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Umsatzsprung und neue Fabrik : Uhren-Architekt mit großen Plänen

Handarbeit: Uhrmacher in der Manufaktur Shorokhoff in Alzenau mit einem Werk Bild: Wohlfahrt, Rainer

Alexander Shorokhoff betreibt in Alzenau eine Uhren-Manufaktur. Mit seinen Produkten hat er eine Nische gefunden. Die will er ausbauen. Und er plant eine neue Fabrik.

          Alexander Shorokhoff lehnt sich zurück und sagt lächelnd: „Sie können mich ruhig als Träumer bezeichnen.“ Denn der Uhrenunternehmer aus Alzenau weiß: Was er ankündigt, klingt zunächst einmal dick aufgetragen. Der gebürtige Moskauer, der am bayerischen Untermain heimisch geworden ist, plant nicht nur eine neue Fabrik in seiner Wahlheimat. Er will außerdem in den nächsten drei Jahren den Umsatz verfünffachen. Das ist selbst in einem seit Jahren sehr gut laufenden Wirtschaftszweig wie der Luxusuhren-Branche ein ehrgeiziges Ziel. Zumal mittelständische Hersteller von Zeitmessern unter dem Druck der großen Weltmarken stehen, die viel Geld für Marketing haben und zunehmend auf eigene Boutiquen setzen, wie er berichtet. Und die Manufaktur von Shorokhoff zählt zu diesen Mittelständlern.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Allerdings hat sie sich in dem Markt, auf dem sich nach Recherchen des Eigentümers 900 Marken tummeln, mittlerweile eine Nische erarbeitet. Die will der 54 Jahre alte Shorokhoff sichern und schrittweise ausbauen. Dabei setzt er vor allem auf seine „Avantgarde“-Linie, für die er eine eigene Bildsprache entwickelt hat. Sein Markenzeichen ist die „60“ auf dem Zifferblatt dort, wo andere Uhren eine „12“ haben. Die „60“ steht für die volle Minute und die volle Stunde. Zudem hat er in diesem Jahr erstmals keinen Stand auf der Weltleitmesse für Uhren, der Baselworld, aufgebaut. „Dort hatten wir nur 25 Quadratmeter, darauf können wir nicht inszenieren.“ Shorokhoff hat seine Uhren dennoch nahe Basel gezeigt: in einem 700 Quadratmeter großen, lichten Pavillon in Weil am Rhein. Dorthin lud er seine internationalen Vertriebspartner ein und zeigte ihnen neue Kreationen. Ergebnis: „Wir haben 20 Prozent mehr Aufträge erhalten als vor einem Jahr.“

          Eigenes Uhrwerk fertig konstruiert

          Mehr als 200 Vorbestellungen hat er nach seinen Worten allein für ein neues Modell in den Büchern, einen im Handel 7000 Euro teuren Chronographen, der dem Schriftsteller Fjodor Dostojewski gewidmet ist. Das Zifferblatt ist mit einem Ring mit Roulettezahlen in Schwarz und Rot geschmückt - eine Anspielung auf Dostojewskis Roman „Der Spieler“ und den Hang des Autors zum Glücksspiel.

          Die Zahl der Vorbestellungen dürfte für einen Umsatzschub für die Manufaktur bedeuten, die zuletzt 1100 Uhren im Jahr verkaufte; eine „Alexander Shorokhoff“ gibt es von 900 Euro an aufwärts. Aufsehen verspricht auch das erste eigene Werk der Manufaktur zu erregen. Shorokhoff hat auf der Grundlage eines russischen Handaufzugwerks ein aus 50 Teilen bestehendes Kalendermodul entworfen. Auf dem Zifferblatt wird der Kalender erscheinen, wo sonst die „6“ zu finden ist. Die Einzelteile lässt Shorokhoff, wie in der Branche verbreitet, von spezialisierten Betrieben in Deutschland, Japan und der Schweiz fertigen, seine Mitarbeiter setzen die Teile zu einer Uhr zusammen. Dabei veredeln sie, wie bei anderen Modellen auch, das Werk, indem sie Teile vergolden und ihnen einen Wolken- oder Sonnenschliff geben. Vor zwei Jahren hat der Inhaber angekündigt, 2014 das Werk auf den Markt bringen zu wollen. Und wenn nichts schiefgeht, hält er Wort: Dieses Jahr soll die Produktion beginnen.

          Einstieg in Online-Direktvertrieb

          Neue Wege geht er auch im Vertrieb. Eine limitierte Zahl von „Vintage“-Uhren verkauft Shorokhoff über eine eigens eingerichtete Internetseite. Der Direktvertrieb verspricht höhere Margen als der Verkauf über den Handel. Deshalb setzt auch der Frankfurter Uhrenhersteller Sinn weitgehend auf Direktvertrieb. Und höhere Margen sind eine gute Basis für Investitionsvorhaben für einen Neubau.

          Noch sitzt die 15 Mitarbeiter zählende Manufaktur in einem barock anmutenden hellen Haus mit Schmuckelementen aus rotem Sandstein in Alzenau. Wer die Adresse nicht kennt, läuft daran vorbei, nur das Klingelschild auf der Rückseite des Hauses weist auf die Manufaktur hin. Wann genau er den Neubau in Angriff nehmen kann, lässt Shorokhoff offen. Wie die Fabrik aussehen soll, weiß der Unternehmer aber schon genau. Schließlich hat er Architektur studiert. Ihm geht es nach Worten um das Wie, nicht um das Ob: „Wer kein Ziel hat, findet auch keinen Weg.“

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