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Altenpfleger aus Madrid nach Hessen Die Spanier nehmen niemandem die Arbeit weg

 ·  Dank eines Kooperationsvereinbarung kommt heute der erste Altenpfleger aus der Region Madrid nach Hessen, um hier zu arbeiten. Der DGB Frankfurt kritisiert das Abkommen - zu Unrecht.

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Täglich kommen viele hundert Spanier am Frankfurter Flughafen an, aber heute Abend wird ein ganz besonderer unter ihnen sein, Ignacio Rodríguez Úbeda. Das Besondere an dem Mittzwanziger aus der Region Madrid: Er ist die erste Pflegefachkraft aus Spanien, die nach einer Anwerbeaktion des Landes Hessen in Madrid im November vergangenen Jahres den Dienst in Deutschland antritt. Genaugenommen war diese Jobbörse für das Gesundheitswesen eine konzertierte Aktion der hessischen Landesregierung mit der Regionaldirektion Hessen der Bundesagentur für Arbeit, der Liga der freien Wohlfahrtspflege und der hessischen Dependance des Bundesverbands privater Anbieter sozialer Dienste.

Der junge Spanier hat damit die Chance, der in seiner Heimat dramatisch auf 26 Prozent gestiegenen Arbeitslosigkeit zu entkommen. Von seinen Landsleuten unter 25 Jahren haben inzwischen sogar mehr als 55 Prozent keine Arbeit. In Hessen hilft der in einem Studium zum Pfleger ausgebildete Rodríguez Úbeda, den Personalbedarf in einer Branche zu decken, in der es tatsächlich einen Fachkräftemangel gibt und dieser nicht nur behauptet oder als düstere Prognose entworfen wird.

Keine Alternative

Wenn Arbeitskräfte im Ausland angeworben werden, ruft das naturgemäß erst einmal Argwohn bei den Gewerkschaften hervor. Und so rügte unlängst der DGB-Regionalvorsitzende Harald Fiedler beim Neujahrsempfang seiner Organisation die Anwerbung von Spaniern für den deutschen Arbeitsmarkt. Angesichts einer bei 25.000 Personen verfestigten Arbeitslosigkeit allein in Frankfurt müsse man zuerst in Deutschland weiterqualifizieren, bevor man in Spanien gerade die Hochqualifizierten abwerbe, die das Land dringend brauche, wenn die Zeiten wieder besser würden. „Die Menschen dort brauchen Arbeitsplätze und Investitionen im eigenen Land“, zeigte sich Fiedler sicher.

Falsch ist das nicht, nur gibt es beides derzeit in Spanien eben nicht oder viel zu wenig. Für Ignacio Rodríguez Úbeda ist es jedenfalls ganz offensichtlich keine Alternative gewesen, weiter daheim auf bessere Zeiten zu warten, statt nach Deutschland zu gehen. Die Sorge, dass spanische Fachleute den deutschen Arbeitsmarkt belasten könnten, teilen auch die Experten der Regionaldirektion der Arbeitsagentur nicht, gerade was das Gesundheitswesen angeht. „In der Pflege fehlen uns tatsächlich die geeigneten Kräfte“, äußerte eine Sprecherin auf Nachfrage. Und besonders in diesem sensiblen Beruf sei es noch wichtiger als in anderen, Frauen und Männer zu finden, die sich tatsächlich für diese anspruchsvolle und auch aufreibende Tätigkeit eigneten. „Die Eignung hat nicht jeder, und die kann man auch nicht einfach so vermitteln“, hob die Sprecherin hervor.

Dem Krisenland fehlen nun nicht die Fachleute

Nun wirbt die hessische Wirtschaft nicht erst seit November und nicht nur in Spanien um Fachleute, und auch nicht nur um Pflegepersonal, sondern auch um Ingenieure und IT-Fachleute. Zu einem dramatischen Zustrom spanischer Arbeitskräfte nach Hessen als Folge der Krise ist es deshalb bislang aber nicht gekommen. Zum 30.Juni 2011 waren in Hessen 6078 Männer und Frauen mit spanischem Pass unter den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Am 30.Juni des vergangenen Jahres waren es gerade einmal 500 mehr.

Die Sorge, dass dem Krisenland Spanien durch die hessische Wirtschaft in größerem Umfang dringend benötigte Fachleute abhandenkommen, wie es DGB-Regionalchef Fiedler befürchtet, ist demnach eher unbegründet. Zumal die Administration der Region Madrid das Werben der Hessen um die Fachleute ausdrücklich unterstützt und Interessenten Deutschkurse anbietet, bevor sie die Reise nach Hessen antreten. Das würde sie sicher nicht tun, wenn sie negative Folgen für die eigene Region befürchtete.

„Deutsches Erfolgsmodell der dualen Ausbildung“

Die Gewerkschaften sind eher gefordert, dafür zu sorgen, dass die spanischen Fachleute nicht schlechter bezahlt und behandelt werden als ihre deutschen Kollegen. Zu den Vereinbarungen mit der Region Madrid vom November gehört auch das Angebot der Handwerkskammer Frankfurt/Rhein-Main, jungen Spaniern eine Berufsausbildung im dualen System von Schule und Lehrbetrieb anzubieten. Das ist in Spanien, wie auch in vielen anderen europäischen Staaten, bislang nicht etabliert. Bedenken, dass dadurch den noch nicht versorgten hessischen Schulabgängern Chancen verlorengehen könnten, hält eine Sprecherin der Handwerkskammer schon angesichts der Zahl von 20 Betrieben, die an dem Pilotprojekt teilnehmen, für unbegründet. Zumal die Anstrengungen zur Nachqualifizierung noch nicht hinreichend ausbildungsfähiger junger Leute aus Deutschland keineswegs zugunsten der Hilfe für die jungen Frauen und Männer aus Spanien zurückgenommen würden.

Bernd Ehinger, Präsident der Handwerkskammer Frankfurt/Rhein-Main, will mit diesem Angebot an die jungen Spanier durchaus auch für das „deutsche Erfolgsmodell der dualen Ausbildung“ international werben. Es geht ihm aber auch darum, die „gewaltige Menge an sozialem Sprengstoff“ abzubauen, die mit einer Jugendarbeitslosigkeit von mehr als 55 Prozent in Spanien entstanden ist, wie er im Gespräch sagt.

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