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Angela Dorn über Werbung : „Sexistisch ist nicht sexy“

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Angela Dorn prangert in sozialen Netzwerken Werbung an, die sie für frauenfeindlich hält. Bild: Michael Kretzer

Die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Angela Dorn, fordert zum Protest auf gegen Werbung, die Frauen erniedrigt, und erklärt, warum sie sich über FDP-Chef Lindner ärgert.

          Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) will „sexistische“, frauenverachtende Reklame gesetzlich verbieten. Hat er recht?

          Grundsätzlich bin ich skeptisch, ob ein Verbot das richtige Mittel ist, insbesondere, weil es juristisch schwierig sein wird, im Einzelfall zwischen Sexismus und bloßer Nacktheit zu unterscheiden. Ich ärgere mich aber sehr darüber, dass der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner es als „spießig“ bezeichnet, Sexismus in der Werbung anzuprangern.

          Menschenverachtende Reklame ist bereits jetzt verboten. Bedarf es da noch strengerer Vorschriften?

          Trotz des Verbots menschenverachtender Werbung gibt es ja sexistische Werbung. Offenbar reichen bisherige Lösungen also nicht aus. Ich will das nicht einfach hinnehmen. Ich schlage vor, sich über solche Auswüchse beim Deutschen Werberat oder direkt beim Werbenden zu beschweren. Anbieter von Plakatflächen und Medien sollten darüber nachdenken, welche Werbung sie akzeptieren. Wie hält es eigentlich die F.A.Z.? Ich finde, wenn über Sexismus in der Werbung diskutiert und er dann nicht mehr widerspruchslos hingenommen wird, ist schon eine Menge gewonnen.

          Sie prangern auf Twitter zwei Werbefotos für Wodka und Mode an: Eine halbnackte Frau, am Boden liegend, über der breitbeinig ein Mann steht, und eine leichtbekleidete Frau, von einem sich über sie beugenden Mann mit freiem Oberkörper zu Boden gedrückt, umringt von weiteren auf sie blickenden Männern. Diese Frauen werden zweifellos zu Sexobjekten degradiert, aber muss man das verbieten?

          Hier werden falsche, gefährliche Rollenbilder transportiert, und ich finde, wir sollten im Jahr 2016 um einiges weiter sein. Ich glaube auch nicht, dass sich Männer gern so dargestellt sehen, dass einer eine Frau festhält und andere zusehen. Ich habe das auf Twitter gepostet, um zu zeigen, dass hier Sexismus in Form von Erniedrigung und Gewalt zu sehen ist.

          Aber Sie sagen selbst: Sexy oder sexistisch - das lässt sich juristisch nicht eindeutig trennen.

          Natürlich gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen sexy und sexistisch. Dass das Festhalten und Auf-den-Boden-Drücken einer Frau ein Akt der Erniedrigung ist, darüber sind sich hoffentlich 99 Prozent der Betrachter einig. Allerdings ist es schwierig, das in juristische Kategorien zu fassen.

          Was ist mit Reklame, in der Frauen als gutgebaut, aber technisch ungeschickt, naiv und eindimensional interessiert dargestellt werden - Typ Blondinenwitz? Wie steht es mit sexistischen Zeitschriftencovern, mit Fernsehserien, in denen Frauen auf die Rolle des vollbusigen Dummchens reduziert werden?

          Das ist eine andere Qualität, aber auch das transportiert falsche und letztlich erniedrigende Rollenbilder. Sexistische Werbung kann komplett ohne nackte Haut auskommen. Ich will das nicht alles boykottieren und schon gar nicht verbieten. Ich möchte aber, dass man darüber diskutiert und bei Grenzüberschreitungen Widerworte findet. Nötige Kritik an Diskriminierung darf nicht als „spießig“ diffamiert werden. Es ist eben nicht okay, wie der frühere FDP-Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle einer Journalistin ungefragt zu sagen, dass sie ein Dirndl gut ausfüllen könne - das ist klar sexistisch. Das will ich nicht dulden, dagegen kämpfe ich an.

          Sie haben FDP-Chef Lindner auf Twitter eingeladen, sich mit Ihnen fotografieren zu lassen: Sie über ihm in Macho-Pose, er liegend und fast nackt. Das wäre dann okay, weil die Geschlechterrollen umgedreht wären?

          Nein. Das wäre immer noch ein sexistisches Bild. Darum geht es doch gerade: Wenn Herr Lindner Kritik an solchen Darstellungen für „spießig“ hält, dann soll er sich doch bitte mal in die Rolle der am Boden liegenden Frau begeben.

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