Home
http://www.faz.net/-gzg-75hum
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Alzenau Blickfang ist das „Kleinschmidt-Haus“

„Winnis Puppenhäuser“ sind im Alzenauer Rathaus ausgestellt. Ein Spielhaus hat die Kindertagesstätte „Kunterbunt“ bekommen.

© Wohlfahrt, Rainer Vergrößern Bei den Kleinschmidts: Gemütlichkeit in Winfried Gärtners aufwendigstem Puppenhaus

Zu jedem Mädchen gehört ein Puppenhaus, dachte sich Winfried Gärtner und begann mit den Bauarbeiten, als seine Enkelin Lara 2001 geboren wurde. Mittlerweile hat der 65 Jahre alte Häuslebauer sein 50. Objekt fertiggestellt und Hunderte Kinder und auch Erwachsene mit seinen Puppenwelten fasziniert. Auch auf Facebook haben „Winnis Puppenhäuser“ eine internationale Fangemeinde. Die Alzenauer können die Kunstwerke, die bis zu 70 Kilogramm wiegen, bis 26. Januar in der Ausstellung „Die Welt im Kleinen“ im Rathaus betrachten.

Blickfang der Alzenauer Ausstellung ist das „Kleinschmidt-Haus“, Baujahr 2011 und 120 Kilogramm schwer. Mit diesem Puppenhaus hat der 65 Jahre alte Hainburger der urhessischen Familie Kleinschmidt, die vom Hanauer Kabarettisten Rainer Bange erfunden wurde, ein Domizil geschaffen. Ein Foto Banges, der auch zum „Richtfest“ erschienen war, schmückt die Wand in der guten Stube von Käthe und Karl, die mit einem offenen Kamin aus Marmor ausgestattet ist. Im Zimmer nebenan streckt sich Otto mit der obligatorischen Zigarre im Mund gemütlich im Sessel aus, im Erdgeschoss ist Roberts Friseurladen untergebracht.

Handgefertige Schieferplättchen und handgeschnitzte Türgriffe

Das Dach der Kleinschmidtschen Villa ist mit rund 1600 handgefertigten Schieferplättchen, die jeweils mit zwei Nägelchen befestigt sind, gedeckt. Allein diese Dachdeckerarbeiten haben sechs Wochen gedauert. Handgeschnitzte Türgriffe, Blumenkästen vor den Fenstern, Parkettfußböden, selbstgebaute Miniaturmöbel: Gärtner zeigt bei seiner Arbeit viel Liebe zum Detail. Sogar die winzigen Aktenordner in Roberts Büro sind selbst gebastelt, die Zapfanlage und das Spülbecken im Anglerheim hat er aus Edelstahl gefertigt. Das „Kleinschmidt-Haus“ ist ein Gemeinschaftswerk des Ehepaares Gärtner mit der Puppendesignerin Elvira Petry.

„Ich baue die Häuser, und meine Frau macht sie wohnlich“, beschreibt Winfried Gärtner die Arbeitsteilung. Im „Südstaatenhaus“ bei dem er sich vom Klassiker „Vom Winde verweht“ hat inspirieren lassen, bauschen sich Spitzenvorhänge in den Fenstern. Bau und Ausstattung des „Südstaatenhauses“ haben rund 500 Arbeitsstunden gekostet.

Puppenhäuser für Kinderkliniken

Mit seinen Puppenhäusern ist es Gärtner gelungen, die große Leere zu füllen, die er 1997 nach seinem unfreiwilligen Ausstieg aus dem Berufsleben empfunden hatte. Fast zwanzig Jahre lang war er am Frankfurter Flughafen beschäftigt gewesen, als ihn mehrere Herzinfarkte zwangen, sich mit 50 Jahren zur Ruhe zu setzen. Damals sei er in ein Loch gefallen und fast verzweifelt. Enkelin Lara und die Puppenhäuser haben ihm wieder Lebensmut und eine neue Aufgabe gegeben. Die Freude an den Puppenhäusern teilt Gärtner seit einigen Jahren mit vielen Kindern. Die Gärtners fertigen nicht nur filigrane, kostbare Puppenhäuser zum Anschauen, sondern auch robuste Spielhäuser, die sie an Kinderkliniken und Kindertagesstätten verschenken.

Das 13. Spielhaus steht seit kurzem in der Alzenauer integrativen Kindertagesstätte „Kunterbunt“. „Winnis Puppenhäuser“ sind nicht für Geld zu haben. Sie sollen in einem Museum präsentiert werden. Das Haus der Gärtners in der Hainburger Paradiesgasse ist mittlerweile für die umfangreiche Sammlung zu klein geworden. Das Ehepaar hat einen Förderverein „Winnis Puppenhaus-Museum“ gegründet und sucht nun weitere Sponsoren und Vereinsmitglieder.

Mehr zum Thema

Die Ausstellung „Die Welt im Kleinen“ läuft bis 26. Januar montags bis freitags von 8 bis 17, samstags von 10-13 Uhr im Rathaus, Hanauer Straße 1.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Pro und Contra auf Code_n Nerd gegen Nörgler

Jetzt kracht es: #LarsVSLara streiten sich über die neuen Apps und Produkte von den Startups auf der Cebit. Dafür streifen sie durch die Code_n Halle. Mehr Von Lara Müller

17.03.2015, 12:32 Uhr | Wirtschaft
Kindercomputer Basteln und Programmieren mit Kano

Mit ein paar Handgriffen ist Kano zusammengebaut, mit ein paar Programmierkniffen wird der Computerspielklassiker Pong kunterbunt: Ein Neunjähriger erklärt den Kindercomputer. Mehr

08.12.2014, 15:47 Uhr | Feuilleton
Trainingstipps vom Textil Das sprechende T-Shirt

Ein mit Sensoren ausgestattetes Sportshirt misst Vitaldaten blitzschnell aus und gibt per App Tipps zum effizienteren Training. Ist der Mehrwert die fast 200 Euro wert? Mehr Von Lara Müller und Lars-Thorben Niggehoff

17.03.2015, 18:30 Uhr | Wirtschaft
Ausstellung Die Kunst von Friedensreich Hundertwasser

Die kunterbunten Bilder und Bauwerke des vor 15 Jahren verstorbenen Künstlers und Architekten Friedensreich Hundertwasser waren eine Kampfansage an die Tristesse des Alltags. Ein Werk, das Kritiker als Kitsch abtaten. In Hagen würdigt eine umfassende Ausstellung den Österreicher gerade als Visionär. Mehr

11.03.2015, 16:08 Uhr | Stil
Mein Freund der Roboter Von der Maschine lernen

Die Fetzen fliegen wieder. Lars hasst den kleinen Blech-Lehrer. Lara liebt ihn. Wer hat die besseren Argumente für die Wissensschleuder? #LarsVSLara geht in die nächste Runde. Mehr Von Lara Müller und Lars-Thorben Niggehoff

18.03.2015, 12:03 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 03.01.2013, 18:46 Uhr

Jedenfalls nicht wie bisher

Von Rainer Schulze

In Sachen Schulbau muss sich die Stadt Frankfurt beeilen. Die altbekannte Ämterstruktur ist ineffizient, daher ist die Suche nach anderen Varianten für den Neubau sinnvoll. Mehr