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Langen : Membran und Aktivkohle gegen Arzneien im Wasser

Geklärt: Bevor das Abwasser in einen Bach fließen darf, muss es mehrere Becken passieren Bild: Cornelia Sick

Auch nach 50 Jahren gibt es noch Herausforderungen für den Abwasserverband Langen/Egelsbach/Erzhausen. Die Technische Hochschule Darmstadt hilft ihm dabei.

          Eine große Feier oder einen Tag der offenen Tür wird es nicht geben; dafür haben die Kommunen kein Geld. Schließlich müssen die meisten hohe Defizite in den Haushalten schultern. Deshalb hat auch der Abwasserverband Langen/Egelsbach/Erzhausen sein Jubiläum ohne Festlichkeiten begangen: Seit 50 Jahren sorgt er dafür, dass menschliche Hinterlassenschaften nicht unbehandelt in die Natur entlassen werden, sondern in einer Kläranlage herausgefiltert werden.

          Eberhard Schwarz

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung für die Stadt und den Kreis Offenbach.

          Im April 1964 gründeten die Stadt Langen und die Gemeinde Egelsbach den gemeinsamen Verband, dem sich 1990 die Gemeinde Erzhausen anschloss. Seither ist der Verband über Kreisgrenzen hinweg tätig. In seinem Einzugsgebiet leben etwa 55.000 Menschen. 19 Mitarbeiter kümmern sich um die Reinigung der Abwässer, die aus Wohnungen und Betrieben ins Kanalnetz fließen. Dies sei Umweltschutz im besten Sinne des Wortes, sagten die Bürgermeister Frieder Gebhardt (SPD) aus Langen, Jürgen Sieling (SPD) aus Egelsbach und Rainer Sebold (parteilos) aus Erzhausen. Auf eine Gesamtlänge von knapp 200 Kilometern bringen es die Kanäle, die in Erzhausen und Egelsbach dem Abwasserverband, in Langen der Stadt und den Kommunalen Betrieben gehören. Insgesamt 3,4 Kilometer sind die Abwässer von Erzhausen über die dortige Verbandsanlage mittels Druckleitungen zur Verbandsanlage in Egelsbach und weiter zur Kläranlage an der Prinzessin-Margaret-Allee in Langen unterwegs.

          Seit Jahrzehnten biologische Reinigungsstufe

          1957 wurde die Kläranlage westlich der Wohnsiedlung Oberlinden eröffnet. Am Anfang seien zunächst die sichtbaren Inhaltsstoffe in einer mechanischen Stufe entfernt worden, berichtete Werner Hötzel, Geschäftsführer des Abwasserverbands. Eine biologische Reinigungsstufe kam alsbald hinzu. Von 1995 bis 1997 wurde die Zentralkläranlage mit Millionenaufwand modernisiert und erweitert, um auch Phosphor- und Stickstoffverbindungen entfernen zu können. Auf großzügige 5,5 Hektar bringt es das Betriebsgelände der Kläranlage, die noch hätte erweitert werden können: In den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gab es Pläne, Langen auf 80.000 Einwohner und Egelsbach auf 40.000 Einwohner anwachsen zu lassen.

          Drei Tage lang werde ein Wassertropfen bei trockenem Wetter in der Kläranlage behandelt, so Hötzel, der den Abwasserverband seit 1983 leitet. Etwa 10 000 Kubikmeter Wasser am Tag werden dort gereinigt, wenn es nicht regnet. Inklusive der Niederschläge fließen 5,5 bis sechs Millionen Kubikmeter Wasser im Jahr durch die Becken und Rohre. Über den Hundsgraben wird das saubere Abwasser zum Hessischen Ried in Richtung Rhein geleitet. Der Betrieb kostet rund 6,3 Millionen Euro im Jahr und wird über Gebühren finanziert.

          Spurenstoffe die nächste Herausforderung

          80 Prozent der Nährstoffe, 95 Prozent der Kohlenstoffverbindungen und fast 100 Prozent der Feststoffe lassen sich aus dem Abwasser entfernen. Damit sind Hötzel und seine Mitarbeiter aber nicht zufrieden: Spurenstoffe, die von Arzneimitteln, aber auch von Haushalts- und Pflegemitteln stammen, stellen die nächste Herausforderung dar. Sie können bisher nicht vollständig beseitigt werden. Bis zu 60 Prozent der Wirkstoffe von Arzneimitteln scheidet der Körper wieder aus. Außerdem werden nicht benötigte Zäpfchen, Tabletten und Salben häufig über die Toilette entsorgt. In Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Darmstadt und mit finanzieller Unterstützung des Landes wurde ein zweijähriges Forschungsvorhaben an der Kläranlage realisiert, mit dem der Abwasserverband eine Vorreiterrolle übernahm.

          Durch Membranfiltration in Kombination mit einem Aktivkohleverfahren gelang es in der Versuchsanlage, dem Abwasser bis zu 90 Prozent der Spurenstoffe zu entziehen. Hötzel hofft auf einen weiteren Forschungsauftrag für einen großtechnischen Versuch, der etwa eine Million Euro kosten würde. Die Entscheidung soll in diesem Jahr fallen, möglicherweise noch vor den Sommerferien.

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