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Alzenau Blickfang ist das „Kleinschmidt-Haus“

 ·  „Winnis Puppenhäuser“ sind im Alzenauer Rathaus ausgestellt. Ein Spielhaus hat die Kindertagesstätte „Kunterbunt“ bekommen.

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Zu jedem Mädchen gehört ein Puppenhaus, dachte sich Winfried Gärtner und begann mit den Bauarbeiten, als seine Enkelin Lara 2001 geboren wurde. Mittlerweile hat der 65 Jahre alte Häuslebauer sein 50. Objekt fertiggestellt und Hunderte Kinder und auch Erwachsene mit seinen Puppenwelten fasziniert. Auch auf Facebook haben „Winnis Puppenhäuser“ eine internationale Fangemeinde. Die Alzenauer können die Kunstwerke, die bis zu 70 Kilogramm wiegen, bis 26. Januar in der Ausstellung „Die Welt im Kleinen“ im Rathaus betrachten.

Blickfang der Alzenauer Ausstellung ist das „Kleinschmidt-Haus“, Baujahr 2011 und 120 Kilogramm schwer. Mit diesem Puppenhaus hat der 65 Jahre alte Hainburger der urhessischen Familie Kleinschmidt, die vom Hanauer Kabarettisten Rainer Bange erfunden wurde, ein Domizil geschaffen. Ein Foto Banges, der auch zum „Richtfest“ erschienen war, schmückt die Wand in der guten Stube von Käthe und Karl, die mit einem offenen Kamin aus Marmor ausgestattet ist. Im Zimmer nebenan streckt sich Otto mit der obligatorischen Zigarre im Mund gemütlich im Sessel aus, im Erdgeschoss ist Roberts Friseurladen untergebracht.

Handgefertige Schieferplättchen und handgeschnitzte Türgriffe

Das Dach der Kleinschmidtschen Villa ist mit rund 1600 handgefertigten Schieferplättchen, die jeweils mit zwei Nägelchen befestigt sind, gedeckt. Allein diese Dachdeckerarbeiten haben sechs Wochen gedauert. Handgeschnitzte Türgriffe, Blumenkästen vor den Fenstern, Parkettfußböden, selbstgebaute Miniaturmöbel: Gärtner zeigt bei seiner Arbeit viel Liebe zum Detail. Sogar die winzigen Aktenordner in Roberts Büro sind selbst gebastelt, die Zapfanlage und das Spülbecken im Anglerheim hat er aus Edelstahl gefertigt. Das „Kleinschmidt-Haus“ ist ein Gemeinschaftswerk des Ehepaares Gärtner mit der Puppendesignerin Elvira Petry.

„Ich baue die Häuser, und meine Frau macht sie wohnlich“, beschreibt Winfried Gärtner die Arbeitsteilung. Im „Südstaatenhaus“ bei dem er sich vom Klassiker „Vom Winde verweht“ hat inspirieren lassen, bauschen sich Spitzenvorhänge in den Fenstern. Bau und Ausstattung des „Südstaatenhauses“ haben rund 500 Arbeitsstunden gekostet.

Puppenhäuser für Kinderkliniken

Mit seinen Puppenhäusern ist es Gärtner gelungen, die große Leere zu füllen, die er 1997 nach seinem unfreiwilligen Ausstieg aus dem Berufsleben empfunden hatte. Fast zwanzig Jahre lang war er am Frankfurter Flughafen beschäftigt gewesen, als ihn mehrere Herzinfarkte zwangen, sich mit 50 Jahren zur Ruhe zu setzen. Damals sei er in ein Loch gefallen und fast verzweifelt. Enkelin Lara und die Puppenhäuser haben ihm wieder Lebensmut und eine neue Aufgabe gegeben. Die Freude an den Puppenhäusern teilt Gärtner seit einigen Jahren mit vielen Kindern. Die Gärtners fertigen nicht nur filigrane, kostbare Puppenhäuser zum Anschauen, sondern auch robuste Spielhäuser, die sie an Kinderkliniken und Kindertagesstätten verschenken.

Das 13. Spielhaus steht seit kurzem in der Alzenauer integrativen Kindertagesstätte „Kunterbunt“. „Winnis Puppenhäuser“ sind nicht für Geld zu haben. Sie sollen in einem Museum präsentiert werden. Das Haus der Gärtners in der Hainburger Paradiesgasse ist mittlerweile für die umfangreiche Sammlung zu klein geworden. Das Ehepaar hat einen Förderverein „Winnis Puppenhaus-Museum“ gegründet und sucht nun weitere Sponsoren und Vereinsmitglieder.

Die Ausstellung „Die Welt im Kleinen“ läuft bis 26. Januar montags bis freitags von 8 bis 17, samstags von 10-13 Uhr im Rathaus, Hanauer Straße 1.

Quelle: F.A.Z.
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