei denkbar sei.

Enormer Kostendruck für beide Kliniken

Im Landratsamt des Main-Taunus-Kreises stießen die Äußerungen des Verwaltungsdirektors auf Unmut. Sie seien Hahn-Klimroths persönliche Einschätzung, aber keine Darstellung des aktuellen Diskussionsstands, sagte Landrat Michael Cyriax (CDU). Es werde vorbehaltlos alles geprüft, stellte er klar und fügte hinzu: „In welchen Abteilungen was möglich ist, ist völlig offen.“

Gleichwohl steht der enorme Kosten- und Wettbewerbsdruck, unter dem beide Krankenhäuser stehen, außer Zweifel. Nach Informationen dieser Zeitung wird der Landesrechnungshof bald eine Studie veröffentlichen, nach der es an Hessens Krankenhäusern eine Überkapazität von 500 bis 900 Betten gibt. Dass in Frankfurt überlegt wird, den Neubau zu verkleinern, würde diesem Untersuchungsergebnis Rechnung tragen.

Mehr zum Thema

Während der Betriebsrat in Höchst bislang die Haltung „Kooperation ja, Fusion nein“ vertreten hat, wehrt sich Kaiser nicht generell gegen einen Zusammenschluss als wirtschaftlich praktikable Lösung. Ein Zusammenschluss dürfe nur auf Augenhöhe unter zwei gleichen Partnern ausgehandelt werden, auch wenn Höchst das größere Krankenhaus sei, forderte er. Zunächst müsse aber eine kartellrechtliche Prüfung zu einem positiven Ergebnis kommen. Denn mit Argusaugen beobachteten andere Kliniken im Rhein-Main-Gebiet diesen Prozess.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Keine Kündigungen Kliniken Höchst und Main-Taunus bilden Verbund

Die Stadt Frankfurt und der Main-Taunus-Kreis schließen ihre Kliniken in Höchst, Hofheim und Bad Soden zusammen. Die Kooperation soll die defizitären Häuser neu aufstellen. Mehr Von Mechthild Harting

27.03.2015, 09:00 Uhr | Rhein-Main
Ebola-Patient tot Klinik in Leipzig verteidigt Sicherheitsstandards

Der in Leipzig behandelte Ebola-Patient aus Afrika ist tot. Der 56 Jahre alte UN-Mitarbeiter sei trotz intensiv-medizinischer Maßnahmen der Infektion erlegen, teilte das Klinikum St. Georg mit. Der Sudanese war seit Donnerstag in dem Leipziger Krankenhaus behandelt worden. Mehr

14.10.2014, 17:41 Uhr | Gesellschaft
Deutsche Naturkundemuseen Am gleichen Knochen ziehen?

Wächst da was zusammen? Die großen deutschen Naturkundemuseen vor allem in Berlin und Frankfurt denken laut über Joint ventures nach. Wie es heißt, will man ökopolitisch mehr Gewicht auf die Waage bringen. Mehr Von Christian Schwägerl

27.03.2015, 09:20 Uhr | Wissen
Dallas Klinikmitarbeiterin infiziert sich in Texas mit Ebola

Die Frau hatte in dem Krankenhaus in Dallas einen erkrankten Liberianer betreut. Laut Klinik wurden alle Vorsichtsmaßnahmen eingehalten. Mehr

13.10.2014, 08:23 Uhr | Gesellschaft
Uniklinik Frankfurt Mit Kunstherzen auf das Klein-Matterhorn

Dank Kunstherz auf die Alpen: Bekommen hat es die Patientin an der Uniklinik Frankfurt. Dort gründete die Klinik nun ein Herzinsuffizienzzentrum, das besonders auf schwerkranke Patienten vorbereitet ist. Mehr Von Ingrid Karb

23.03.2015, 19:22 Uhr | Rhein-Main
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.02.2013, 13:00 Uhr

Jedenfalls nicht wie bisher

Von Rainer Schulze

In Sachen Schulbau muss sich die Stadt Frankfurt beeilen. Die altbekannte Ämterstruktur ist ineffizient, daher ist die Suche nach anderen Varianten für den Neubau sinnvoll. Mehr