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Amerikanische Streitkräfte Wenn Washington spart, leidet auch Wiesbaden

05.02.2012 ·  Die Folgen der Truppenreduzierung bei den Amerikanern sind noch unklar. Dessen ungeachtet steht der Hauptquartiers-Umzug nach Wiesbaden möglicherweise schon für den Sommer an.

Von Peter Badenhop
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Leon Panettas Auftritte vor der Presse in Washington werden dieser Tage auch in Wiesbaden mit großer Spannung verfolgt. Denn das, was der amerikanische Verteidigungsminister verkündet, hat möglicherweise erhebliche Auswirkungen auf die hessische Landeshauptstadt und ihre derzeit knapp 17.000 Menschen zählende amerikanische Militärgemeinde. Der Standort soll in den nächsten Jahren weiter wachsen und schon bald das Europa-Hauptquartier der Army beherbergen, das derzeit noch seinen Sitz in Heidelberg hat. Aber die von Präsident Barack Obama angekündigten Einsparungen bei den Militärausgaben könnten auch Wiesbaden treffen - zumindest indirekt.

Dass die amerikanische Truppenpräsenz in Europa von derzeit vier auf zwei Kampfbrigaden verringert wird, steht inzwischen fest. Panetta hat die für den Abzug vorgesehenen Einheiten noch nicht konkret benannt, nach Informationen der Rhein-Main-Zeitung handelt es sich aber um die 170. Infanterie-Brigade im rheinland-pfälzischen Baumholder und die 172. Infanterie-Brigade im bayerischen Grafenwöhr, die derzeit beide in Afghanistan eingesetzt sind. Bleiben würden das 2. Stryker-Kavallerieregiment im nahe Grafenwöhr gelegenen Vilseck und die 173. Luftlandebrigade, die im italienischen Vincenza stationiert ist. Jeder dieser vier Kampfverbände zählt ungefähr 4000 Mann - außerdem stehen in Deutschland weitere 25.000 Soldaten in Einheiten mit Unterstützungsaufgaben, sprich Logistik, Kommunikation, Aufklärung, Training und Führung.

Kräftiger Zuzug

Ferner erwägt das amerikanische Verteidigungsministerium offenbar, das gerade erst in Wiesbaden reaktivierte V. Korps außer Dienst zu stellen - und das hätte tatsächlich Auswirkungen auf die Pläne in der Landeshauptstadt. Denn außer den rund 700 Soldaten des Korps, das als eine Art mobiles Hauptquartier für den Einsatz in Kriegs- und Krisengebieten konzipiert ist, sind in den vergangenen Monaten auch mehr als 1000 ihrer Familienangehörigen nach Wiesbaden gezogen. Sollte die Truppe in absehbarer Zeit zurück in die Vereinigten Staaten beordert werden, stünde in den amerikanischen Siedlungen schon bald eine ganze Reihe nagelneuer Wohnungen leer.

Denn für die Soldaten und Angehörigen des V. Korps und zahlreicher weiterer Einheiten, die von Heidelberg und anderen Standorten in die hessische Landeshauptstadt kommen sollten, läuft auf den Militärliegenschaften in Wiesbaden seit einigen Jahren ein bombastisches Bau- und Renovierungsprogramm, das sich das Pentagon rund eine halbe Milliarde Dollar kosten lässt: Im Herzen der Garnison steht auf dem Army-Flugplatz in Erbenheim inzwischen das neue, dreistöckige Kommandozentrum, und am Rand des Stützpunktes wird im Frühjahr eine neue Siedlung mit Ein- und Zweifamilienhäusern eröffnet. Außerdem sind allein in der Siedlung am Hainerberg ein neues Army-Hotel mit 164 Zimmern, ein Entertainment-Center und Betreuungsstätten für Schulkinder entstanden. Eine neue Highschool ist in Bau, zudem werden auf dem gesamten Gelände und in den Siedlungen Aukamm und Crest View die alten Wohnblocks renoviert. Geplant ist noch der Bau eines Community Centers, eines neuen Kindergartens und eines mehr als 11 000 Quadratmeter großen Einkaufszentrums.

Rathauschef zurückhaltend

Abgesehen vom möglichen Abzug des V. Korps ist damit zu rechnen, dass nach einer Verlegung oder Außerdienststellung der Infanterie-Brigaden in Baumholder und Grafenwöhr auch im Army-Hauptquartier Strukturen verändert und Stellen abgebaut werden. Sollte am Ende das Stryker-Regiment in Vilseck als einziger Kampfverband in Deutschland bleiben, würde sich das unweigerlich auch auf den Führungsebenen widerspiegeln - also in Wiesbaden. Und sollten wegen der von Washington verkündeten Einsparungen am Ende weniger Soldaten und Familienangehörige in die hessische Landeshauptstadt kommen und die Militärgemeinde nicht wie bisher geplant auf knapp 20.000 Angehörige anwachsen, hätte das deutliche Auswirkungen auf die Garnison - und auf die Stadt, die sich viel von der Kaufkraft der amerikanischen Gäste erhofft.

Derzeit kann und will sich niemand zu den möglichen Auswirkungen äußern. Weder in Erbenheim noch beim derzeit noch in Heidelberg beheimateten Europa-Hauptquartier der Army gibt es dazu offizielle Stellungnahmen. Auch der Wiesbadener Oberbürgermeister Helmut Müller und der Chef der Hessischen Staatskanzlei, Axel Wintermeyer (beide CDU), haben nach eigenen Worten bisher keine Kenntnis von möglichen Plänen und wollen nicht spekulieren.

Ein Stern weniger als früher

Wie ernst es den Verantwortlichen in Washington mit ihren Sparbemühungen ist, lässt sich allerdings schon an der Personalpolitik der vergangenen Monate erkennen: Der Oberkommandierende der Army in Europa, Generalleutnant Mark Hertling, hat sein Amt vor gut einem Jahr im Gegensatz zu seinen Vorgängern nur noch mit drei Sternen auf der Schulter angetreten. Und viele weitere Posten, wie etwa das Kommando über das Truppenübungsgelände in Grafenwöhr, sind nicht mehr mit einem General, sondern mit einem Oberst besetzt worden. Durch dieses "downgrading" soll mittelfristig die Hierarchie verschlankt und Personal eingespart werden. Ob deshalb in Wiesbaden doch weniger Offiziersunterkünfte gebraucht werden, als derzeit im Bau sind, lässt sich schwer abschätzen.

Fertiggestellt werden die Häuser und zahlreichen anderen Gebäude, die derzeit noch im Bau sind, aber auf jeden Fall. Und aus Heidelberg ist zu hören, dass Hertling den Umzug seines Hauptquartiers nach Wiesbaden sogar beschleunigen will. Statt im Frühjahr 2013, wie bisher offiziell geplant, könnte der Oberkommandierende sein Büro in Erbenheim möglicherweise schon in diesem Sommer beziehen. Ein Kommandeur sollte seinen Soldaten schließlich immer vorangehen, heißt es bei der Army. Und außerdem würde ein früher Umzug in die hessische Landeshauptstadt Fakten schaffen, die auch Washington nicht ignorieren könnte.

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Jahrgang 1964, Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

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