Home
http://www.faz.net/-gzg-75h40
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Aktionsbündnis Occupy stellt Krankenwagen auf

Die Aktivisten am Willy-Brandt-Platz sind hartnäckig: Nun haben sie einen mobilem Infostand aufgebaut.

© Eilmes, Wolfgang „Krankes System“: das neue Protestmobil von Occupy vor der EZB.

Sie hätten auch einen Fleischerwagen zur Hand gehabt, mit einer fünf Meter langen Verkaufstheke, aber damit vor der Europäischen Zentralbank vorzufahren, sagen sie bei Occupy, das wäre von allzu brachialer Symbolik gewesen. Jetzt ist es ein Krankenwagen geworden, ein von den Johannitern in Hildesheim ausgemustertes Modell, mit dem vor zwei Jahren noch Kranke transportiert wurden und ab sofort politische Botschaften. Seit gestern steht der Wagen als mobiler Demonstrationsstand auf dem Willy-Brandt-Platz. Bei Occupy freuen sie sich über die Wortspiele, die naheliegen: das kranke System. Die kaputten Banken. Wir retten alle. Neben dem „Rettungsdienst“-Schild auf dem Dach haben sie schon „Occu-

Denise Peikert Folgen:

py“-Aufkleber gepappt, aber das soll alles noch deutlicher werden. Graffiti-Künstler, so der Plan, werden den Wagen mit Parolen besprühen. Besonders das Dach, damit die sie sehen können, die oben aus den Fenstern der Zentralbank gucken.

Mehr zum Thema

Nicht alle sind zufrieden

Der Krankenwagen ist der Nach-Nachfolger des Occupy-Camps, das im August vergangenen Jahres von der Polizei geräumt worden war. Mitte November haben die Aktivisten dann auch ihre Dauermahnwache abgebaut, derentwegen es mit den Ordnungsbehörden immer wieder Streit gab. Die Aktivisten hatten verbotenerweise Pavillons aufgebaut und auf dem Willy-Brandt-Platz genächtigt. Jetzt haben sie eine Sondernutzungserlaubnis vom Ordnungsamt, die ihnen das Aufstellen ihres Krankenwagens von Montag bis Samstag in der Zeit zwischen 10 und 20 Uhr ermöglicht - zunächst auf Probe bis Ende Januar. Aus dem Ordnungsdezernat hieß es gestern, wenn die Auflagen eingehalten würden, stehe einer Verlängerung der Erlaubnis nichts im Wege. Die Aktivisten dürfen keine Stühle oder Blumenkübel aufstellen, erst recht keine Zelte. Den Platz um den Krankenwagen müssen sie sauber halten - und dafür zahlen. 218 Euro monatlich fallen als städtische Sondernutzungsgebühr an. Laut Occupy kostet die Haltung des Krankenwagen insgesamt rund 500 Euro im Monat - Geld, das problemlos über Spenden eingenommen werden könne.

Dem Vernehmen nach sind nicht alle Occupy-Aktivisten mit dem jetzt gefundenen Kompromiss zufrieden. Die, die dahinterstehen, wollen nicht, dass die Sache der Protestbewegung wieder über den Kopf wächst. Die Hausordnung, die außen am Krankenwagen klebt, verbietet für drinnen Zigaretten, Alkohol und illegale Drogen. Und weiter heißt es: „Permanentes ,chillen‘ und eine dauerhafte ,Gepäckaufbewahrung‘ ist leider nicht möglich.“

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Queen besucht Frankfurt Royale Sperrungen am Donnerstag

Der Zeitplan für Donnerstag ist gefasst, gegen 14.30 treten Königin Elisabeth II. und ihr Gemahl auf den Balkon des Römers. Das Gebiet um den Römer ist großzügig abgesperrt. Mehr Von Helmut Schwan und Hans Riebsamen

20.06.2015, 07:56 Uhr | Gesellschaft
Italienische Aktivisten Mit militanten Grüßen aus Genua

Unter den Demonstranten von Blockupy sind auch Hunderte Aktivisten aus Italien. Sie sind aus Rom und Genua nach Frankfurt gereist und ziehen singend und marodierend durch die Stadt. Mehr

18.03.2015, 16:52 Uhr | Rhein-Main
Hongkong Parlament lehnt Wahlrechtsreform ab

Monatelang hatten zehntausende Hongkonger gegen eine von China geplante Wahlrechtsänderung protestiert. Jetzt hat das Parlament die Reform abgelehnt – unter bizarren Umständen. Mehr Von Petra Kolonko, Peking

18.06.2015, 08:18 Uhr | Politik
Der Majdan in Kiew Sinnbild für Revolution und Widerstand

Alles begann auf dem Majdan: im Herbst 2013 gingen hunderttausende Ukrainer in Kiew auf die Straße, um Präsident Janukowitsch zum Rücktritt zu zwingen und den Umsturz herbeizuführen. Viele der Aktivisten von damals sind in ihre alten Berufe zurückgekehrt, andere nahmen auf den Stühlen derer Platz, die sie vertrieben haben. Mehr

04.04.2015, 10:12 Uhr | Gesellschaft
Nahost-Konflikt Israels Armee fängt Schiff mit Aktivisten ab

Soldaten haben ein Schiff der Gaza-Flotte geentert und in einen Hafen eskortiert. Das Schiff ist Teil einer Aktion, an der sich auch ein deutscher Journalist sowie ein europäischer Abgeordneter beteiligen. Mehr

29.06.2015, 07:11 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 02.01.2013, 19:34 Uhr

Ein Paukenschlag

Von Heike Lattka

Die Wahl von Albrecht Kündiger zum Bürgermeister, sorgt in Kelkheim für Aufsehen. Nach 65 Jahren stellt die CDU nicht mehr den Rathauschef. Für die CDU wäre ein Phase des Umbruchs nicht das Schlechteste. Mehr 1