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Post-Konkurrent : Amazon bedrängt Paket-Dienstleister

Selbst ist der Mann: Packstationen von Amazon in Frankfurt Bild: Marcus Kaufhold

Amazon liefert in der Rhein-Main-Region seine Sendungen nun auch selbst aus. Kann der amerikanische Versandhändler der deutschen Post damit gefährlich werden?

          Für die Bewohner des Rhein-Main-Gebiets ist es ein neues Bild: Wurden Bestellungen beim weltweit agierenden Versandhändler Amazon bislang meist von DHL, Hermes und DPD ausgeliefert, erledigen dies nun zunehmend Boten, auf deren Lieferwagen das Logo von Amazon klebt. Das Internetkaufhaus liefert in der Region inzwischen selbst Pakete aus und macht damit den eigenen langjährigen Partnern Konkurrenz. Dabei geht es derzeit vor allem um die schnelle Lieferung von Waren, wie sie „Amazon Prime“-Kunden angeboten wird. Die Bestellung soll demnach in der Regel am nächsten Werktag bereits zugestellt werden. Inzwischen bietet der Konzern aus dem amerikanischen Seattle, dessen Deutschland-Zentrale in München liegt, in Rhein-Main sogar den Service „Same-Day-Delivery“ an, also eine Auslieferung noch am Tag der Bestellung. „Die Kunden nehmen diesen Service zunehmend in Anspruch“, heißt es von Amazon.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ein neues Verteilzentrum, das vor wenigen Wochen in Raunheim eröffnet wurde, macht es möglich, dass Amazon jetzt rund um Frankfurt selbst zustellt. Das Liefergebiet des Unternehmens erstreckt sich derzeit von Bad Homburg bis Erzhausen und von Eltville bis Seligenstadt. Päckchen, die von Premiumkunden bei dem Internetkaufhaus geordert wurden, werden meist in Bad Hersfeld gepackt und nach Raunheim geliefert, von wo aus sie dann unter Amazon-Flagge am gleichen oder am folgenden Werktag zugestellt werden. Das Verteilzentrum ist eines von acht dieser Art in Deutschland, auf 13.000 Quadratmetern Fläche sind 200 Mitarbeiter beschäftigt. Die Auslieferung der Pakete erfolgt aber nicht durch Angestellte des Konzerns selbst. Amazon beauftragt dafür kleinere Betriebe, für das Rhein-Main-Gebiet sind das dem Konzern zufolge Kurierdienste wie zum Beispiel die Frankfurter Liefer-Factory, die Kelsterbacher R&B Logistik, Supreme Star aus Weilburg und Geibel Transport aus Hattersheim.

          In den etablierten Konzernen beurteilt man den Angriff der Amerikaner auf ihr Geschäftsmodell noch betont gelassen. „Konkurrenz belebt das Geschäft“, sagt ein Sprecher der Post-Tochter DHL. Das Bonner Logistikunternehmen setzt auf die über Jahre hinweg aufgebaute Infrastruktur, auf das gut geschulte Personal und auf eingespielte Prozesse. „So etwas aufzubauen ist nicht so einfach“, heißt es. DHL veröffentlicht zwar keine Zahlen, aber laut Informationen des „Handelsblatts“ soll der Anteil von Amazon am Paketaufkommen bei DHL etwa 17 Prozent betragen. Man müsse natürlich beobachten, was Amazon vorhabe, heißt es von der Post.

          Bis zu 50.000 Lieferungen täglich

          Die Gewerkschaft Verdi beobachtet den Schritt von Amazon mit Sorge. Verdi-Logistikexpertin Sigrun Rauch sagt, nach aktuellem Kenntnisstand sei keines der von Amazon beauftragten Subunternehmen Mitglied in einem Arbeitgeberverband der Speditions- und Logistikbranche, die sich verpflichten, den Angestellten den branchenüblichen Tarif zu zahlen. Allerdings sei es mit Blick auf die Wachstumsraten auf dem deutschen Paket-Markt nicht überraschend, dass Amazon sich hier positionieren wolle, so Rauch. Ein Amazon-Sprecher sagt, man suche sich nur Dienstleister aus, die einen hohen Anteil festangestellter Fahrer hätten und mindestens zehn Euro pro Stunde bezahlten.

          Derzeit werden vom Verteilzentrum Raunheim aus Schätzungen zufolge täglich zwischen 40.000 und 50.000 Lieferungen versandt. Dabei setzt der Konzern zunehmend auf eigene Packstationen und macht auch auf diesem Feld der Post Konkurrenz. Noch ist die Zahl der „Amazon Locker“ genannten, meist an Tankstellen, auf Supermarktparkplätzen oder bei Einzelhändlern aufgestellten Fächer in der Region gering, konkrete Zahlen hat Amazon dazu nicht. Deutschlandweit hat der Konzern derzeit 350 solcher Stationen errichtet. Die Post verfügt eigenen Angaben zufolge über knapp die zehnfache Menge.

          Im Gegensatz zu den Fahrern etwa von DHL kommen die Lieferanten von Amazon meist in den Abendstunden zu den Kunden, weil sich nur so die kurzfristige Auslieferung realisieren lässt. Beim amerikanischen Konzern legt man jedoch Wert auf die Feststellung, dass man mit dem neuen Engagement die etablierten Konzerne nicht angreifen wolle, so ein Sprecher. Vielmehr seien dort die Kapazitäten nicht vorhanden, vor allem für die Zustellung am gleichen oder am Folgetag.

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