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Alte neue Kennzeichen Mancher meldet das Auto eigens von HG auf USI um

Rege Nachfrage nach den alten Kennzeichen wie DI oder BÜD melden die Zulassungsstellen. Im Main-Kinzig-Kreis ist alles komplizierter.

© Eilmes, Wolfgang Vergrößern Schildbürger: Michael Fokkens präsentiert sein neues altes Kennzeichen für Usingen

Seit Wochenmitte sind sie wieder auf der Straße zu sehen: Nicht nur als grünes Kennzeichen an einem alten Heuanhänger, der in einer Scheune die vergangenen 40 Jahre überdauert hat, sondern auch an fabrikneuen Autos: Autoschilder mit Ortskennzeichen wie SLÜ, BÜD oder DI. Auch im Hochtaunuskreis gilt im neuen Jahr nicht mehr einheitlich „HG“. Das Kürzel steht entgegen mancher neidischer Äußerungen über den reichsten Landkreis Deutschlands nicht für „Habe Geld“, sondern für die Kreisstadt Bad Homburg. Jetzt ist zusätzlich das mit der Gebietsreform zum 1. August 1972 abgeschaffte USI wieder im Spiel.

Bernhard  Biener Folgen:  

Michael Fokkens besorgte eines für den Wagen seiner Frau. Dass der junge Vater erst seit 2009 in Usingen wohnt und noch dazu gebürtiger Niederländer ist, scheint nur auf den ersten Blick ein Widerspruch zu sein. Denn die alten Kennzeichen sind keineswegs nur bei heimatverbundenen Nostalgikern beliebt, die mit dem jeweiligen Altkreis Erinnerungen an die eigene Jugend oder das erste eigene Auto verbinden. Der Heilbronner Marketingprofessor Ralf Bochert, der zu dem Thema bundesweit Umfragen gemacht hat, fand bei jungen Leuten eine besonders große Zustimmung für die alten Nummernschildkürzel. In Usingen hatten sich im Frühjahr 2011 insgesamt 63,5 Prozent der Befragten für die Wiedereinführung von USI ausgesprochen. Mit 80 Prozent war der Zuspruch aber bei den Sechzehn- bis Dreißigjährigen höher als im Durchschnitt.

19 Usi-Kennzeichen bis zum Mittag

Im Geschäft von Helmut Günther, bei dem Fokkens seine Schilder prägen ließ, wurden an diesem Morgen doppelt so viele USI-Kennzeichen als HG-Schilder verlangt. Auch beim Laden gegenüber ging USI besser. Händler und andere Profis, die Wagen geschäftlich zulassen wollten, ließen aber auch in Usingen die Kombination HG nicht verschwinden. Bis zum Mittag wurden im Hochtaunuskreis 19 USI-Kennzeichen zugeteilt, 17 in Usingen und zwei in Bad Homburg. Ein Befürworter der Erinnerung an alte Kreisstadt-Zeiten ist der Usinger Bürgermeister Steffen Wernard (CDU). Er hat sich für seinen Dienstwagen das versöhnliche USI-HG 1 sichern lassen. Die nächsten 120 Zahlenfolgen sind für die Usinger Stadtverwaltung reserviert.

Der Bund hatte Ende vergangenen Jahres dem Antrag Hessens stattgegeben, neun ehemalige Kennzeichen wieder einzuführen. So ist auch WEL für Weilburg wieder erlaubt. Im Hochtaunuskreis kann sich jeder, unabhängig vom Wohnort, für HG oder USI entscheiden. Auch im Landkreis Darmstadt-Dieburg ist die Wahl frei. Dort herrschte zur Wochenmitte bei der Dieburger Zulassungsstelle großer Andrang. Er war nach Angaben der Kreisverwaltung nach 600 Vorabreservierungen auch erwartet worden. Das erste DI-Kennzeichen sei allerdings in Weiterstadt ausgegeben worden, an einen Dieburger. In der Wetterau muss ebenfalls nicht in Büdingen wohnen, wer sich wieder BÜD ans Auto schraubt. 39 Autobesitzer taten dies.

Nicht überall Gegenliebe

Lediglich im Main-Kinzig-Kreis ist es kompliziert, weil in Hanau ebenso wie in Wetzlar schon vor längerer Zeit selbständige Zulassungsbehörden gebildet wurden. Deshalb waren HU und WZ auf anderer Rechtsgrundlage wieder aufgelebt. HU bleibt daher den Hanauern vorbehalten, GN den Bewohnern des Altkreises Gelnhausen und SLÜ den Menschen im Altkreis Schlüchtern. Man muss sich also erkundigen, wozu die eigene Kommune früher gehört hat. Die übrigen Kreisbewohner müssen bei MKK bleiben.

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Bundesweit sind inzwischen 140 Altkennzeichen wieder eingeführt worden. Das stößt nicht überall auf Gegenliebe. Der Deutsche Landkreistag hatte noch im November von einem „absurden Vorhaben“ gesprochen, weil ein überschaubares und schlüssiges System aufgegeben werde. Und vor wenigen Tagen erst lehnte es der Rheingau-Taunus-Kreises ab, für die Kreisstadt Bad Schwalbach wieder SWA zuzulassen. Dabei besteht gar keine Verwechslungsgefahr mehr: Südwestafrika heißt inzwischen Namibia.

Quelle: F.A.Z.

 
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