http://www.faz.net/-gzg-75h40
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 02.01.2013, 19:34 Uhr

Aktionsbündnis Occupy stellt Krankenwagen auf

Die Aktivisten am Willy-Brandt-Platz sind hartnäckig: Nun haben sie einen mobilem Infostand aufgebaut.

von , Frankfurt
© Eilmes, Wolfgang „Krankes System“: das neue Protestmobil von Occupy vor der EZB.

Sie hätten auch einen Fleischerwagen zur Hand gehabt, mit einer fünf Meter langen Verkaufstheke, aber damit vor der Europäischen Zentralbank vorzufahren, sagen sie bei Occupy, das wäre von allzu brachialer Symbolik gewesen. Jetzt ist es ein Krankenwagen geworden, ein von den Johannitern in Hildesheim ausgemustertes Modell, mit dem vor zwei Jahren noch Kranke transportiert wurden und ab sofort politische Botschaften. Seit gestern steht der Wagen als mobiler Demonstrationsstand auf dem Willy-Brandt-Platz. Bei Occupy freuen sie sich über die Wortspiele, die naheliegen: das kranke System. Die kaputten Banken. Wir retten alle. Neben dem „Rettungsdienst“-Schild auf dem Dach haben sie schon „Occu-

Denise Peikert Folgen:

py“-Aufkleber gepappt, aber das soll alles noch deutlicher werden. Graffiti-Künstler, so der Plan, werden den Wagen mit Parolen besprühen. Besonders das Dach, damit die sie sehen können, die oben aus den Fenstern der Zentralbank gucken.

Mehr zum Thema

Nicht alle sind zufrieden

Der Krankenwagen ist der Nach-Nachfolger des Occupy-Camps, das im August vergangenen Jahres von der Polizei geräumt worden war. Mitte November haben die Aktivisten dann auch ihre Dauermahnwache abgebaut, derentwegen es mit den Ordnungsbehörden immer wieder Streit gab. Die Aktivisten hatten verbotenerweise Pavillons aufgebaut und auf dem Willy-Brandt-Platz genächtigt. Jetzt haben sie eine Sondernutzungserlaubnis vom Ordnungsamt, die ihnen das Aufstellen ihres Krankenwagens von Montag bis Samstag in der Zeit zwischen 10 und 20 Uhr ermöglicht - zunächst auf Probe bis Ende Januar. Aus dem Ordnungsdezernat hieß es gestern, wenn die Auflagen eingehalten würden, stehe einer Verlängerung der Erlaubnis nichts im Wege. Die Aktivisten dürfen keine Stühle oder Blumenkübel aufstellen, erst recht keine Zelte. Den Platz um den Krankenwagen müssen sie sauber halten - und dafür zahlen. 218 Euro monatlich fallen als städtische Sondernutzungsgebühr an. Laut Occupy kostet die Haltung des Krankenwagen insgesamt rund 500 Euro im Monat - Geld, das problemlos über Spenden eingenommen werden könne.

Dem Vernehmen nach sind nicht alle Occupy-Aktivisten mit dem jetzt gefundenen Kompromiss zufrieden. Die, die dahinterstehen, wollen nicht, dass die Sache der Protestbewegung wieder über den Kopf wächst. Die Hausordnung, die außen am Krankenwagen klebt, verbietet für drinnen Zigaretten, Alkohol und illegale Drogen. Und weiter heißt es: „Permanentes ,chillen‘ und eine dauerhafte ,Gepäckaufbewahrung‘ ist leider nicht möglich.“

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Aktion Flüchtlinge fressen Die Tiger drücken ihr Bedauern aus

Wer instrumentalisiert hier wen? Die Kunstaktion Flüchtlinge fressen sollte die Politik unter Druck setzen. Doch sie hinterlässt nur jede Menge Fragezeichen. Mehr Von Mark Siemons

30.06.2016, 10:31 Uhr | Feuilleton
Psychisch kranker Täter Großbritannien unter Schock nach Mord an Jo Cox

Nach dem Mord an der Labour-Abgeordneten Jo Cox wenige Tage vor dem EU-Referendum in Großbritannien rätselt das Land über das Motiv des Angreifers. Der mutmaßliche Täter soll psychisch krank sein und Sympathien für Neonazis hegen. Beide politischen Lager legten indes ihre Kampagnen zum EU-Referendum auf Eis. Mehr

18.06.2016, 11:10 Uhr | Politik
Der Lokaltermin Salat, Hummus, und Tempeh

Ganz ohne Fleisch kommt das Restaurant Vevay in der Frankfurter Altstadt aus. Doch nicht nur für Veganer ist die Küche ein Genuss. Der Lokaltermin. Mehr Von Peter Badenhop

25.06.2016, 14:47 Uhr | Rhein-Main
Frankreich Pariser Polizei bereitet sich auf Demo-Gewalt vor

Mehr als 2000 Beamte wurden am Place de la Bastille stationiert, Glasscheiben von Bushaltestellen wurden entfernt, Absperrungen entlang der Marschroute aufgebaut. Mehr

23.06.2016, 17:00 Uhr | Politik
Flüchtlinge fressen Kritik an öffentlicher Kunstaktion

Die Aktivistengruppe Zentrum für politische Schönheit will Flüchtlinge Tigern zum Fraß vorwerfen. Das Innenministerium kritisierte die Aktion nun als geschmacklose Inszenierung. Mehr

17.06.2016, 17:05 Uhr | Feuilleton

Schützt die Kinder

Von Hans Riebsamen

Im Straßenverkehr sind in den vergangenen Jahren weniger Kinder bei Unfällen gestorben. Das ist erfreulich, aber Unfälle mit Kindern lassen sich gänzlich vermeiden - wenn man denn will. Mehr 0

Abonnieren Sie unsere Rhein-Main Newsletter

  • Newsletter auswählen

    Newsletter auswählen