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Veröffentlicht: 23.01.2016, 18:18 Uhr

Alnatura gegen dm Mit eiserner Hand ausgelistet

Der Drogerie-Riese dm und Alnatura waren einst auch im Geiste eng verbunden. Neuerdings treffen sie sich nur noch vor Gericht.

von , Frankfurt
© dpa Noch ein gewohntes Bild: In dm-Märkten sind Alnatura-Waren bislang an exponierten Stellen zu finden.

Inzwischen entspricht die Gangart zwischen den einst befreundeten Anthroposophen Götz Rehn und Götz Werner wohl eher der, für die ein dritter Götz berüchtigt war, der von Berlichingen. Zwar ist die Wortwahl öffentlich noch nicht so derb, wie sie von dem streitbaren Ritter mit der eisernen Hand überliefert ist. In der Sache ist die Auseinandersetzung zwischen dm-Gründer Werner und Alnatura-Gründer Rehn, immerhin beides erklärte Menschenfreunde und seit Jahrzehnten geschäftlich wie familiär eng verbunden, aber längst beinhart.

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Die in erster Instanz vor dem Amtsgericht Frankfurt gescheiterte Klage des Drogerieriesen dm mit seinem Aufsichtsratsvorsitzenden Werner ist darauf gerichtet gewesen, Rehn die Markenrechte an Alnatura zu nehmen. Die Wernersche Seite vertritt die Ansicht, dass Alnatura überhaupt erst durch dm erfolgreich geworden sei. Diese Ansicht versucht dm weiter vor Gericht durchzusetzen und hat Berufung gegen die erstinstanzlichen Entscheidung beim Oberlandesgericht Frankfurt eingelegt. Parallel versuchen die Drogisten, bei Alnatura weiterhin die Auswahl anderer Vertriebspartner mitzubestimmen. Sie berufen sich dabei auf einen Kooperationsvertrag. An den fühlt sich Alnatura nicht mehr gebunden, seit dm die Loslösung von Alnatura betreibt.

Drogerie dm beginnt auszulisten

Ein Verlust des längst als Qualitätsmarke eingeführten Namens Alnatura würde Rehns Unternehmen jedenfalls hart treffen. Ohne diese Marke hätte er es ausgesprochen schwer, seine Produkte nun in den Regalen anderer Handelsketten unterzubringen. Das wissen auch die Verantwortlichen bei dm, die gerade dabei sind, eine eigene dm-Biomarke zu etablieren. Mit einem längst eingeführten und erfolgreichen Namen hätten sie es ungleich viel leichter als mit einem neuen dm-Bio-Marken-Namen. Zumal gleichzeitig ein etablierter Konkurrent der eigenen neuen dm-Produkte praktisch vom Markt verschwinden würde, wenn es gelänge, sich den Namen Alnatura anzueignen. Es macht jedenfalls nicht den Eindruck, dass zwei alte, in der dem Menschen zugewandten Grundhaltung vereinte Freunde eben nun unterschiedliche Wege gehen, um letztlich Gutes für Mensch und Natur zu erreichen. Es ist vielmehr ein harter und zielgerichteter Schlagabtausch, der Alnatura eher in Bedrängnis bringen könnte als dm. Denn schon bis zum April will dm 70 Prozent der Alnatura-Produkte ausgelistet haben.

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Dass das Geschäftsvolumen mit dm geringer würde, darüber war man sich bei Alnatura schon länger im Klaren. Nicht aber, dass der alte Geschäftspartner so schnell und umfassend auslisten und dann auch noch versuchen würde, den wertvollen Markennamen zu kassieren.

Ein Drittel erwirtschaftet Alnatura über dm

Dem Vernehmen nach ist man in der Alnatura-Zentrale im hessischen Bickenbach deshalb auch „bitter enttäuscht“ darüber, dass der Partner, mit dem man über viele Jahrzehnte mehr als nur geschäftlich verbunden gewesen sei, so vorgehe. Man habe in „unzähligen Gesprächen“ eine Einigung versucht, heißt es dort weiter, „ohne Erfolg“. Den Vorwurf, dm habe es auf eine Eskalation angelegt, weist dm-Geschäftsführer Erich Harsch auf Nachfrage allerdings entschieden zurück: „dm war sehr bemüht um eine vernünftige Einigung, aber die unverrückbare Haltung von Alnatura hat keine andere Möglichkeit gelassen als die juristische Klärung“, äußerte er auf Nachfrage.

Götz Werner - Der Gründer und Aufsichtsratsvorsitzende der Drogeriemarktkette dm stellt sich in Frankfurt den Fragen von Johannes Pennekamp © Felix Schmitt Vergrößern Götz Werner, der Gründer der Drogeriekette dm

Ein Blick auf die Geschäftszahlen zeigt, wie hart das Ende des Geschäfts mit dm Alnatura treffen könnte: Rund ein Drittel seines Umsatzes hat das Haus bislang über die dm-Kette erwirtschaftet, die inzwischen zum größten Drogeriemarkt-Konzern in Europa geworden ist. Spätestens seit dem Frühjahr vergangenen Jahres musste sich Alnatura um neue Vertriebswege kümmern. Wie an der im Jahresverlauf stark gestiegenen Zahl an Verkaufsstellen von 3900 auf 7500, in denen Alnatura-Produkte angeboten werden, zu sehen ist, hat man das auch getan. So können Kunden in Deutschland nun Alnatura-Waren auch beim Handelsriesen Edeka in rund 2000 Märkten einkaufen. Auf diese Weise, sagte Rehn noch Mitte November vergangenen Jahres, sei sichergestellt, dass Alnatura-Produkte wie gewohnt auch in der Nahversorgung zu bekommen seien. Dazu kommen die derzeit rund 100 Alnatura-Super-Natur-Märkte, zu denen im Verlauf des aktuellen Geschäftsjahres noch einmal rund zehn hinzukommen werden.

Alnatura-Produkte auch in Österreich vertreten

Als weiteren Vertriebsweg hat Alnatura das Internet entdeckt. Im neuen Online-Shop sind 1000 der 1250 Alnatura-Produkte zu bestellen. Im Norden will das Haus, das rund 2500 Mitarbeiter zählt, mit der Kieler Coop Genossenschaft wachsen. In Österreich ist man bei Billa, Merkur, Mpreis und Sutterlüty vertreten. Seit 2012 sind Alnatura-Waren auch in den Filialen des schweizerischen Einzelhandelsunternehmens Migros zu bekommen. Die Schweizer sind in Hessen bekannter, seit sie 2013 den Fuldaer Lebensmitteleinzelhändler Tegut übernommen haben. Ob das alles reicht, um zu kompensieren, was bei dm verlorengeht, ist völlig offen.

Götz Rehn - Der Alnatura-Chef, Gründer und Geschäftsführer spricht am Sitz des Unternehmens im Hessischen Bickenbach mit Jaqueline Vogt. © Rainer Wohlfahrt Vergrößern Götz Rehn, der Alnatura-Chef

Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Rehn noch einen Umsatzanstieg um zehn Prozent im Vorjahresvergleich auf 760 Millionen Euro melden können. Er tat das allerdings mit verhaltener Freude, sicher auch, weil er im Jahr zuvor noch von einem Umsatzplus von 16 Prozent berichten konnte. Möglicherweise aber auch, weil seit der Eskalation des Konfliktes mit dm Umsatzrückgänge nicht auszuschließen sind.

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