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Alexander Shorokhoff : Der Uhren-Architekt aus Alzenau

Alexander Shorokhov in seiner Uhrenmanufaktur in Alzenau Bild: Foto Rainer Wohlfahrt

Alexander Shorokhoff fing vor 20 Jahren in Rhein-Main mit einem Vertrieb russischer Uhren an. Mittlerweile punktet der Unternehmer aus Alzenau mit seiner Namensmarke.

          Der Mann mit dem Bürstenhaarschnitt greift in die Holzkassette, holt eine Uhr heraus und sagt: „Das ist mein deutsches Gesicht.“ Der Chronograph hat ein cremefarbenes Zifferblatt. Links und rechts der Mitte liegen der Sekundenzeiger und der Zeiger der Stoppuhr. Sie rotieren jeweils über eine dunkel abgesetzte Scheibe, die zusammen wie zwei Augen wirken. Alles schnörkellos. Alexander Shorokhoff, Schöpfer dieser Uhr, kann aber auch anders. Vor gut zwei Jahren kündigte der gebürtige Russe an, etwas „Verrücktes“ zu kreieren. Und zwar ungeachtet der Unsicherheit, ob Uhrenliebhaber seine Ideen mögen werden.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          “Ich habe es produziert, am Ende aber Angst gehabt, ob es die Leute verstehen werden“, blickt der Inhaber der nach ihm benannten Uhrenmanufaktur in Alzenau zurück. Denn für die „Avantgarde“-Linie, die er unter seiner Namensmarke verkauft, hat Shorokhoff nicht nur Anleihen bei Künstlern wie Kasimir Malewitsch und Wassily Kandinsky genommen, er hat gleichzeitig mit Gewohnheiten auf dem Uhrenmarkt gebrochen.

          Die „frischeste Uhr“

          Dafür genügt ein Blick auf die Uhren. Das Zifferblatt jeder „Avantgarde“-Uhr gleicht einem kleinen Kunstwerk. Zudem gibt es oben auf dem Zifferblatt keine „12“ und auch keinen Index, vielmehr hat der 52 Jahre alte Unternehmer eine „60“ gewählt. Diese Zahl ist für ihn in vielerlei Hinsicht ein Symbol. So wurde er 1960 in Russland als Alexander Shorokhov geboren; 1991 zog er in den Raum Frankfurt, wo er vor 20 Jahren sein Unternehmen gründete und zunächst Uhren der russischen Marke Poljot vertrieb. Die „60“ rundet die Minute ab - und sie steht für jene Revolution in Politik, Gesellschaft und Musik, die die Sechziger und die Zeit danach prägte. Nicht zuletzt liegen Revolution und Avantgarde nahe beieinander, wie er meint.

          “Wir sind mit der ,Avantgarde’-Linie vorne“, sagt er, bestärkt durch das bei der Messe Munich Time eingeheimste Lob, die „frischeste Uhr“ präsentiert zu haben. Vor allem aber geben dem Unternehmer, der von Haus aus Architekt ist, die Verkäufe recht. Besonders das 2011 vorgestellte Modell „Miss Avantgarde“ laufe gut. Shorokhoff hat es, nachdem er die Idee mit der „60“ geboren hatte, wie die anderen 40 Teile der Linie binnen eines Jahres entworfen.

          Kinder der Krise

          Diese Kreationen sind letztlich ein Kind der Krise von 2009. Seinerzeit stockten die Verkäufe seiner im Luxussegment angesiedelten „Heritage“-Uhren, die Künstlern aus Russland wie Leo Tolstoi gewidmet sind. Dies brachte ihn auf den Gedanken, eine günstigere Linie auf den Markt zu bringen und ein anderes, jüngeres Publikum anzusprechen, ohne Abstriche an der Qualität zu machen. So ist etwa der Rotor des Automatikwerks der „Miss“-Uhr handgraviert, das Modell „New Planet“ hat vergoldete Brücken im Werk und ein Zifferblatt mit Korbflechtmuster. Rund 1600 Uhren seiner Namensmarke will er dieses Jahr verkaufen.

          Das Butter-und-Brot-Geschäft des profitabel wirtschaftenden Unternehmers, der längst in Alzenau verankert ist und dort 20 Jahre Manufaktur mit Aktionen feiern wird, sind aber noch seine Marken Poljot International und Basilika. Gut 10 000 Stück setzt er international im Jahr ab.

          Thorsten Winter

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